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Greifswald Kultur, Spaß und Bus – dank Kus
Vorpommern Greifswald Kultur, Spaß und Bus – dank Kus
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18:30 17.03.2019
Die Vergünstigungen des Kus werden im Freizeitbad gern in Anspruch genommen. Quelle: Stadtwerke Greifswald
Greifswald

Wer von Hartz 4 lebt, hat nur begrenzt Möglichkeiten, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen. Mit Freunden in einem Café sitzen, am Wochenende ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen, ist für Menschen, die Grundsicherung beziehen, nur selten möglich. Denn diese Dingen kosten Geld.

Von den 424 Euro für eine alleinstehende Person ohne Kinder werden etwa 40 Euro im Monat für den Bereich Unterhaltung und Freizeit in der Berechnung der Grundsicherung angesetzt. Diese Berechnung beruht auf der sogenannten Statistikmethode, aus denen sich der Regelsatz zusammensetzt.

Doch reicht das aus? Die Hansestadt weiß um die Wichtigkeit, trotz geringem Einkommens, am kulturellen Leben teilzuhaben. Seit 1997 gibt es in Greifswald den Kultur- und Sozialpass (Kus). Mit diesem bekommen Hansestädter, die wenig Geld zur Verfügung haben, bei 13 verschiedenen Einrichtungen Vergünstigungen – darunter sind das Pommersche Landesmuseum, das soziokulturelle Zentrum St. Spiritus, die Stadtbibliothek oder die Musikfabrik Greifswald.

Im vergangenen Jahr beantragten 1132 Einwohner und 1348 Familienangehörige den Kus. Eine davon ist Rosi Peters. Seit fast 15 Jahren nutzt sie den Kultur- und Sozialpass. Peters lebt von Hartz 4 und muss jede Ausgabe genau kalkulieren. Den Kus, sagt sie, nutzt sie hauptsächlich für einen Besuch im Tierpark, für das Freizeitbad und für den öffentlichen Nahverkehr. Die Ermäßigungen machen sich in ihrem Portemonnaie bemerkbar. Statt 40 Euro zahlt die Greifswalderin beispielsweise für eine Monatskarte bei den Greifswalder Verkehrsbetrieben nur 35 Euro. „Wenn es den Kus nicht gäbe, könnte ich dann nicht so viel für andere Sachen sparen.“ Den Pass, findet Peters, müsste es in mehr Städten und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern geben. Sie jedenfalls will ihren Kus-Pass auch in den kommenden Jahren weiter nutzen.

Der Kultur- und Sozialpass sei so beliebt, wie nie zuvor, sagt Andrea Reimann, Pressesprecherin der Stadt. Vor allem Familien und Alleinerziehende würden das Angebot gern in Anspruch nehmen. Im Vergleich zu 2017 hätten sich die Anträge von Familien und Alleinerziehenden im vergangenen Jahr verdoppelt. So nutzten insgesamt 127 Alleinerziehende mit ihren Kindern die Preisnachlässe, aber auch 169 Familien mit drei oder mehr Kindern.

Auch Studenten und Auszubildende, die ihren Hauptwohnsitz in Greifswald anmelden, können den Kus beantragen. Doch so mancher verzichtet auf die Rabatte: Im Wintersemester 2018/19 haben sich etwa 2000 neue Studenten an der Universität Greifswald eingeschrieben. Im Februar vermeldete die Agentur für Arbeit im Geschäftsstellenbezirk Greifswald rund 4500 Hartz-4-Empfänger. Viele von ihnen wären berechtigt den Kus zu beantragen (siehe Infotext) – denn er kostet nichts.

In mehreren Einrichtungen wird der Pass besonders gern vorgezeigt. Dazu zählt beispielsweise der Tierpark, bei dem der Pass laut eines Berichts der Kus-Arbeitsgruppe vergangenes Jahr 2115 genutzt wurde. Zum Vergleich: Beim St. Spiritus nahmen lediglich 30 Kus-Inhaber Rabatte in Anspruch. Beim Theater Vorpommern waren es laut Bericht der Arbeitsgemeinschaft immerhin 293-Kus-Nutzer, die je nach Sparte und Platzkategorie zwischen 7 und 19 Euro für ein Ticket zahlen.

„Der Kus wird als Ermäßigung gerne von unseren Gästen für den Theaterbesuch genutzt“, erklärt Benjamin Glanz, Mitarbeiter der Pressestelle des Theaters. Für Arbeitslosengeld- und Hartz-4-Empfänger gibt es weitere Vergünstigungen. Doch: „Diese Karten werden dagegen deutlich seltener gebucht“, erzählt Glanz weiter.

Auch das Freizeitbad lockt mit Vergünstigungen für Kus-Besitzer: „Erwachsene zahlen nun vier Euro für 90 Minuten, anstatt 5,90 Euro. Kinder sind mit 1,50 statt 3,90 Euro dabei“, erklärt Steffi Borkmann, Sprecherin der Stadtwerke, die das Freizeitbad betreiben.

Kus beantragen

Den Kus erhalten Bürger der Hansestadt mit geringem Einkommen, die ihren Wohnort in Greifswald angemeldet haben. Um den KUS zu beantragen, wird ein Passbild des Antragstellers sowie für jedes aufgeführte Familienmitglied benötigt. Darüber hinaus müssen eines der folgenden Dokumente vorgelegt werden: Nachweis des Bezuges von Arbeitslosengeld II, Wohngeldbescheid, Sozialhilfebescheid, Nachweis über die Medikamentenbefreiung, Studentenausweis oder Ausbildungsnachweis. Der Antrag kann online auf www.greifswald.de/de.galleries/Kultur-und-Sozialpass heruntergeladen werden.

Lesen Sie auch: Grundsicherung im Selbstversuch. OZ-Redakteure leben einen Monat von Hartz 4.

Christin Lachmann

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