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Greifswald Stadt kämpft gegen Elterntaxen vor Horten und Schulen
Vorpommern Greifswald Stadt kämpft gegen Elterntaxen vor Horten und Schulen
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08:26 04.05.2018
Um den Verkehr vor der Kollwitzschule sicherer zu machen, wurde kürzlich eine Ampel installiert. Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sind vor allen Grundschulen in Greifswald ein Problem. Das nimmt die Stadtverwaltung nun in Angriff. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Die Verkehrssituation vor Greifswalds Grundschulen bleibt ein Dauerbrenner. Nach erfolgreichen Initiativen zur Verkehrsberuhigung vor der Kollwitzschule und dem Ostseegymnasium soll dies nun auch vor der Pestalozzischule und dem Hort Kunterbunt erreicht werden. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion Grüne/Forum 17.4 in die Gremien der Bürgerschaft eingebracht.

Das Drei-Säulen-Modell

Konkret fordern die Grünen die Stadtverwaltung auf zu prüfen, ob die Warschauer Straße in Höhe der Schule und des Hortes in eine Spielstraße umgewidmet werden und ein Halteverbotsschild aufgestellt werden kann. „Vor der Schule entstehen immer wieder gefährliche Situationen.Betroffen sind nicht die Kinder, die direkt aus dem Auto steigen, sondern die, die bereits ausgestiegen sind“, erklärt Peter Madjarov (Grüne) während der Sitzung des Bauausschusses. Ines Krüger, die Leiterin des Hortes Kunterbunt, bestätigt das Problem auf OZ-Nachfrage: „Die Straße ist teilweise so zugeparkt, dass es Probleme mit den Rettungswegen gibt.“ Elternvertreter hätten die Politiker um Hilfe für das Problem gebeten.

Mit der Maßnahme sollen Eltern gezwungen werden, langsamer zu fahren und ihr Auto nicht mehr direkt vor der Schule zu parken. Gespräche mit den Eltern hätten in der Vergangenheit keine Verbesserung der Situation gebracht, so Ines Krüger.

Der zuständige Amtsleiter Fred Wixforth ist stets ein bisschen genervt, wenn es um Verkehrsberuhigung vor Schulen geht: „Das Elterntaxi sorgt für gegenseitige Behinderung.“Das eigentliche Problem sei, dass viele Eltern ihr Kind mit dem Auto in die Schule bringen. „Das wird sich durch noch so viele Anordnungen nicht ändern“, sagt Wixforth. Eine Verkehrszählung habe ergeben: 85 Prozent der Autofahrer fahren nicht schneller als 22 Kilometer pro Stunde. Pro Tag sind 380 Fahrzeuge auf dem Teilstück unterwegs. „Das ist nichts“, sagt Wixforth. Eine Spielstraße sei verkehrsrechtlich nicht umzusetzen. „Eltern sind überängstlich, nicht jedes Chaos ist gefährlich.“ Aus seiner Sicht sei es besser, wachsam in einer chaotischen Situation zu agieren statt blind zu vertrauen.

Dasselbe Thema wurde jahrelang in Bezug auf die Kollwitzgrundschule und das Ostseegymnasium diskutiert. In beiden Schulen verursachen Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, Verkehrsprobleme. In der Pappelallee hat die Stadtverwaltung trotz anfänglicher Bedenken schließlich eine Tempo-30-Zone eingerichtet, in der Friedrich-Loeffler-Straße wurde vor wenigen Wochen eine Ampel installiert, die das Queren der Straße für die Schüler sicherer macht.Da nahezu alle Greifswalder Grundschulen vom Problem der vielen Elterntaxen betroffen sind, packt die Stadtverwaltung das Thema nun grundsätzlich an: „Wir haben ein Beratungsunternehmen beauftragt“, erklärt Wixforth. Ziel ist es, an die Psyche der Eltern ranzukommen, zu verstehen, was diese brauchen, um ihre Kinder nicht mehr mit dem Auto vor der Schule abzuliefern. Er hofft, dass am Ende ein Konzept vorliegt, das sich auf alle Schulen übertragen lässt.

Die Firma Bueffee erarbeitet für die Käthe-Kollwitz-Grundschule derzeit ein Konzept, um die Verkehrsprobleme durch Elterntaxen zu reduzieren. „Zweites Ziel ist, Kinder zu motivieren, zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule zu kommen“, sagt Projektleiter Jens Leven. Das Drei-Säulen-Konzept der Firma setzt er bundesweit bereits an 93 Schulen um. „Bei unserem Pilotprojekt in Essen haben wir erreicht, dass 20 Prozent mehr Kinder zu Fuß kommen. Die Elterntaxen wurden um die Hälfte reduziert“, sagt Leven. Vor 20 Jahren sei es noch selbstverständlich gewesen, dass Schüler alleine zur Schule kommen.8000 Euro bezahlt die Stadtverwaltung für die Umsetzung des Drei-Säulen-Modells an der Kollwitzschule. Derzeit werden die Daten erhoben, wie die Schüler zum Unterricht kommen und wo die Eltern Problemstellen sehen. „Wir haben 140 Fragebögen zurückbekommen. Damit ist die Befragung repräsentativ“, sagt Jens Leven. Im nächsten Schritt sollen die Wege aus Kinderperspektive überprüft werden. „Wir müssen den Verkehr kindgerecht machen, nicht die Kinder verkehrsgerecht“, sagt Leven. Daraus könnten sich Empfehlungen ergeben, beispielsweise der Bau einer Ampel. Für Kinder, die weite Schulwege haben, beispielsweise von der Insel Riems kommen, sollen Hol- und Bringzonen eingerichtet werden, die 250 bis 400 Meter von der Schule entfernt sind. „Wenn Kinder gar keinen Schulweg mehr haben, hat das negative Effekte auf die Bewegungs- und Gesunheitsförderung. Dem Kind entgehen wichtige Erfahrungen, beispielsweise, die Stadt kennenzulernen, sich orientieren zu lernen, selbstständig werden“, so Leven. Damit die Schüler motiviert sind, wirklich alleine zur Schule zu kommen, soll es ein Punktesystem geben. Hat die Klasse eine bestimmte Anzahl an Sternen gesammelt, bekommt die Klasse hausaufgabenfrei oder es wird im Unterricht ein Film geguckt.

Die Ortsteilvertretung Ostseeviertel, der Sozialausschuss und der Finanzausschuss haben dem Prüfauftrag für eine Spielstraße zugestimmt. Der Bauausschuss votierte dagegen. Die endgültige Entscheidung fällt am 25. Mai die Bürgerschaft.

Degrassi Katharina

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