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Stadtsportbund fordert viel Geld für Geschäftsstelle

Streit zwischen Stadt- und Kreissportbund geht weiter: Eigene hauptamtliche Lösung für Greifswald angestrebt Stadtsportbund fordert viel Geld für Geschäftsstelle

35000 Euro jährlich werden für eine 30-Stunden-Kraft, Miete und Büromaterial benötigt/ Der größte Batzen soll aus dem städtischen Haushalt kommen / Ausschüsse uneins

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Der Streit zwischen Stadt- und Kreissportbund hatte seinen Höhepunkt, als der Stadtsportbund das Sportfest der Gymnasien absagte, obwohl die Organisation in der Hand des Kreissportbundes liegt. Der Wettbewerb wurde in der vergangenen Woche schließlich ohne Hilfe des Stadtsportbundes ausgetragen.

Quelle: Binder

Greifswald. Bislang waren die Pläne vage. Jetzt liegen erstmals die Zahlen vor, die eine geplante Geschäftsstelle des Stadtsportbundes in Greifswald kosten soll. Der Vereinsvorsitzende Bernt Petschaelis geht von jährlich 35000 Euro aus. Der größte Batzen fließt in eine Personalstelle mit 30 Wochenstunden. 25000 Euro sollen aus dem städtischen Haushalt kommen. Auf weitere 5000 Euro hofft der Sportbund vom Kreis, 5000 Euro sollen anderswo eingeworben werden.

Diese Pläne stellte Petschaelis während der Sitzung des Sportausschusses am Montagabend öffentlich vor. In einem ersten Anlauf geht es darum, die bisherigen Büroräume des Kreissportbundes in Greifswald für den Stadtsportbund zu sichern. „Der Kreissportbund hat den Vertrag für die Räume im Volksstadion gekündigt. Damit die Stadt die Büros nicht an jemand anderen vermietet, müssen wir jetzt aktiv werden“, erklärt Mignon Schwenke (Linke), Chefin des Sportausschusses. 5000 Euro jährlich werden hierfür aus dem städtischen Haushalt fällig. Im Sportausschuss fand der Antrag breite Zustimmung. Im parallel tagenden Finanzausschuss fiel er durch. Viele folgten den Argumenten von Sportamtsleiterin Carola Felkl: „Hier wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Zuerst muss feststehen, welche Aufgaben der Stadtsportbund künftig hat und wer sie erledigen soll“, sagte sie.

Wie die Abstimmung in der Bürgerschaft ausgeht, ist noch völlig offen. Schwenke rechnet mit einer Mehrheit. „Wir reagieren mit unserem Antrag auf den Wunsch zahlreicher Sportvereine in Greifswald“, sagt Schwenke. Vor einem Jahr hatte der Stadtsportbund seine 90 Vereine befragt, ob es künftig eine Geschäftsstelle des Stadtsportbundes in Greifswald geben soll. 56 nahmen teil. 55 sagten ja.

Mit seinem Konzept reagiert der Stadtsportbund auf die neuen Strukturen des Kreissportbundes. Weil Kosten gespart, Personal abgebaut werden muss, hat der Kreissportbund alle Büros im Kreis geschlossen und dafür ein neues in Anklam eröffnet. Der bislang für Greifswald zuständige Mitarbeiter Reinhard Bartl – derzeit krankgeschrieben – muss also seit dem 1. September nach Anklam pendeln. Auch sein Aufgabenzuschnitt hat sich verändert. „Der Kreissportbund hat nur noch vier statt vorher sechs Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Thomas Plank. Dadurch mussten die Arbeitsfelder neu strukturiert werden. „Damit wir effizient im Team zusammenarbeiten können, müssen alle vier Mitarbeiter in Anklam sitzen“, erklärt Plank auf OZ-Nachfrage. Aus Sicht von Bernt Petschaelis klingt das so: „Wir haben keine Unterstützung mehr vom Kreissportbund.“ Gamal Khalil (Bürgerliste), Vorsitzender der Sportjugend Greifswald, sieht es ähnlich: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden in Greifswald. Ich sehe in den neuen Strukturen die Schnittstelle zu Greifswald nicht.“ Die Ausschussvorsitzende Mignon Schwenke sagt: „Immer weiter zu zentralisieren, hat sich in vielen Fällen als Fehler erwiesen.“ Unterstützung kommt auch vom Sozialdezernenten des Kreises Dirk Scheer (parteilos). Ihm ist als Greifswalder wichtig, dass die vielen Sportler in der Hansestadt vor Ort einen Ansprechpartner haben. „Der Kreis würde das unterstützen“, verspricht Scheer.

Unklar ist bislang, welche Aufgaben der Kreissportbund künftig nicht mehr für die Stadt wahrnehmen kann. „Selbstverständlich sind wir auch weiterhin für alle Greifswalder Vereine da“, sagt Plank.

Petschaelis betont hingegen, dass das seiner Ansicht nach nicht der Fall ist. Das Tätigkeitsfeld des Stadtsportbundes stellte er dem Sportausschuss vor. Etwa 80 Prozent der Aufgaben hat auch der Kreissportbund im Portfolio stehen. „Ich kann schwer Stellung zu einer Sitzung nehmen, bei der ich nicht anwesend war“, sagt Plank. Er würde die Aufgaben des Kreissportbundes jedoch sehr gerne vor dem Sportausschuss präsentieren und diskutieren.

Gemeinsam stark

Die Fronten sind extrem verhärtet. Seit über zwei Jahren streiten Stadt- und Kreissportbund. Kein Gesprächsangebot konnte die Wogen glätten.

Dabei ist niemandem geholfen, wenn die Beteiligten bockig in der Ecke sitzen und nicht mehr miteinander spielen wollen. Sport in Greifswald ist extrem wichtig. 13000 Sportler brauchen eine Stimme. Da müssen die persönlichen Befindlichkeiten endlich ein Ende haben. Im Kreis hat Greifswald keine Mehrheit, wird sich im Streitfall nie einfach durchsetzen können. Das tut weh. Dass der Stadtsportbund deswegen das Sportfest der Gymnasien ausfallen lassen wollte, war jedoch keineswegs die richtige Antwort.

Bevor Greifswald darüber entscheidet, ob die Stadt bis zu 35000 Euro jährlich in eine neue Geschäftsstelle investiert, sollten die Sportbünde zwingend zu einer Zusammenarbeit zurückfinden. Nur gemeinsam sind wir stark.

Katharina Degrassi

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