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Steinmeier liegt Ukrainistik am Herzen

Steinmeier liegt Ukrainistik am Herzen

Außenminister unterstützt die Erhaltung des Fachs mit Geld und lobt die Greifswalder Wissenschaftler

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Frank-Walter Steinmeier trägt sich ins Gästebuch der Uni ein. Im Hintergrund Rektorin Johanna Eleonore Weber. Fotos (3): Eckhard Oberdörfer

Greifswald Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat gestern das Slawistik-Institut der Universität besucht. Anschließend sprach er in der Aula vor großem Publikum über die „Deutsche Außenpolitik in stürmischen Zeiten“. Steinmeier, laut Rektorin Johanna Eleonore Weber ein „Virtuose der weichen Machtausübung“, bekam lang anhaltenden Beifall für seine Darstellung einer Außenpolitik mit nicht-militärischen Mitteln. Berlin unterstützt seit 2015 die Ukrainistik. Über die Gründe sprach die OZ mit dem Minister.

 

OZ-Bild

Herr Steinmeier hat sich Zeit für uns genom- men und war wirklich sehr interessiert an der Arbeit in unserem Institut.“Bernhard Brehmer, Slawistikprofessor

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Ich habe mich sehr gefreut, dass der Minister der Kultur so große Bedeutung für die Außenpolitik beimisst.“ Roman Dubasevych, Ukrainist

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Herr Steinmeier hat sich Zeit für uns genom- men und war wirklich sehr interessiert an der Arbeit in unserem Institut.“Bernhard Brehmer, Slawistikprofessor

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Ich habe mich sehr gefreut, dass der Minister der Kultur so große Bedeutung für die Außenpolitik beimisst.“ Roman Dubasevych, Ukrainist

Welchen Stellenwert haben aus Ihrer Sicht kleine Fächer oder Regionalwissenschaften?

Frank-Walter Steinmeier: Einen großen! Nur wenn wir auch in Forschungsbereiche investieren, die mancher vorschnell als Orchideen-Fach abtut, weil sie vielleicht nicht zu den klassischen Brot-und-Butter-Studienfächern gehören, können wir Andere besser verstehen lernen und unseren Blick erweitern. Deshalb lag und liegt mir die Ukrainistik in Greifswald am Herzen. Das hat gerade angesichts der Krisen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, Stichwort Ukraine-Konflikt, auch einen wichtigen außenpolitischen Aspekt: Wir benötigen mehr denn je fundiertes Wissen und Regionalkompetenz auch in Osteuropa. Deshalb wollen und müssen wir die Kulturregionen im Osten Europas wieder stärker in den Blick nehmen und dazu den wissenschaftlichen Austausch fördern. Die Universität Greifswald ist hier exzellent aufgestellt. Umso mehr freut es mich, dass es gelungen ist, die Zukunft der Ukrainistik und der Baltistik in Greifswald für die kommenden Jahre zu sichern.

Investitionen in diese Fächer sind gerade in der heutigen Zeit ein Stück Investition in die Zukunft.

Inwiefern nutzt ein Lehrstuhl für Ukrainistik der Außenpolitik und dem Auswärtigen Amt?

Steinmeier: Das Greifswalder Institut für Slawistik hat mit seinem Ukrainikum ein Alleinstellungsmerkmal. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es einen solchen Lehrstuhl. Schon allein deshalb war es mir auch ein persönliches Anliegen, dass die Ukrainistik in Greifswald vor dem Aus bewahrt wird. Deshalb haben wir mit der Landesregierung in Schwerin Gespräche darüber aufgenommen, wie das Auswärtige Amt helfen kann. Gemeinsam haben wir schließlich ein zeitlich befristetes Projekt aufgesetzt, das es angesichts der auch aus Sicht der Ukraine bedenklichen Situation der Universität Greifswald ermöglicht, die vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts in der Ost-Ukraine dringend benötigte wissenschaftliche Expertise zur Verfügung zu stellen. Von mehr Wissen über Osteuropa und speziell über die Ukraine profitieren wir auch in der Außenpolitik.

Was ist das für ein Projekt?

Steinmeier: Ziel ist es, die politische Lage in der Ukraine und der Region wissenschaftlich zu analysieren und politische Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Ein Projektteam soll ab 2017 politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends in der Ukraine analysieren und für die akademische Forschung und die Politik aufarbeiten. Zudem geht es darum, sich enger mit der ukrainischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu vernetzen. In Greifswald arbeiten eine Unternehmensstiftung, Bund, Land und Universität eng zusammen, um die Lücken wieder zu schließen, die mit dem Abbau der Osteuropa-Forschung nach der Wende entstanden sind.

Können Sie sich vorstellen, dass die Universität Greifswald die Ukraine-Experten in Ihrem Haus berät, und haben sie das schon getan?

Steinmeier: Wir brauchen definitiv wieder mehr Wissen über Osteuropa. Deshalb ist eine Beratung des Auswärtigen Amts durch Expert

en der Universität Greifswald genau das Ziel, das wir mit der Projektförderung erreichen wollen. Deshalb unterstützen wir die dringend nötige Vernetzung mit anderen gleichartigen Forschungsinstitutionen im In- und Ausland.

Wie wird das Projekt konkret umgesetzt?

Steinmeier: Um den Erfolg des Projekts kümmern sich mehrere Partner gemeinschaftlich. Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert das Projekt von 2017 bis 2021, das Auswärtige Amt stellt dem dafür Projektmittel von insgesamt 550000 Euro zur Verfügung. Gleichzeitig kümmert sich Mecklenburg-Vorpommern um die institutionellen Mittel und trägt für eine dauerhafte Fortführung nach Abschluss der Projektförderung durch das Auswärtige Amt Sorge.

Ukrainistik-Lehrstuhl: Von Bund und Land gerettet

1992 begann der Unterricht in ukrainischer Sprache und Literatur an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. 1996 wurde ein in Deutschland einmaliger Lehrstuhl für Ukrainistik mit Valerj Mokienko als erstem Professor besetzt und die erste Sommerschule Ukranicum veranstaltet. Mokienko ging 2005 in den Ruhestand. Wegen Sparzwängen wurde dann erstmals um den Erhalt des Fachs gerungen. 2015 stand die Ukrainistik erneut auf der Kippe, wurde aber mit Hilfe von Bund und Land gerettet.

Eckhard Oberdörfer

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