Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Strafrechtler ist für Legalisierung des Drogenkonsums
Vorpommern Greifswald Strafrechtler ist für Legalisierung des Drogenkonsums
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 20.02.2017

Stefan Harrendorf, seit Dezember 2015 Inhaber des in MV einzigen Lehrstuhls für Kriminologie an der Uni Greifswald, trat ein historisches Erbe an. Zuvor hatte Frieder Dünkel diesen Posten inne – und zwar 23 Jahre lang. Damit ist Harrendorf erst der zweite Professor in diesem Amt seit der Neugründung der Rechts- und Staatwissenschaftlichen Fakultät nach der deutschen Wiedervereinigung.

Stefan Harrendorf Quelle: Foto: Cg

Der 40-Jährige sitzt in seinem Büro in der Domstraße 20 zwischen einem vollen Bücherregal, einem aufgeräumten Schreibtisch und Postern von Filmen wie „Schwarze Katze, weißer Kater“ von Emir Kusturica und der englischen Post- Punkband „Joy Division“. Er mag Kunst, die uneindeutig ist und „etwas Verrücktes hat“, sagt er. Harrendorf ist ein kleiner Mann mit einem offenen Blick und ansteckendem Lachen. Als Jugendlicher las der gebürtige Hannoveraner Horrorgeschichten, Krimis und Fantasy, ehe er der erste Jurist in seiner Familie wurde. „Ich komme nicht aus einer dieser Juristendynastien“, sagt er verschmitzt. Seine Eltern waren Bankangestellte. Sein Interesse lag woanders: „Gerechtigkeitsthemen und warum Leute Straftaten begehen, fand ich schon immer sehr spannend“, sagt er.

Also studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen, wurde 2007 Doktor mit einer der ersten umfassenden wissenschaftlich-statistischen Übersichten zu Rückfälligkeit und kriminellen Karrieren von Gewalttätern. 2009 arbeitete er für die Vereinten Nationen in Wien als wissenschaftlicher Berater mit einem internationalen Team an Studien zu Verbrechen und Justiz. 2015 habilitierte er sich zum Thema „geringfügige Straftaten“, unter anderem ging es um Drogenbesitz. Dieses Thema beschäftigte schon Frieder Dünkel. Er und 121 andere Strafrechtsprofessoren fordern die Bundesregierung seit Jahren auf, Drogen zu legalisieren. „Ich bin potentiell für die Legalisierung des Konsums, weil Menschen sich nicht helfen lassen, wenn der Staat ihr Handeln verbietet“, erklärt auch Harrendorf. Am Professorendasein schätzt er die Freiheit. „Alles, was ich in meinem Job mache, sind Dinge, die ich mir selbst ausgesucht habe und mir Spaß bereiten.“ Christopher Gottschalk

OZ

Mehr zum Thema

Arne Schoor aus Rostock

15.02.2017

Durch den Klimawandel sinkt der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren, insbesondere in der Tiefsee. Das fanden Kieler Wissenschaftler heraus. Einige Lebewesen seien dadurch zusätzlich bedroht.

15.02.2017

Warum laufen Menschen, Gorillas oder Orang-Utans auf den Sohlen, die meisten anderen Primaten aber nicht? Die Bereitschaft zu Kämpfen könnte dafür mitverantwortlich sein, glauben Forscher.

16.02.2017

Unternehmen will Vertrauen wiederherstellen

20.02.2017

Seit Wochen gräbt sich das Säugetier seinen Weg durch die Gemeinde

20.02.2017

Der HFC Greifswald (Fußball-Landesklasse) gewann auch sein zweites Testspiel. Gegen SV Sturmvogel Lubmin (Landesklasse) setzten sich die Hengste mit 4:0 durch.

20.02.2017
Anzeige