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Greifswald Stralsund, Greifswald, Wolgast: Wie große Gigs in die Region kommen
Vorpommern Greifswald Stralsund, Greifswald, Wolgast: Wie große Gigs in die Region kommen
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00:00 30.05.2017
„Silbermond“ treten am 10. Juni auf der Mahnkeschen Wiese in Stralsund auf. 5000 Gäste werden erwartet. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Greifswald/Stralsund

Knapp 400000 Euro: So viel kostet das Konzert mit „Silbermond“ am 10. Juni auf der Mahnkeschen Wiese in Stralsund. Als Marcel Glöden das erste Mal die Summe vor Augen hatte, „musste ich schlucken“, bekennt er. Ihm ist klar, allein mit dem Kartenverkauf lässt sich das nicht stemmen. Also suchte er Partner. Aber „ehrlich gesagt, weiß ich bereits jetzt, dass es auch trotz des Sponsorings nicht reichen wird und am Ende ein beträchtlicher Teil von mir privat zugeschustert werden muss“, sagt Glöden – und atmet tief durch.

Knapp 400000 Euro: So viel kostet das Konzert mit „Silbermond“ am 10. Juni auf der Mahnkeschen Wiese in Stralsund.

Der 36-jährige Greifswalder ist einer der großen Eventmanager in Vorpommern. Vor fünf Jahren begann er in Greifswald mit den Boddenklängen, im gleichen Jahr fand in Wolgast das erste Peenekonzert statt. Seit vier Jahren veranstaltet er auch die Sundkonzerte in Stralsund. Für dieses Programm muss er jedes Jahr vier Künstler oder Bands verpflichten, mit denen man vier Abende lang Tausende Besucher in Vorpommern anlockt. Zugleich muss er aber darauf achten, dass die Stars nicht allzu viel kosten und zudem die Tickets erschwinglich bleiben. „Der Kartenpreis darf nie über 50 Euro klettern. Dann kann ich das Ganze vergessen“, sagt er.

Eine Art Drahtseilakt sei das, sagt Glöden. Schlager, Rock, Pop – „Es ist immer wieder schwer, den richtigen Mix hinzubekommen, zumal die Künstler bekannt genug sein müssen, um die Open-Air-Veranstaltungen zum Erfolg werden zu lassen“, sagt Glöden. In diesem Jahr hat er die in jeder Altersklasse beliebte Band „Silbermond“ für Stralsund verpflichtet, die zusammen mit Mister ME auftritt. In Greifswald werden es mit „Barock“ die bekannteste AC/DC-Coverband sowie Matthias Reim sein. In Wolgast singt Sarah Connor.

„Ich habe versucht, auf Fanwünsche einzugehen. Aber namhafte Künstler nach Vorpommern zu holen, ist nicht einfach. Die Ecke hier steht auf deren Auftrittsort-Wunschliste nicht ganz oben“, verrät er.

Es koste Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit gegenüber den Managements, die Region schmackhaft zu machen.

Marcel Glöden ist froh, dass er mit der Greifswalder Firma AEN einen gestandenen Partner für die technische Umsetzung an der Seite hat und es mittlerweile eine Menge Firmen gibt, die mit ihm eine Konzertkultur in Vorpommern etablieren wollen. Auch die Förderung durch die Sparkasse Vorpommern weiß er zu schätzen. Besonders froh ist er über die Unterstützung durch die Hansestadt Stralsund.

„Oberbürgermeister Alexander Badrow hat unser Event zur Chefsache gemacht“, berichtet er. Der CDU-Politiker habe ihm für jede Veranstaltung ein Leistungspaket im Wert von 20000 Euro zugesichert – „und immer eingehalten.“

Dabei war Glöden im Fall von Stralsund erst skeptisch: Die Mahnkesche Wiese ist nicht die Nr. 1 bei den Veranstaltungsorten. „Aber ich habe meine Meinung geändert“, sagt er und begründet das mit der günstigen logistischen Lage: Nähe zum Hafen und zur Innenstadt, ausreichend Parkmöglichkeiten, das fast 10000 Quadratmeter große Areal hat einen festen Untergrund, die Künstler haben den tollen Blick zur Rügenbrücke und auch das Feuerwerk zum Konzertende kann ohne Hindernisse in den Nachthimmel geschossen werden. Dank dieser Vorzüge, die er in gleicher Form auch in Wolgast erlebe, mache die Vorbereitung des Konzerts riesig Spaß. „Mir ist klar, dass ich davon nicht mehr die Finger lassen kann“, schätzt Marcel Glöden ein.

Bis am 10. Juni „Silbermond“ an die 5000 Gäste auf der Mahnkeschen Wiese begeistern werden, ist aber noch viel zu tun: Drei Tage vor dem Konzert beginnt der Aufbau der Bühne, der Garderoben und des VIP-Bereiches. „Mit einer Karte können Firmen ihren Mitarbeitern danken. Auch das macht die Besonderheit unserer Events aus.“ Bis zum ersten Ton müssen 30 Kilometer Stromkabel und 2500 Meter Wasserschläuche verlegt, Zäune, Schilder und Toilettencontainer aufgebaut werden. Erst wenn das alles stimmt und der Platz von den Behörden abgenommen wurde, weicht bei Marcel Glöden etwas die Anspannung. „Dann weiß ich, dass es ein toller Abend wird.“

Konzerte und was sie kosten

Sundkonzert Stralsund mit „Silbermond“ und Support Mister ME:

10. Juni, 20 Uhr, Mahnkesche Wiese, Preis pro Karte: 46,50 Euro

Boddenklänge Greifswald mit AC/DC-Coverband „Barock“ und Matthias Reim:

23. Juni, 20 Uhr, Strandbad Eldena („Barock“), Preis pro Karte: 36 Euro

24. Juni, 20 Uhr, Strandbad Eldena (Matze Reim), Preis pro Karte: 43,50 Euro; Kombiticket für beide: 71 Euro Peenekonzert in Wolgast mit Sarah Connor:

18. August, 20 Uhr, Schlossinsel, Preis pro Karte: 46,00 Euro

Kartenverkauf in den OZ-Servicecentern Stralsund und Greifswald unter http://tickets.ostsee-zeitung.de/Konzerte

Der harte Weg einer Newcomer-Band aus Vorpommern

Die Kamera fährt langsam auf ein Klavier zu, das irgendwo auf einem Feld in Vorpommern steht. Nahaufnahme auf Hände, die über die Tasten fliegen. Artur Apinyan singt die ersten Zeilen seines Lieds, während im Hintergrund die Sonne untergeht. So beginnt das Musikvideo „Bitte Spiel“ der Greifswalder Combo „Artur und Band“.

Die sechs Jungs sind nicht nur talentierte Künstler, sie beherrschen auch das ganze Drumherum der modernen Musikwelt: Sie drehen Clips für Youtube, haben einen Vertrag mit dem Streamingdienst Spotify, verkaufen eigene T-Shirts und Rucksäcke. Dabei vermitteln sie stets das Gefühl von Heimat. „Wir sind erdige Vorpommern“, sagt Bandgründer Artur Apinyan. Für ihre Website haben sie ein Fotoshooting auf einer Couch im Greifswalder Bodden gemacht. In den nächsten zwei Monaten spielen sie rund ein Dutzend Konzerte in der Region. Unter anderem treten sie am Sonntag auf dem Stralsunder Hafenfest auf.

Der harte Weg einer Newcomer-Band nach oben – „Artur und Band“ gehen ihn äußerst professionell an. „Wer heute erfolgreich sein will, braucht ein wirtschaftliches Fundament“, sagt Apinyan. Wer heute ein Konzert besucht, erwarte nicht nur eine gute Show, sondern möchte sich auch eine Erinnerung mit nach Hause nehmen. Auch Werbung gehöre dazu, ob auf Plakaten in den Städten oder bei sozialen Netzwerken wie Facebook. „Neben der Band gibt es noch ein großes Team an Freunden und Bekannten. Ohne sie wäre das alles nicht möglich“, sagt der 28-Jährige. Noch sei die Musik ein Zuschussgeschäft.

„Es wäre ein Traum, eines Tages davon leben zu können.“

Artur und Band – das sind neben Sänger Apinyan Lukas Rosenau (19) am Schlagzeug, Michael Meier (34) am Bass, Ole Weichbrodt (25) an der Gitarre, Johann Putensen (28, Sohn des bekannten Künstlers Thomas Putensen) am Saxophon und Daniel Schwan (40) an der Trompete. Die Gruppe macht seit 2012 melancholischen deutschsprachigen Pop-Rock.

Ein Album gibt es bereits, Ende des Jahres soll ein Doppelalbum folgen – inklusive Bonus-CD mit Songs, die Artur und Band gemeinsam mit Musikern aus dem Uni-Sinfonieorchester Greifswald eingespielt haben. Vielleicht werden damit die ganz großen Plattenfirmen auf die Vorpommern aufmerksam. Doch bis es soweit ist, studieren die Bandmitglieder weiter oder arbeiten in ihren regulären Berufen. Artur Apinyan ist Erzieher in Greifswald. „Auch wenn die Band eigentlich ein Hobby ist, fühlt sie sich an wie ein zweiter Job“, sagt er. Nach seinem Acht-Stunden-Tag folgen noch drei bis vier Stunden Band-Arbeit mit den anderen Mitgliedern. Neben Proben und Songs schreiben, ist das etwa die Tour planen, Verträge machen und die Aufnahme des Albums organisieren.

Bei all dem Stress dürfe man laut Apinyan aber eines nicht vergessen: „Wir machen Musik, weil wir Bock darauf haben und nicht, um berühmt zu werden. Erfolg ist nicht planbar.“

Alexander Müller

Cornelia Meerkatz

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