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Greifswald Stralsunder Schiffe wurden im 18. Jahrhundert vor Rügen versenkt
Vorpommern Greifswald Stralsunder Schiffe wurden im 18. Jahrhundert vor Rügen versenkt
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16:37 09.02.2019
Ein Flugblatt aus dem Jahre 1715 zeigt das Seegebiet am Eingang des Greifswalder Boddens. Quelle: OZ
Rügen

Im Großen Nordischen Krieg (1697 – 1721) versenkte die schwedische Marine südlich der Halbinsel Mönchgut mit Ballaststeinen etwa 20 beladene Schiffe auf einer Länge von etwa einem Kilometer, um die Durchfahrt Richtung Stralsund zu verhindern. Der Kriegsgott hatte sich gegen die Heere des Schwedenkönigs Karl XII. nach dessen Niederlage bei Poltawa 1709 gewandt. Seit 1711 gab es Angriffe gegen die letzte wichtige Bastion in Schwedisch-Pommern, die Festung Stralsund. 1715 begann die dritte Offensive dänischer, preußischer und sächsisch-polnischer Truppen.

Im Juli jenes Jahres wurden die Schiffe an der Einfahrt zum Greifswalder Bodden südlich der Halbinsel Mönchgut versenkt, erinnerte Jens Auer bei seinem Vortrag „Zwei Schiffe unter Steinen. Neues zur Schiffssperre im Greifswalder Bodden“ vor der Greifswalder Schiffergilde. Er ist Referent für Unterwasserarchäologie beim Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. „Die Anfänge der Sperre gehen bereits auf das Jahr 1712 zurück“, ergänzt der Greifswalder Historiker Joachim Krüger.

Erste Schiffe wurden 1712 versenkt

Bereits in jenem Jahr hatte die Schweden Schiffe versenkt. Es seien zwei Schiffssperren, die beiderseits des Ruden errichtet wurden. Für acht dieser Schiffe konnte Krüger nachweisen, dass für diese Verwendung Stralsunder Schiffern und Reedern Entschädigungen zugesagt wurden. Das zugesagte Geld wurde nach der Niederlage der Schweden vom Rechtsnachfolger, dem dänisch-norwegischen König, bezahlt.

Auer und sein 14-köpfiges Team haben im Zusammenhang mit der Verlegung der Gaspipeline Nordstream II in drei Monaten zwei Schiffswracks und die zugehörigen Ballaststeine geborgen und untersucht. Erhalten blieben die Unterteile der Schiffe unter den Findlingen. Aus der Luft sieht man Steinhaufen, aus denen Hölzer herausragen. Sie liegen in nur zwei bis drei Metern Tiefe. Sichtbar sind zwölf Schiffe.

Archäologen erstellten 3-D-Modelle

Immerhin 74 Tonnen Steine hoben die Archäologen von Hand. Die Steine kamen alle vom nahen rügenschen Festland, so Auer. „Die Holznägel aus Eiche, die die Hölzer verbinden, sind sehr gut erhalten“, berichtete Auer weiter. Am Holz waren Bearbeitungsspuren bestens zu erkennen. Die Nägel wurden für die Bergung durchgesägt. Das größere der beiden Flachbodenschiffe besteht aus Eichenhölzern, die dendrochronologisch auf Fälldaten zwischen 1699 und 1704 datiert wurden. Dieses Wasserfahrzeug ist mindestens 19 Meter lang gewesen.

Die Archäologen stellten ferner fest, dass das Schiff einen Groß- und einen Besammast sowie eine Kombüse am Bug besaß. Es ähnelt Wasserfahrzeugen, die man auch aus Hinterpommern kennt, berichtete der Dezernent und zeigte 3-D-Modelle. „Am Kiel waren noch Eisenbeschläge erhalten, wir fanden etwas Keramik und Reste eines Eimers.“ Die Hölzer des kleineren, einmastigen Schiffes wurden auf 1693 bis 1706 datiert. Dessen Holzqualität sei besser gewesen, so Auer. Gefunden wurden auch eine Kanonenkugel und ein 1618 in Franzburg geprägter Doppelschilling. Wahrscheinlich war das sehr alte Geldstück ein Glücksbringer, der ursprünglich unter dem Mast lag.

Schiffe wurden an pommerscher Küste gebaut

Die Analyse der Hölzer spricht dafür, dass die beiden untersuchten und für die Sperre genutzten Schiffe in Dörfern an der pommerschen Küste gebaut worden waren. Eigentlich durften die Wasserfahrzeuge nur in Städten gebaut werden, aber Holzhandel nach Dänemark war damals äußerst lukrativ. Über 100 Schiffe sollen damals in kurzer Zeit in Dörfern wie Stepenitz und Ziegenort gebaut worden sein. „Die Schweden versuchten vergeblich, den Holzschmuggel zu unterbinden“, sagte Auer.

Letzten Endes konnte die Schiffsperre vor Rügen den Sieg der Gegner Karl XII. nicht verhindern. Im September 1715 stürmten preußische Truppen die Peenemünder Schanze, die die andere Zufahrt zum Greifswalder Bodden schützte. Dank der Ortskenntnis eines früher in schwedischen Diensten stehenden Lotsen gelang den Dänen auch der Durchbruch durch die Sperre bei Rügen, der Weg zur Eroberung der Insel und der Weg nach Stralsund war frei. 1715 begann die bis zum Ende des Krieges andauernde dänische Herrschaft in Vorpommern.

Schiffbergungen als Ausnahme

Die nie beseitigte Schiffsperre galt bis zur Herstellung einer neuen Fahrrinne in den 1790er Jahren als sehr gefährlich. Die Archäologen fanden Senksteine, die zu den Tonnen zur Fahrrinnenmarkierung gehörten.

Dass Schiffe aus der Ostsee geborgen werden, ist eine große Ausnahme. Normalerweise bliebt das aus der Luft gut sichtbare Bodendenkmal im Wasser, weil sie dort am besten und ohne weiteren Aufwand zu erhalten sind. Aber im Fall von Nordstream II sei das notwendig gewesen, um überhaupt den Pipelinebau zu ermöglichen, so Auer. Schiffe und Steine lagern jetzt im Lubminer Hafen. Später, nach Verlegung der Leitung, werden sie wieder an den historischen Ort gebracht.

Eckhard Oberdörfer

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