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Greifswald Streit um Klimaschutz: Politiker kritisieren extra erstellte Studie
Vorpommern Greifswald Streit um Klimaschutz: Politiker kritisieren extra erstellte Studie
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00:00 12.05.2016

Beim Klimaschutz hat die Hansestadt Greifswald ehrgeizige Ziele. Bis zum Jahr 2050 sollen 80 Prozent CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Doch von diesem Ziel ist die Stadt noch meilenweit entfernt. Die extra in Auftrag gegebene Studie, die das Projekt vorantreiben sollte, fiel bei den Mitgliedern des Bauausschusses durch. „Das gewählte Thema war falsch“, fasst Linke-Fraktionschef Jörn Kasbohm die Kritik zusammen.

Die Wissenschaftler hatten ausgerechnet, dass der Umstieg der Fernwärmeerzeugung von Erdgas auf Elektroenergie ein gangbarer Weg sei. „Power to Heat“ heißt das auf Neudeutsch. Dabei wird Windstrom zum Erwärmen des Wassers genutzt, das in den Fernwärmeleitungen fließt. Finanziert wurde die Studie des Münchner Professors Thomas Hammacher mit Bundesmitteln.

Die von Hammacher und Co. untersuchte Alternative war ein aufwändiges Dämmen der Wohnhäuser. Laut Studie kostet die Einsparung einer Tonne Kohlendioxid auf diesem Weg aber 60 mal so viel wie beim Einsatz der Elektroenergie. Nichts Neues, kommentiert Kasbohm das Hammacher-Papier. „Die Stadtwerke setzen seit zwei, drei Jahren auf ,Power to Heat’“, sagt er. Die Potenziale der Mietshäuser seien gar nicht untersucht worden, und zu den Eigenheimen hätte er sich genauere Aussagen gewünscht.

Kasbohm kritisiert weiter, dass die bei der Erarbeitung des Greifswalder Klimaschutzkonzeptes erfolgreiche Kooperation mit anderen Akteuren nicht fortgesetzt wurde. „Ich sehe auch große Möglichkeiten, das von den Stadtwerken derzeit verwendete Erdgas schrittweise durch Biogas zu ersetzen“, sagt Kasbohm. Dazu könne Holz aus Plantagen und Gras aus Sumpfgebieten genutzt werden. Kasbohm erinnert an das große Projekt der Uni mit Praxispartnern zur Paludikultur, der nassen Landwirtschaft in Vorpommern. Dort wurde nachgewiesen, dass sich in den wiedervernässten Mooren Biomasse für Brennmaterial gewinnen lässt.

Ulrich Bittner (Grüne) pflichtete Kasbohm bei. Die Studie sei „ein wenig enttäuschend“. Ihm fehlten beispielsweise Aussagen zu möglichen Energieeinsparungen. Bittner erinnerte daran, dass die Universität mit einem steigenden Energieverbrauch rechnet.

Kasbohm setzt seine Hoffnung nun in den Masterplan „100 Prozent Klimaschutz erhalten“, den wiederum der Bund zu 95 Prozent bezahlt. Berlin fördere „Leuchttürme des Klimaschutzes“, die ihre Gesamt-Treibhausgasemission bis 2050 um 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 senken und ihren Energieverbrauch in diesem Zeitraum halbieren wollen, informiert dazu die Stadt. Für vier Jahre stehen 389000 Euro zur Verfügung.

Dass die Stadtwerke Power to Heat wollen, das bekräftigte Stadtwerkechef Thomas Prauße auf einer Sitzung des Bauausschusses. Fernwärme sei die effektivste Technologie, sagte er. Für sie gibt es in großen Teilen der Stadt einen Anschlusszwang. Außerhalb dieses Bereichs will Prauße andere Lösungen wie Wärmepumpen und die Erdwärmenutzung anbieten, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Genutzt werden soll der überschüssige Windstrom aus Spitzenzeiten, für den es gegenwärtig im Ökostrom-Überschuss-Land MV keine Abnehmer gibt. Dieser preiswerte Überschussstrom wird bei Power to Heat zum Aufladen von Wärmespeichern verwendet. Die so gespeicherte Energie wiederum könnte von den Stadtwerken per vorhandene Fernwärmeleitung an die Haushalte abgegeben werden. Der Speicher müsste in seiner zweiten Ausbaustufe im Zieljahr 2050 laut Studie dann 1500 Megawattstunden aufnehmen können, wofür 33000 Kubikmeter Wasser nötig wären.

So viel CO2-Ausstoß will die Stadt sparen

2010 wurde ein Klimaschutzkonzept für Greifswald beschlossen. Damit setzte sich die Stadt das Ziel, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 14 Prozent gegenüber 2005 zu senken.

Ein Klimaschutzbündnis Greifswald 2020 wurde unter Einbeziehung der großen Verbraucher wie Uni und Stadtwerke gebildet. Zunächst stiegen die Emissionen Greifswalds bis 2012 sogar an. Nach derzeitigen Prognosen geht die Stadt aber davon aus, dass mit Stand 2014 etwa acht Prozent weniger CO2 pro Einwohner im Vergleich zu 2005 ausgestoßen wurde, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Verwaltung.

Von Eckhard Oberdörfer

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