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Streit um den Dom am Tag des Denkmals

Greifswald Streit um den Dom am Tag des Denkmals

Es geht um die frühere Umgestaltung des Bauwerks – Doch am Sonntag steht viel mehr auf dem Programm

Greifswald. Diesen Tag wird Birgit Dahlenburg wohl nie vergessen: Als die Hüterin der Universitäts-Kunstschätze am 11. April 1991 an ihren Arbeitsplatz eilte, herrschte dort helle Aufregung. Nachts zuvor waren Unbekannte durch ein Fenster am Westgiebel des Uni-Hautgebäudes in der Domstraße eingestiegen und hatten 45 wertvolle Ölgemälde aus dem Konzilsaal und dessen Nebenräumen geraubt. Es handelte sich um 60 bis 80 Zentimeter große Porträtbilder. Sie stammten aus dem 18. und 19. Jahrhundert und zeigten Rektoren und Dekane der Greifswalder Alma mater. 27 der gestohlenen Bilder gingen auf Wilhelm Titel (1784 - 1862) zurück, einen Zeitgenossen Caspar-David Friedrichs.

OZ-Bild

Es geht um die frühere Umgestaltung des Bauwerks – Doch am Sonntag steht viel mehr auf dem Programm

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Die Polizei sprach vom größten Kunstdiebstahl, den es bis dahin auf dem Gebiet der noch sehr jungen neuen Bundesländer gegeben hatte, und schätzte den Schaden auf 750000 bis eine Million D-Mark (384000 bis 512000 Euro).

Mehr als 25 Jahre später erinnert die Kustodie der Universität an diesem Sonntag an den Krimi von damals. Anlässlich des bundesweiten „Tags des offenen Denkmals“ will Rita Sauer, zuständig für die Akademische Kunstsammlung, das unerhörte Ereignis Revue passieren lassen und schildern, wie es damals gelang, die geraubten Bilder zu retten. Mehr als 30 Vorträge, Führungen, Aktionen und Besichtigungen umfasst das Denkmaltag-Programm allein in der Hansestadt.

Einer der zentralen Orte ist Greifswalds Dom, ebenfalls ein Raum mit aufregender Geschichte. Als er im Juni 1989, wenige Monate vor der Maueröffnung, nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet wurde, gab es viel Streit innerhalb der Pommerschen Kirche. Der damalige Greifswalder Bischof, Horst Gienke, hatte ohne Rücksprache mit Synode und Kirchenleitung den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zum Festgottesdienst eingeladen. Heute, 27 Jahre danach, beschäftigen die Nachwirkungen der Domsanierung die Greifswalder erneut – wenn auch aus anderen Gründen.

Die aus dem Mittelalter stammende Kirche war Ende der 1980er Jahre nachhaltig umgestaltet worden. Unter anderem wurde mitten im Kirchenschiff – zusätzlich zum vorhandenen Hochaltar im Ostchor – ein zweiter Altar aufgestellt. Drumherum wurde das alte Gestühl kreisförmig gruppiert. Außerdem wurde das repräsentative Westportal der Kirche verschlossen und im Inneren eine große Chorbühne davor installiert – unter anderem für die jährlich stattfindende Greifswalder Bachwoche. Seitdem gelangen die Besucher durch einen unscheinbaren Eingang an der Nordseite zuerst in einen Vorraum der Kirche und von dort übereck ins Hauptschiff.

Beide, Chorbühne und Mittel-Altar, wirken auf Dompfarrer Matthias Gürtler heute wie Fremdkörper. „Man spürt, das gehört so nicht“, sagt er und versucht, mit thematischen Abenden die Diskussion über eine erneute Umgestaltung wachzuhalten. Der Kirchenraum müsse einfach gestaltet sein, „eher eine Weite und eine klare Linie haben“. Gürtler weiß, dass die aktuell laufende Außensanierung des Doms alle Kräfte bindet. Bis Ende 2017 fließen dafür rund fünf Millionen Euro in den von vielen als Greifswalder Wahrzeichen angesehenen Bau. „Aber wir müssen an einer Vision arbeiten“.

Unterstützung kommt vom Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen.Claussen hatte sich vor kurzem einen Eindruck vom Kirchenraum des Doms gemacht. Die Eingangssituation an der Dom-Nordseite sei „sicher diskussionswürdig“, sagt er und verweist darauf, dass die ursprünglichen Eingangsportale an der Westseite der Kirchen eine eigene Funktion haben:

Das Betreten einer Kirche sei ein wesentlicher Akt für das Erleben des Gebäudes und dessen, was sich darin abspielt. Grundsätzlich müsse darum die Diskussion darüber, ob die Baumaßnahmen Ende der 1980er Jahre sinnvoll waren, erlaubt sein.

Der pommersche Kirchenhistoriker Irmfried Garbe sieht das anders. Eine Arbeitsgruppe habe sich von 1980 bis 1987 viele Gedanken über die Umgestaltung gemacht. „Man wollte moderne Gemeinde sein.“ Der Mittel-Altar als liturgisches Zentrum habe der damaligen Zeit entsprochen. Die erneute Diskussion sei eine Luxusdebatte.

Auch die Denkmalbehörde des Landes hält die Diskussion momentan für überflüssig. Aus ihrer Sicht war die Sanierung als Ost-West-Kooperation – die Nordelbische Kirche trug damals einen Großteil der Kosten – eine historische Konstellation, an der es nichts zu rütteln gibt.

Aus dem Programm

Vorträge und Dokumentationen

10 Uhr (Rathaus) – „Die Greifswalder Backsteingotik – Segen oder Last?“ 10.45 Uhr (Rathaus) – „Denkmalinventarisation in Zeiten des Umbruchs“

11 Uhr (Alte Sternwarte, Lutherstraße) – Videodokumentation über den Um- und Neubau des Hauses

11.30 Uhr (Rathaus) : Präsentation der Broschüre „Greifswalder Beiträge“ mit Ergebnissen jüngerer archäologischer und bauhistorischer Untersuchungen an der Markt-Südseite. 14 Uhr (Dom) – „Die Restaurierung der Turmuhr“

Führungen

stündlich 9.30 - 17 Uhr (Marienkirche) – Touren durch das Gotteshaus

10 und 11 Uhr (Ladebow, Max-Reimann-Str. 19) – Gang durch die frühere Flugplatzsiedlung

11 Uhr (Dalman-Institut, Am Rubenowplatz 2) – „Palästina in der Platte“

11.30 bis 15.30 Uhr (Altes Elektrizitätswerk, Marienstr. 22) – Führungen

12.30 Uhr (Rathaus) Gang zu denkmalgeschützten Objekten in der Altstadt

13 Uhr (Uni-Hauptgebäude, Eingang III) – „Die Professorenbilder des Konzilsaals und ihr Diebstahl vor 25 Jahren“

14 und 15 Uhr (Dom) – durch die Bibliothek des geistlichen Ministeriums

14 Uhr (C.-D.-Friedrich-Zentrum, Lange Str. 57) – „Die Friedrichsche Seifensiederei in den Jahren 1989 bis 1994“

14 Uhr (Botanischer Garten, Münterstr.2) – „Durch die historische Gewächshausanlage“

15 Uhr (Dom) – Kirchenführung

15 Uhr (Klosterruine Eldena) – Gang durch das Ruinen-Areal

15 Uhr (Uni-Institut für Geographie (Jahnstraße 17 a) – durch die geologischen und paläontologischen Sammlungen

Ausstellungen und Besichtigungen

11 Uhr (Dom) – Kapelle XX

10 - 15.30 Uhr – Altes Elektrizitätswerk (Marienstr. 22)

11 Uhr (Landesmuseum) – Fotoausstellung „Greifswald – der private Blick“

11 - 16 Uhr (Museumswerft, Salinenstraße) – open Werft

11.30 Uhr (Marienkirche) – Exposition Sybilla Schwarz

14 - 18 Uhr (Haus Stralsunder Str. 10) – Parcours durch Haus und Garten

15 -18 Uhr (St. Spiritus, Lange Str.) – Entdeckertour durchs Haus

Sven Jeske und Nicole Kiesewetter

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