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Greifswald Greifswalder Arzt fühlt sich von Stadt benachteiligt
Vorpommern Greifswald Greifswalder Arzt fühlt sich von Stadt benachteiligt
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15:08 10.01.2019
Der frühere "Treffpunkt" in der Langen Reihe Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Die Vergabe eines städtischen Grundstücks in der Langen Reihe sorgt für Ärger. Dr. Volker Worm ist sauer auf die Verwaltung seiner Heimatstadt.

Der Fall: Der Physiotherapeut Andreas Worm, Sohn des bekannten Chirurgen und Sportmediziners, will in der Langen Reihe 83 ein Haus mit eigener Praxis bauen. „Sie wird dringend für die Behandlung von Patienten benötigt“, sagt der Arzt. 1,5 Millionen Euro sollen investiert werden.

Aber bei der Ausschreibung um das städtische Haus Lange Reihe 83 wurde sein Angebot aus formalen Gründen nicht zugelassen, weil angeblich die in einem Kriterienkatalog genannten Voraussetzungen zum Nachweis der Finanzierung nicht erfüllt wurden (siehe Kasten). Bei der im Sanierungsgebiet üblichen Vergabe nach Verkehrswert spielen unter anderem auch die Schaffung von Wohn- und Gewerberaum sowie die Zahl der Kinder eine Rolle. Worm will mit seiner Familie einziehen und bezahlbaren Wohnraum für Mitarbeiter schaffen.

Laut einem der OZ vorliegenden Schreiben des Immobilienverwaltungsamtes wurde Worms Angebot nicht zugelassen, weil die ausgefüllte förmliche „Anlage zum Finanzierungskonzept“ nicht fristgerecht eingereicht wurde und das Eigenkapital nicht nachgewiesen wurde. Das fristgerecht eingereichte Schreiben der Bank vom April mit einer Finanzierungszusage reiche nicht aus. Dr. Worm widerspricht: Dass die Bestätigung der Bank ausreichend sei, hätte eine Verwaltungsmitarbeiterin einem Vertreter des Geldinstituts telefonisch bestätigt. Auch die Höhe des Eigenkapitals sei durch die Bank garantiert.

Es geht um das Finanzierungskonzept

„Ich denke, dass ein Zweifel an der Finanzierung des Bauvorhabens durch die Familie Worm nicht wirklich bestanden hat“, sagt Dr. Worm. „Eine dringend benötigte Praxis für Physiotherapie mit einem hochqualifiziertem Physiotherapeuten bietet eine sichere finanzielle Basis.“ Seiner Ansicht nach hat das Immobilienverwaltungsamt das Finanzierungskonzept fehlerhaft ausgelegt. Dass die gesamte Familie hinter dem Projekt Physiotherapie stehe, sei doch wohl selbstverständlich. Eine namhafte Greifswalder Architektin habe ein anspruchsvolles Projekt entwickelt.

Das Rennen gemacht hat nach OZ-Informationen ein Greifswalder, der neben der Schaffung von Wohnraum einen nicht näher spezifizierten Laden einrichten will. Die nicht-öffentliche Entscheidung im Hauptausschuss der Bürgerschaft war nach diesen Informationen recht knapp. Gegen die Wormsche Offerte stimmten demnach vor allem Vertreter der sogenannten OB-Mehrheit aus Grünen, Linken und SPD.

„Bei den vielen Verdiensten für seine Heimatstadt und vor allem für den Greifswalder Sport finde ich es schade, dass Dr. Worms Angebot - wegen einer Formalie nicht gewertet wurde - obwohl er möglicherweise das beste Konzept eingereicht hat“, kommentiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild. Mehr könne wegen der Nicht-Öffentlichkeit der Sitzung nicht gesagt werden. Auch Peter Multhauf (Linke) soll nach OZ-Informationen Verständnis für den Widerspruch des Physiotherapeuten gegen die Entscheidung des Hauptausschusses haben.

Denn Worm hat Widerspruch eingelegt und um Akteneinsicht gebeten. „Die Prüfung und Bearbeitung der Einwendungen ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Für eine Bewerbung um ein Grundstück im Sanierungsgebiet „ist die Einreichung von Unterlagen zur Absicherung der Finanzierung, entsprechend der Anlage zum Finanzierungskonzept“, unabdingbar, bekräftigt sie aber.

Die Ex-Kneipe ist inzwischen eine Ruine

Das Objekt des Begehrens ist der „Treffer“ (Treffpunkt), als 24 Stunden geöffnete Kneipe einst eine städtische Berühmtheit. Das Haus steht seit 2011 leer und ist für etwa 40000 Euro zu haben. Der Investor soll die Ruine des „Treffpunkt“ abreißen und neu bauen.

Eine erste Ausschreibung erfolgte 2014. Sie wurde ein Jahr später zurückgezogen, weil die Bürgerschaft im September vor 2015 die Kriterien verändern wollte. Unter anderem sollen städtebauliche Aspekte stärker berücksichtigt werden. Der neue Kriterienkatalog stammt vom September 2015 . Für die seinerzeit leer ausgegangenen Interessenten der Stopp der ersten Ausschreibung finanziell ärger. Das für die Bewerbung nötige Konzept kostet eine drei- bis vierstellige Summe.

 

Punkte für das Ranking bei der Vergabe gibt es unter anderem bei Eigennutzung durch den Bauherren und den Verzicht auf Städtebaufördermittel sowie wenn der Interessent noch kein städtisches Grundstück im Sanierungsgebiet erwarb.

Die Zahl der Kinder, eine öffentliche beziehungsweise soziale und kulturelle Nutzung bringen ebenfalls Punkte.

Das Nutzungs- und Neubaukonzept bringen viele Punkte. Auch die Freiraumgestaltung ist wichtig. Näheres auf www.greifswald.de

Eckhard Oberdörfer

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