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Greifswald Streit um einen Pistenbully

Die Uni Greifswald will mit Steuergeldern bezahlte Technik nach Polen verschenken — jetzt regt sich Protest

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Diesen Pistenbully will die Uni nach Polen verschenken.

Greifswald. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität will dem polnische Vogelschutzverein Otop kostenlos eine defekte Pistenraupe samt steuerbarem Anhänger und Mähwerk schenken. Gegen die geplante Schenkung regt sich Widerstand: Denn Pistenbully und Zubehör waren der VVL-Landschaftspflege GmbH, die mit der Uni zusammenarbeitet, zum Kauf angeboten worden.

OZ-Bild

Die Uni Greifswald will mit Steuergeldern bezahlte Technik nach Polen verschenken — jetzt regt sich Protest

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Von der Wirtschaft wird verlangt, dass sie der Forschung Geld gibt. Wie soll ich da eine Schenkung nach Polen erklären?“Gerold Jürgens, Präsident Unternehmerverband Vorpommern

VVL-Geschäftsführer Frank Messing ist verärgert: „Hier werden großzügig Steuergelder verschenkt, die in der freien Wirtschaft erarbeitet wurden“, sagt er. Nach seinen Worten war die Technik 2010 für das von Prof. Hans Joosten geleitete Paludi-Projekt des Greifswalder Moorzentrums angeschafft worden. Mithilfe der Spezialraupe, die auf Ketten fährt, sollte Biomasse, also Schilf und Reetgras, geerntet werden. „Die Uni kaufte die Raupe gebraucht in Polen“, sagt Messing. Nach OZ-Informationen zahlte sie 40000 Euro nur für die Maschine und weitere 43000 Euro für die Ketten. Auch Hänger und Mähbalken wurden extra bezahlt. Insgesamt geht es um Steuergelder von um die 150000 Euro. Zum Vergleich: Der Neuwert eines kompletten Pistenbullys liegt bei 100000 Euro.

Die Steuergelder für das Projekt stellte das Bundesbildungsministerium zur Verfügung. Und legte fest, dass die Technik nach Projektende — das war im Jahr 2013! — entweder anderen wissenschaftlichen Vorhaben zur Verfügung gestellt oder verkauft wird. Letzteres sollte nun endlich geschehen, denn der Zustand der Raupe ist erbärmlich: Gleich beim ersten Einsatz wurde sie unsachgemäß bedient und ging kaputt. Nach erfolgter Reparatur lief sie nicht richtig. Seit 2013 sind Raupe und Zubehör bei einem Wampener Landwirt, der Projektpartner war, untergestellt. Ein Dekra-Gutachten bescheinigt der Pistenraupe noch einen Wert von 2500 Euro. Der Reparaturstau beläuft sich auf 15000 Euro. „Da wir Deiche und Feuchtwiesen mähen, können wir solche Technik einsetzen. Deshalb habe ich trotz der hohen Reparaturkosten ein Angebot von 3000 Euro inklusive Abholung abgegeben“, schildert Messing.

Der Kauf wurde vereinbart. „Doch plötzlich wollte die Uni nicht mehr verkaufen, sondern alles dem polnischen Verein schenken“, schildert der Geschäftsführer. Bei der Uni sieht man sich im Recht:

Letztlich entschieden Projektträger und Projektnehmer, was mit der angeschafften Technik passiere, heißt es. „Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren wissenschaftliche Gründe und die gewünschte Fortsetzung der bestehenden engen Kooperation mit dem polnischen Partner“, ist von Unisprecher Jan Meßerschmidt zu erfahren. Damit sei das Projekt korrekt abgewickelt worden, zumal die deutsch-polnische Zusammenarbeit verstärkt werden soll in einem Forschungsbereich, in dem Greifswald international zu den führenden Institutionen zählt.

Das bestreitet Frank Messing nicht, aber die Art und Weise, wie hier Geld, das die Uni nicht erwirtschaftet hat, über Ländergrenzen wandert, ärgert ihn. Er wandte sich ans Wirtschaftsministerium.

Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU) sprach mit Unirektorin Johanna Eleonore Weber. Doch die Uni beharrt auf ihrer Position. Das bringt den Unternehmerverband Vorpommern auf die Palme: „Von der Wirtschaft wird verlangt, dass sie die Forschung mit Geld unterstützt. Wie aber soll ich Unternehmern vermitteln, dass mit Steuergeldern bezahlte Technik nach Polen verschenkt wird, die hier eine Firma noch kaufen möchte?“, fragt Präsident Gerold Jürgens.

Für Messing will die Uni mit ihrem Vorgehen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Joosten möchte seinen Freunden in Polen Gutes tun und die Uni Ärger vermeiden. Es gibt Hinweise, dass ein niedersächsisches Unternehmen, das für die Succow-Stiftung arbeitet und wie wir Feuchtwiesenmahd mit Pistenbullys anbietet, gegen die Uni klagen könnte, weil es beim Verkauf nicht bedacht wurde“, sagt er. Dem Rektorat sei dazu nichts bekannt, heißt es seitens der Uni.

Frank Messing will nun wegen der Steuergelder, die verschenkt werden sollen, den Bundesrechnungshof anschreiben.

Von Cornelia Meerkatz

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