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Greifswald Stricken ist in — immer mehr greifen zur Nadel
Vorpommern Greifswald Stricken ist in — immer mehr greifen zur Nadel
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00:00 11.11.2015
Christine Labuzinski erklärt Evelin Rischow die nächsten Handgriffe Quelle: Peter Binder, Ann-Christin Schneider (2)
Greifswald

Körbe voller Wollknäuel in allen Farben, Stricknadeln aus Holz oder Metall sowie Knöpfe und andere Accessoires. Gemütlich sitzen die sieben Frauen in Sesseln oder auf Hockern zwischen den Produkten des „Wollladens“ in der Kuhstraße. „Ich bin jetzt einmal rum, muss ich nun eine Masche auslassen“, fragt Evelin Rischow. In ihren Händen hält sie einen halbfertigen Beutel aus knallgrüner Wolle. Ladenmitarbeiterin Christine Labuzinski erklärt der 30-jährigen Lehrerin geduldig die nächsten Handgriffe, während im Hintergrund die Strickmaschine rattert.

Evelin Rischow ist erst vor drei Monaten auf den Handarbeitstrip aufgesprungen. „Mit dem Internet habe ich mir selbst das Häkeln beigebracht. Als ich nicht mehr weiter wusste, bin ich hierher in den Wollladen gekommen“, sagt die Mitstreiterin. Seitdem sitzt sie wöchentlich mit Gleichgesinnten in gemütlicher Runde beim „Stricktreff“ zusammen.

Der Trend zum Selbermachen ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Der Gesamtmarkt für Handarbeitsbedarf lag laut der „Initiative Handarbeit“ im vergangenen Jahr bei 1,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2012 hätten allein die Strick- und Häkelgarne 2014 ein Umsatzplus von 30 Millionen Euro erzielt. „Handstrickgarne und Stoffe vereinen Dreiviertel des Gesamtmarktes und sind die wesentlichen Treiber des Wachstums der vergangenen Jahre. Es kommen also neue Handarbeitsfans dazu“, bestätigt die Pressesprecherin der Initiative, Angela Probst-Bajak. Selbermachen sei in und werde es auch in den kommenden Jahren bleiben — über die Generationengrenzen hinweg, unabhängig vom Geschlecht und dem sozialen Milieu. Dabei gehe es immer häufiger darum, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen, sagt sie.

So auch in Greifswald: Im Bürgerhafen am Markt stricken alle zwei Wochen Senioren für den guten Zweck. Und auch die Betreiber der „Kabutze“ in der Loefflerstraße wollen wieder eine eigene „Strickbutze“ ins Leben rufen. Seit eineinhalb Jahren können sich auch drei Mal wöchentlich Handarbeitsfans im Stricktreff des „Wollladens“ verabreden. 18 Frauen sind es schon.

„Die Gruppen sind gut durchmischt“, sagt die Inhaberin des Ladens, Linda Wellmann. „Von der Studentin bis zur Rentnerin ist alles dabei.“ Jeder könne je nach Leistungsstand sein Projekt mitbringen und sich von den Mitarbeitern helfen lassen. „Anfängern rate ich immer zu Topflappen oder Schals. Auf gar keinen Fall sollte sofort mit Socken angefangen werden, dann verzweifelt man schnell“, rät die 51-Jährige. Gerade jetzt, wenn die nasskalte Jahreszeit beginne, sei der Laden ständig voll. „Da kommen wir mit der Beratung gar nicht hinterher“, sagt die Inhaberin.

Das bestätigt auch Marion Berndt, die im Woll- und Kurzwarengeschäft von Bernd Borowy im Schuhhagen angestellt ist. „Es kommen immer mehr junge Leute, weil sie Strick in den Modemagazinen sehen und es nachmachen wollen“, erklärt die 57-Jährige. Mit der heutigen Wolle könne man auch ganz einfach Maschen legen. Außerdem seien die vielen unterschiedlichen Farben der Wolle ansprechend. „Vor allem junge Männer holen sich Tipps zum Stricken“, betont Marion Berndt.

Im Stricktreff von Evelin Rischow sind allerdings keine Männer dabei. Die anderen sechs Frauen sind außerdem schon erfahrene Handarbeiterinnen. Bei Kaffee und Keksen wird gefachsimpelt: „Die Wolle kratzt immer mal“ oder „Ich habe mich geärgert, dass ich beim letzten Mal nicht die größere Stricknadel genommen habe“, heißt es. Marianne Stumpfeldt strickt beispielsweise schon seit 60 Jahren und hat mit Topflappen angefangen. „Mit fünf Jahren habe ich meiner Mutter über die Schulter geschaut“, erinnert sich die Greifswalderin. Aber auch im Stricktreff habe sie noch einiges dazugelernt — zum Beispiel wie man Taschen oder gar ganze Teddys herstellt.

Anfängerin Evelin Rischow kennt aber auch schon die Vorzüge der Handarbeit. „Dabei kann ich mich viel mehr mit mir auseinandersetzen. Außerdem ist es sehr entspannend, denn sonst sitze ich viel zu viel am Computer“, sagt die Lehrerin. Mittlerweile verbringt sie schon etwa zwei bis vier Stunden täglich mit Nadel und Wolle.



Ann-Christin Schneider

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