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Greifswald Studenten kämpfen für Studienkolleg
Vorpommern Greifswald Studenten kämpfen für Studienkolleg
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00:14 12.04.2018
Die Integration ist an einem Studienkolleg viel einfacher.Joel Thoma, Deutsch-Brite

Die Studierenden des Greifswalder Studienkollegs machen Front gegen die Pläne von Rektorin Johanna Eleonore Weber die Einrichtung zu schließen. Beim Nationenfest am Dienstagabend im sozio-kulturellen St. Spiritus gab es viel Kritik. Die Studierenden wollen über eine Online-Petition Unterstützer für den Erhalt der Einrichtung gewinnen. In der der OZ bereits vorliegenden Petition heißt es, dass das Kolleg weiter benötigt wird, „um die Studienziele vieler internationaler Studienwilligen zu verwirklichen“. 80 junge Leute aus aller Welt werden am Studienkolleg in zwei Semestern auf ein Studium in Deutschland vorbereitet. Die Bewerber verfügen über kein in Deutschland anerkanntes Abitur und nur unzureichende Deutschkenntnisse.

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Kritik an Schließungsabsichten der Unileitung / Online-Petition soll um Unterstützung werben

Der Hintergrund des Protests: Im März informierte die Hochschulleitung, dass sie mit dem Land über eine Schließung des Studienkollegs verhandelt. Die Absicht kam für das Bildungsministerium überraschend. Denn im neuen Campus in der Loefflerstraße werden Räume für das Studienkolleg vorbereitet. Die Baumaßnahme steht vor dem Abschluss, Räume wurden entsprechend den Bedürfnissen des Kollegs in der früheren Chirurgie vorbereitet. Das Studienkolleg soll das jetzige Domizil, einen früheren Kindergarten in der Makarenkostraße, verlassen. Weber argumentiert unter anderem, dass nur wenige Absolventen in Greifswald blieben, weil hier zum Beispiel keine technischen Studiengänge angeboten werden. Qualitätvolle Deutschkurse seien ein besserer Weg zur Internationalisierung.

Die Russin Marija Parsina (19) aus Lettland und der Deutsch-Brite Joel Thoma (19) wollen in Greifswald Medizin beziehungsweise Jura studieren. „Am Studienkolleg erleben wir Multikulturalität“, sagt Thoma. „Menschen aus 25 Ländern kommen hier gut miteinander klar.“ Die Möglichkeiten, in Greifswald etwas zu lernen, seien toll, sagt Parsina. „Das Kolleg ist eine wunderbare Möglichkeit, sich zu integrieren, die deutsche Kultur in einer schönen Stadt zu erleben“, ergänzt Parsina. Ihr Freund hat in Greifswald Pharmazie studiert und ihr die Stadt empfohlen.

„Oberflächlich betrachtet, kann ich die Argumente der Rektorin verstehen, aber wenn man sich kritisch damit auseinandersetzt nicht mehr“, ergänzt Thoma. Das Problem, dass nur wenige Absolventen in Greifswald bleiben, sei lösbar, heißt es in der Petition. So könnten – wie anderswo üblich – die Absolventen bei der Studienplatzvergabe bevorzugt werden.

Auch bei den fünf Lehrern des Kollegs herrscht Unverständnis. „Wir bilden deutschlandweit aus“, erinnert einer der Lehrer. „Internationalisierung ist mehr als Englisch als Unterrichtssprache.“ Seinen Namen möchte er aus Angst vor Nachteilen nicht in der Zeitung lesen. Die Unileitung habe den Mitarbeitern einen Maulkorb verpasst. Wenn es möglich sei, würden die Absolventen in Greifswald studieren, zum Beispiel Deutsch als Fremdsprache oder Geschichte. „Ohne das Studienkolleg wird die Internationalisierung schmaler. Wir haben den tieferen Sinn der Schließungsabsichten noch nicht begriffen.“

Das Studienkolleg könne unter 400 bis 500 Bewerbern auswählen, also sehr gute Leute nach Deutschland holen. Unterstützung für die Greifswalder kommt von Lutz Herfurth, Leiter des Thüringer Studienkollegs. In einem längeren Brief an die OZ kritisiert er Rektorin Johanna Weber. Studienkollegs seien zeitgemäß, widerspricht Herfurth Weber. „Wie will man internationalisieren, wenn man Länder wie China, Indien, Vietnam und Russland von vornherein ausschließt“, fragt er. Die Heimatabiture von etwa 70 Prozent der Länder würden nicht direkt zum Studium in Deutschland berechtigen. Das Bundesbildungsministerium habe gerade die Studienkollegs zum zentralen Akteur eines großen Projekts „zur Integration von Flüchtlingen an die deutschen Hochschulen“ bestimmt, argumentiert Herfurth.

Ungeachtet der Gespräche der Uni Greifswald mit dem Land über die Schließung, werden auch 2018 wieder Studierende für das nächste Jahr immatrikuliert.

Eckhard Oberdörfer

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