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Greifswald Studenten verarzten flauschige Lieblinge
Vorpommern Greifswald Studenten verarzten flauschige Lieblinge
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00:04 17.05.2018
Etwa 30 Minuten von der Anmeldung bis zur Medikamentenausgabe, dazwischen Diagnose und Erstversorgung. Quelle: Foto: Christin Weikusat
Greifswald

Während ein Fuchs geröntgt werden muss, bekommt eine Bärin sechsfachen Nachwuchs: Nein, das sind keine Geschichten aus einem Wildtierpark, sondern Notfälle aus der diesjährigen Teddybärklinik. 100 Studenten, hauptsächlich aus dem Bereich Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin, kümmern sich seit Montag in dem Lehr- und Lernzentrum der Universitätsmedizin um die Lieblingsplüschtiere von rund 1000 Kindern. Zum 14. Mal wird geflickt, geimpft und gepflegt.

Wie bei einem richtigen Arzt- oder Krankenhausbesuch müssen die Kuscheltiere an der Anmeldung aufgenommen werden. Name, Gewicht, Fellfarbe und Beschwerden notieren die Medizinstudenten mithilfe eines Fragebogens. Danach geht es zu der jeweiligen Station. Knochenbrüche müssen zunächst geröntgt werden. Wenn sich dann herausstellt, dass es sich um einen Bruch handelt, muss dieser in der Gipsstation behandelt werden.

Wie bei Elli. Ihre Robbe, namens „Robbe“, hat sich den Arm gebrochen, als sie auf einen Baum geklettert ist, um einen Schatz zu suchen. Elli hilft beim verarzten. Nach wenigen Minuten ist es geschafft. Der Robbe und ihrer Besitzerin Elli geht es wieder gut. Elli ist nicht die einzige, die ihren Liebling unterstützt. Alle andere Kinder helfen bei der Versorgung der Plüschtiere. Ziel des Teddybärkrankenhauses ist es, den kleinen Patienten durch das Rollenspiel, die Angst vor medizinischen Eingriffen zu nehmen, wie Martina Wolff, Medizinstudentin und Leiterin der diesjährigen Teddybärklinik, sagt. „Die Patienten sind in dem Fall die Kuscheltiere, die Kinder ihre Begleiter.“

Manchmal müssen die kleinen Begleiter auch als Mini-Assistenzärzte ran. Wie im Fall eines Kuschelpferdes, das bereits auf dem OP-Tisch liegt. Die kleine Besitzerin zieht einen OP-Kittel an und operiert zusammen mit einer Studentin. Das Pferd übersteht den Eingriff. „Bei den Untersuchungen geht es nicht darum, den Kindern medizinische Begriffe zu erklären“, sagt Wolff. Vielmehr gehe es darum, dass sie verstehen, was bei einem Krankenhausaufenthalt passiert.

Und so ist die vorletzte Station, bevor es in den Malraum geht, die hauseigene Apotheke. Dort bekommen die Kinder extra angefertigte Medikamente für ihre Plüschtiere – darunter Salben und Tabletten. „Die Medikamente haben natürlich keine Inhaltsstoffe, allerdings schmecken sie nicht gut“, erklärt Martina Wolff und fügt hinzu: „Wir erklären den Kindern, dass die Medikamente nur für den Patienten, also für ihr Kuscheltier sind.“ So sollen sie lernen, dass sie keine Arzneimittel von Mama oder Papa zu sich nehmen dürfen. Und bei Zahnschmerzen? Auch für diese ist die Teddybär-Klinik gerüstet. Schließlich gibt es in der Plüschtierklinik auch eine Zahnarztpraxis. Hier lernen die Kinder, wie man sich richtig die Zähne putzt.

Wie auch in den vergangenen Jahren haben sich die Studenten wieder ein Schwerpunktthema überlegt. „Es geht um die Sicherheit im Straßenverkehr und heißt ’Mein Teddy ist sicher unterwegs’“, sagt Wolff. Dafür werden am Sonnabend auch zwei Rettungssanitäter vor Ort sein, um einen im Straßenverkehr verletzten Teddy zu retten.

In der Teddybär-Klinik vergehen etwa 30 Minuten von der Anmeldung bis zur Medikamentenausgabe. Die Plüschtiere sind verarztet und die kleinen Besitzer haben gemerkt, dass alles gar nicht so schlimm ist.

Das Krankenhaus

Die Idee eines Krankenhauses für Plüschtiere stammt aus der schwedischen Stadt Uppsala. Im Jahr 2000 wurde sie erstmals in Deutschland realisiert. Fünf Jahre später hatte das Teddybär-Krankenhaus Premiere in der Universitätsstadt Greifswald.

Am Sonnabend findet ein „Tag der offenen Tür“ statt. Von 9 bis 13 Uhr kann jedes Kind sein Plüschtier in der Fleischmannstraße 42 untersuchen lassen.

Christin Weikusat

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