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Greifswald „Suche nach Identität ist mir vertraut“
Vorpommern Greifswald „Suche nach Identität ist mir vertraut“
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00:00 26.04.2017

Manfred Osten ist seit neun Jahren Mentor und Moderator der Usedomer Literaturtage. Im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG erzählt er von seinem Migrationshintergrund, seinen persönlichen Festivalhighlights und den großen Herausforderungen unserer Zeit in Europa.

Manfred Osten moderiert mehrere Veranstaltungen.

Herr Dr. Osten, Sie selbst stammen aus Mecklenburg und haben früh die ehemalige DDR verlassen. Was hat ihre Identität geprägt? 

Meine Kindheit und die erste Jugendzeit beeinflusste das Ambiente einer äußerlich vom Krieg verschonten, typischen mecklenburgischen Kleinstadt in der Nähe von Ludwigslust. Stark prägten mich hier die Familie mit vier Kindern. Der Vater, der Beamter war, aber seit dem Ersten Weltkrieg schwer kriegsversehrt. Die reiche Wald- und Wiesenlandschaft in ländlicher Umgebung. Aber auch die Grundschuljahre in den Gründungsjahren der DDR, die bereits versuchte, auch ideologisch den Schulunterricht zu beeinflussen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Migration gesammelt?

Sieben Jahre verbrachte ich in einem niedersächsischen Internat mit Flüchtlingskindern. Identitätsverlust und Suche nach neuer Identität ist mir daher tief vertraut und ich habe früh begonnen, die Grundmuster von Migration zu verstehen.

Was haben Sie damals erfahren, das immer noch Gültigkeit beanspruchen kann?

Bei der Identität geht es immer wieder um das Spannungsverhältnis zwischen einerseits dem archaisch geprägten Revierverhalten mit allen bekannten Reflexen der Fremdenfeindlichkeit und andererseits das durch die kulturelle Evolution geprägte altruistische Verhaltensmuster. Es wird zukünftig alles darauf ankommen, diese Verhaltensmuster durch Erziehung zum Positiven zu wenden. Dafür müssen wir unsere eurozentristische Belehrungsgesellschaft in eine Lerngesellschaft anderer Kulturen fördern und stärken.

Auf welche Autoren freuen Sie sich besonders in diesem Jahr?

Unter anderem freue ich mich auf die Gespräche mit Asfa-Wossen Asserate und Alfred Grosser, weil beide auf jeweils ganz eigene Weise das Thema der Identität erlebt und darüber geschrieben haben.

OZ

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