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Greifswald Super Sommer – reichlich Honig
Vorpommern Greifswald Super Sommer – reichlich Honig
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00:00 24.08.2018
Auf der anderen Seite fliegen die fleißigen Bienen in die Beuten rein, bringen Pollen oder Nektar.
Vargatz

Kein Frühstück ohne Honig: Der süße, goldene Saft gehört für Erhard Spiering einfach zu einem gelungenen Start in den Tag. Wen wundert’s – als Hobbyimker weiß er ganz genau, was er sich aufs Brötchen schmiert. „Wobei es kaum reine Sorten gibt. Ich unterscheide deshalb nicht nach Lindenblüten-, Raps- oder anderem Honig, sondern bezeichne sie eher als Frühjahrs- oder Sommerblüte“, sagt der 64-Jährige, der auf ein gutes Bienenjahr zurückblicken kann.

Imker Erhard Spiering schaut auf ein gutes Bienenjahr

Für derlei Vergleich hat er langjährige Erfahrung: „2005 habe ich die ersten zwei Bienenvölker von meinem Vater übernommen, später dann auch den Rest“, erzählt der gebürtige Greifswalder. Heinz Spiering habe bereits in den 1960-er Jahren in der Stadtrandsiedlung die Hobbyimkerei für sich entdeckt. Für den heranwachsenden Erhard war diese klebrige Angelegenheit zunächst keine erstrebenswerte Freizeitbeschäftigung, gibt er heute freimütig zu. „Doch wenn geschleudert wurde, mussten alle mit ran – Mutter, Opa, Schwester und ich natürlich auch“, entsinnt sich der Imker. Als seinem Vater, der mittlerweile 89 Jahre alt ist, diese nicht gerade leichte Arbeit allmählich aber schwerer fiel, nahm er sich der Sache an und gewann zunehmend Gefallen. Sein Hof in Vargatz, ein kleines Dorf nahe Gützkow, umgeben von Ackerland und Wiesen, bietet für das Hobby beste Bedingungen und genügend Platz. Ein Hobby, das viel Ausdauer und eine ruhige Art benötigt.

Die zehn Völker, die Erhard Spiering mittlerweile beherbergt und umsorgt, brachten gute Ernte. Wobei ein Volk im Sommer bis zu 60000 Bienen zählt, im Winter an die zehn- bis 20000. „Pro Volk habe ich etwa Ende 30, Anfang 40 Kilogramm“, berichtet er. Das sei längst nicht immer so. „Das Wetter spielt für die Bienenzucht eine große Rolle. Die meisten Schwierigkeiten bereitet der Winter.

Kommt es zu extremen Temperaturschwankungen, verlassen die Bienen an milden Tagen die Traube“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Das ende fürs Volk unter Umständen tödlich. Doch auch ein trockener Sommer könne problematisch sein. In diesem Jahr sei die Obstbaumblüte zum Beispiel ungewöhnlich früh noch vor der Rapsblüte erfolgt. „Und in manchen Jahren, warum auch immer, honigt die Linde nicht so wie erhofft“, nennt Spiering weitere Einflüsse für ein gutes oder schlechtes Ergebnis.

Jetzt, da das Bienenjahr zu Ende ist, beginne auch schon wieder die Vorbereitung aufs nächste. Der Imker legt mit der sogenannten Einfütterung den Grundstein für eine gute Honigernte im kommenden Jahr. Einfütterung bedeutet, den Bienen eine Zuckerlösung zu geben. Ohne dieses Futter kämen sie nicht über den Winter. „Für die zehn Völker brauche ich etwa 120 Kilogramm“, sagt Spiering. Doch nicht nur damit ist er in diesen Tagen beschäftigt. Ganz wichtig sei momentan die Behandlung gegen die Varroa-Milbe. Dieser Parasit gilt als der gefährlichste Feind der Biene. Durch den Einsatz von Ameisensäure könne man prophylaktisch tätig werden, während der brutfreien Zeit nehme man Oxalsäure. Dabei sammle jeder Imker seine eigenen Erfahrungen, habe auch ganz unterschiedliche Ausstattungen, betont Erhard Spiering. Er selbst vertraut auf die sogenannte Hinterbehandlung. Dabei ist der Zugang zur Bienenwohnung – im Fachjargon Beute genannt – von der Rückseite. Im Gegensatz dazu setzen andere Züchter heute verstärkt auf die Magazinbeute, bei der die Behandlung von oben erfolgt. Darüber lasse sich schon mal trefflich mit anderen Züchtern fachsimpeln. Der Greifswalder Imkerverein, in dem er als Vorstandsmitglied agiert, zähle mittlerweile 45 Mitglieder. „Denn gerade haben wir wieder drei neue Anträge bekommen“, freut sich Spiering über den Zuwachs. Auch das zeigt: Das Wohl und Wehe der Bienenzucht erlangt erfreulicherweise in jüngster Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit. Trotzdem sei nicht alles gut, blieben Wünsche offen. „Ein großes Problem in unserer Region ist nach wie vor der Anbau von Monokulturen“, sagt der Imker. Andere Bundesländer agierten bienenfreundlicher, legten viel mehr Wildkräuter- und Blühflächen an. Doch auch bei diesem Thema ist Geduld Gold wert. Süßes, leckeres Gold.

Die Imkerei

Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40 000 Mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120000 km zurücklegen. Für ein Pfund Honig fliegt eine Biene quasi dreimal um die Erde.

In Deutschland hält jeder Imker durchschnittlich 6,9 Bienenvölker. Aber weniger als ein Prozent betreiben die Imkerei erwerbsmäßig.

130000 Imker gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. 1991 waren es noch 115000, in MV sind es rund 2551 Imker. Alle Daten stammen vom Deutschen Imkerbund (DIB).

Petra Hase

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