Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Super Tourismusjahr für Greifswald
Vorpommern Greifswald Super Tourismusjahr für Greifswald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.10.2018
Greifswald

Die neuesten statistischen Zahlen verheißen dem Tourismus in Greifswald schon jetzt ein Superjahr. 165500 Übernachtungen von Januar bis Ende Juli 2018 bedeuten ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 18,1 Prozent. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Maik Wittenbecher, Geschäftsführer der Greifswald Marketing GmbH, über diese Entwicklung, nächste Ziele und neue Herausforderungen.

Janine Starke und Bastian Farr präsentieren in der Greifswald-Information am Markt die neuesten Prospekte. Quelle: Foto: Peter Binder

Herr Wittenbecher, hat nur der Supersommer zu diesem enormen Anstieg der Übernachtungen geführt oder gibt es auch andere Gründe?

Maik Wittenbecher: Sicher hat der Sommer dazu beigetragen, dass die Auslastung der Herbergsbetriebe außerordentlich gut war, aber natürlich auch die Wiedereröffnung des Campingplatzes in Eldena Ende Mai. Selbst in diesen Herbsttagen sind die Kapazitäten noch gut ausgelastet, sodass wir möglicherweise am Jahresende bei den Übernachtungen erstmals die 300000-er Marke knacken.

Das gab es noch nie. Wobei ich mit so einer Prognose eher zurückhaltend umgehe. Fakt ist, dass die Aufenthaltsdauer steigt. Mit durchschnittlich 2,6 Übernachtungen pro Gast hat Greifswald eine Spitzenposition unter den Städten in Mecklenburg-Vorpommern erreicht.

Nun ist Greifswald aber kein klassischer Urlaubsort.

Richtig. Die Menschen verbringen die meiste Zeit noch auf den Inseln und am Strand. Unser touristisches Programm in Greifswald, das muss ich ehrlicherweise sagen, reicht bislang nur für zwei, drei Tage. Deshalb ist es uns wichtig, mehr städtetouristische Anreizpunkte zu setzen. Denn wir haben tolle kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, tolle Museen. Urlauber suchen nach vier bis fünf Tagen nach Alternativen zum Strand. Das ist unsere Chance. Wichtig ist mir, dass wir nicht in Konkurrenz zu anderen stehen, sondern den Touristen Angebote im Rahmen eines ein- oder zweiwöchigen Urlaubs unterbreiten. Da zahlt es sich aus, dass wir seit einigen Jahren mit Partnern auf der Insel kooperieren, etwa mit Usedom Rad oder den Tourismus- Informationen.

Zu den touristischen Highlights zählte bislang die Schifffahrt auf dem Ryck. Der familiäre Streit um die „Stubnitz“ und die zeitweise Einstellung der Schifffahrt widersprechen aber Ihren Zielen.

Diese Ereignisse waren absolut schädlich für den Tourismus in der Stadt. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir derzeit an Alternativen. Touristen brauchen planbare, berechenbare Angebote. In Greifswald sollte dazu eine verlässliche Fahrgastverbindung zwischen Museumshafen, Wieck und im Idealfall Ludwigsburg zählen – mit einem Fahrplan, der eingehalten wird.

Woran denken Sie noch, wenn Sie von städtetouristischen Anreizen reden?

2017 sprachen wir mit einer neuen Broschüre erstmals Gruppenreisende gezielt an. Mit Erfolg. Bei Führungen verzeichnen wir zum Beispiel einen großen Umsatzsprung. Der beträgt mindestens 20 Prozent, konkrete Zahlen wird es Anfang 2019 geben. Wobei einige Verschiebungen auftraten – vom Altstadtrundgang hin zu anderen Führungen, dabei wird viel kombiniert, etwa die Altstadt mit Wieck oder dem Museumshafen. Auch der kulinarische Stadtrundgang in Kooperation mit den Gastronomen läuft super. Bislang gab es einen, jetzt zwei öffentliche Termine.

Sie offerieren nicht nur eigene Führungen, sondern auch die des Caspar-David-Friedrich-Zentrums und der Uni sowie Fahrten mit der „Greif“ und Museumsschiffen. Warum?

Das weiter zu entwickeln, ist unser Ziel. Ich vermarkte sehr gern die Fahrräder und Paddelboote vom Majuwi, die Angebote der Surfschule oder des Kletterparks, um die Tourismuswirtschaft zu fördern. Denn darum geht es doch. Wir verstehen uns als Informationsdrehscheibe für die Vermittlung. Tipps zu geben, bedeutet nicht immer einen geldwerten Vorteil, aber die Wertschöpfung bleibt damit in unserer Stadt oder in unserer Region. Das geht aber nur, wenn die Anbieter mitspielen.

Geld spielt für die Greifswald Marketing Gesellschaft trotzdem eine wichtige Rolle. Die Bürgerschaft wollte ursprünglich den städtischen Zuschuss in Jahresscheiben abschmelzen. Letztlich wurde er für für 2017/18 leicht erhöht, beträgt jeweils 330000 Euro. Reicht das und wie geht es weiter?

Ich hatte bereits kurz nach Übernahme der Geschäftsführung erklärt, dass mit weniger Mitteln die Aufgaben nicht zu leisten sind. Klassische Umsätze, wie etwa die Provisionsvermittlung von Hotels, sind stark rückläufig, weil Buchungen übers Internet laufen. Ähnlich sieht es beim Verkauf von Merchandising-Artikeln, Tickets, Postkarten aus. Die Konkurrenz für die klassische Tourismusinfo ist extrem groß geworden. Deshalb war es im Zuge der Gesellschaftsgründung sehr optimistisch, die Zuschüsse in der Höhe abzuschmelzen zu wollen und uns parallel dazu so viele Aufgaben auf den Weg zu geben. Dazu gehört neben dem Tourismusmarketing auch das Stadtmarketing. Wir können vieles machen, wollen gern neue Geschäftsfelder erschließen. Aber dazu brauchen wir die personelle und finanzielle Ausstattung. Nach letztem Stand soll der Zuschuss für die nächsten zwei, drei Jahre konstant bleiben. Das ist sehr wichtig, denn mit den 330 000 Euro finanziere ich ausschließlich Festkosten, wie Personal, Miete, Versicherungen.

Und womit finanzieren Sie dann das Stadtfest „Ein Tag mit Caspar David Friedrich“, Kinderfeste, Messen und anderes mehr?

Jeden Cent, den wir für das Stadt- und Tourismusmarketing ausgeben, müssen wir vorher erwirtschaften. Es wäre also sehr kontraproduktiv, erwirtschaftete Überschüsse in Form abschmelzender Zuschüsse wieder abzuziehen. 2017 ist es uns gelungen, die Umsätze um 20 Prozent auf 280 000 Euro zu steigern. Auch 2018 wird ein gutes Jahr. Das gelingt uns, weil wir erfolgreich immer mehr Kooperationspartner gewinnen, derzeit sind es an die 40. Doch wir müssen uns als Gesellschaft sehr strecken, um perspektivisch den Zuschuss irgendwann einmal schmelzen zu lassen. Denn eigentlich sollen wir ja mehr Aufgaben übernehmen. Am Ende geht es darum, neue Einnahmequellen zu erschließen.

Werbung über Broschüren und Internetpräsenz spielt in der Tourismusförderung eine große Rolle. Reicht das, was da läuft?

2017 hatten wir einen massiven Einbruch bei der Ankunft ausländischer Touristen, der bewegte sich im zweistelligen Prozentbereich. Sicher hat das mehrere Gründe, wie etwa die Schließung des Campingplatzes. Doch wenn eine Internetseite nicht mehrsprachig ist, wie wollen wir da um Touristen werben? Also haben wir jetzt unsere Webseite „greifswald.info“ in zehn Sprachen aufgelegt. Auch die Greifswalder Imagebroschüre gibt es nicht mehr nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, wie auch andere Basispublikationen und Tagungsunterlagen. Die Broschüre „Ein Tag in Greifswald“ wird demnächst auch auf Polnisch herausgegeben. Das alles liegt in unserer Hand, da mussten wir einige Hausaufgaben machen.

Was liegt denn nicht in Ihrer Hand, wo bleiben Wünsche offen?

Da fällt mir der schlechte Zustand des Ostseeküstenradweges zwischen Stralsund und Greifswald ein. Da können wir in der Stadt noch so viele Fahrradwege ausbauen. Für den Gast ist es nicht nachvollziehbar, dass wir uns in MV als Fahrradland vermarkten, aber dieser Radweg so schlecht ist. Stralsund und Greifswald sind aus touristischer Sicht keine Konkurrenzorte. Vielmehr müssen wir den Austausch der Touristen zwischen beiden Städten fördern. Und dafür wäre eine Verbesserung der Situation wünschenswert, zumal die Einheimischen davon profitieren.

Das Stadtfest „Ein Tag mit Caspar David Friedrich“ ist seit ein paar Jahren erfolgreich, stand aber wegen der Kosten schon mal zur Disposition. Wird die Tradition fortgesetzt?

Ja, der Tag soll immer am letzten Sonnabend im August stattfinden. Die Resonanz war wieder durchweg positiv, es gab auch neue Anregungen. Stattfinden soll 2019 auch wieder ein Kinderfest – und zwar am 1. Juni. Das werden wir nicht mehr allein anbieten, sondern mit Partnern. Unsere Idee ist, mit mehreren Angeboten eine Brücke zwischen Marktplatz und Museumshafen zu schlagen.

Was wird Sie im Jahr 2019 noch bewegen?

Wir werden uns mit um die Klimaaktionstage kümmern und auch um die Hansetage – mit extra Budget. Wir werden wieder auf Reisebörsen präsent sein – selten allein, aber zusammen mit dem Tourismusverband Vorpommern oder dem Landestourismusverband. Wir wollen die Kooperation mit unseren Partnern stärken, insbesondere mit der Universität, planen gemeinsame Führungen. Und wir wollen die Greifswald-Information modernisieren, das letzte Mal wurde dort 1998 investiert.

Die Greifswald Marketing Gesellschaft

165000

Übernachtungen zählten die Touristiker in Greifswald von Januar bis Ende Juli 2018. Das bedeutet ein Plus von 18,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Durchschnitt blieben die Gäste 2,6 Nächte in der Hansestadt – ein Spitzenwert im Vergleich der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings gab es einen massiven Einbruch bei ausländischen Gästen.

330 000

Euro beträgt der städtische Zuschuss in diesem Jahr an die Greifswald Marketing GmbH. Damit werden nur die Festkosten wie Personal, Miete und Versicherungen finanziert.

2019 plant die Marketinggesellschaft eine neue Gestaltung der Greifswald-Information am Markt.

Petra Hase

Kosten liegen bei 53000 Euro / Vorpommern-Fonds hilft bei Eigenanteil

11.10.2018

Greifswalder Arboretum lädt zum Obsttag. Hansestadt ist Hochburg alter Sorten.

11.10.2018

Was für ein Schauspiel am Dienstagabend: Der Himmel färbte sich beim Sonnenuntergang in ein rot-leuchtendes Farbenmeer.

11.10.2018