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Greifswald Supermarkt statt Schulkantine?
Vorpommern Greifswald Supermarkt statt Schulkantine?
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00:00 30.03.2017

Nur an der Montessorischule wird in der Hansestadt jeden Tag das Essen für die Kinder und Jugendlichen frisch vor Ort gekocht. Trotzdem begeistern die Mahlzeiten nicht alle. „Das gesunde Essen schmeckt oft nicht“, sagt Jette Schramm. Im Kreis von vier Freundinnen steht die Zehnjährige im Schulbistro und fordert: „Es sollte öfter Nudeln, Schnitzel oder eine ordentliche Soße geben. Auch Milchreis schmeckt gut.“ Widerspruch kommt von der zehnjährigen Svea-Sophie Dinse, die auch gesundes Essen wichtig findet. „Heute hat es gut geschmeckt.“ Stampfkartoffeln mit saurer Sahnesoße und ein Gemüsebratling kamen auf den Tisch. Die Siebtklässlerin Giulia Harzsch findet das Angebot insgesamt „vielseitig mit vielen vegetarischen Gerichten, aber manche Kombinationen kommen nicht gut an.“

Mandy Rybandt bereitet einzelne Bratlinge in einer Extrapfanne für Allergiker zu. Sie kocht mit den vier anderen Mitgliedern im Küchenteam der Montessorischule jeden Tag das Essen frisch vor Ort. Quelle: Foto: Christopher Gottschalk

Diese Meinungen spiegeln ein Grunddilemma der Schulverpflegung wieder. Essenanbieter und Schulküchen wollen Gesundes anbieten. Aber die Mehrheit der Greifswalder verzichtet nach der Grundschule auf die Angebote, die Schüler gehen lieber zum Imbiss und in den Supermarkt oder bringen eigene Verpflegung mit.

Das alles ist für Mandy Rybandt, Mitglied der fünfköpfigen Küchenmannschaft an der Montessorischule, nicht neu. „Es ist verdammt schwer, alle Geschmäcker unter einen Hut zu bringen“, sagt die Abteilungsleiterin der technischen Verwaltung bei der Aktion Sonnenschein, dem Schulträger. Zweimal wöchentlich gibt es dort ein vegetarisches Hauptgericht und jeden Freitag ist Suppentag. Ein Salat kann täglich als Hauptgang bestellt werden. Saisonale und regionale Produkte stehen im Mittelpunkt. „Wir machen so viel wie möglich selbst“, sagt Mandy Rybandt. „Fertignahrung enthält meist Zusätze wie Konservierungsmittel oder Farbstoffe – und oft zu viel Zucker“, sagt sie. Deswegen werden Schnitzel selbst paniert, Bratlinge frisch gefertigt und statt Apfelmus wird ungesüßtes Apfelmark serviert. „Auf gentechnisch veränderte Zutaten verzichten wir“, sagt Rybandt. Der Großteil der 503 Schüler lässt sich von dem Konzept anscheinend doch überzeugen: Ungefähr 390 Heranwachsende (77 Prozent) nutzen die Schulverpflegung. Dieser Anteil ist für Greifswalder Schulen sehr hoch, an den anderen Bildungsstätten wird oft auf das Schulessen verzichtet. Im Humboldtgymnasium sind nur 20 Prozent dabei, an der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“ 13 und an der Caspar-David-Friedrich-Schule 26 Prozent. Die Hansehaus GmbH beliefert alle drei, so wie auch die Schule in Neuenkirchen und die Regionale Schule „Ernst Moritz Arndt“. Hinzu kommen die Horte, die die Mittagsverpflegung für Erst- bis Viertklässler bereitstellen: An den Grundschulen „Karl Krull“, „Martin Andersen Nexö“, „Käthe Kollwitz“ und „Greif“ nehmen durchschnittlich 70 Prozent der Kinder die Verpflegung an.

Hansehaus ist der größte Lieferant der Greifswalder Schulen und für das Mittag von über 2000 Heranwachsenden verantwortlich. Um Wünsche zu erfüllen, trifft sich die Geschäftsführung regelmäßig mit Eltern- und Schülervertretern und führt Umfragen an den Schulen durch. Andreas Wenzel , Geschäftsführer der Hansehaus GmbH, sagt: „Eltern finden vor allem zu viel Zucker problematisch.“ Auch deshalb werde der Zuckeranteil in den Speisen so gering wie möglich gehalten. „Wir stellen den Großteil des Essens aus frischen Zutaten her“, so Wenzel. Hauptsächlich seien es panierte Fleisch- und Fischprodukte, die als Fertigwaren gekauft werden. In einer typischen Woche sehe der Speiseplan täglich ein Fleischgericht und einen kleinen Salat vor. Unter den vegetarischen Alternativen fänden sich unter anderem Kartoffelgerichte, Nudeln, Grießbrei oder Schokopuddingsuppe, erklärt der Chef.

Aus Schülersicht sei der Geschmack zentral, bestätigt Wenzel, der mehr Bestellungen hat, wenn es Nudeln mit Tomatensoße oder Jägerschnitzel gibt. An jeder Schule hingen die Teilnehmerzahlen auch von der räumlichen Ausstattung und der Pausendauer ab. Nur im privaten Ostseegymnasium, für das Medigreif kocht und an der evangelischen Martinschule, die von der Johanna-Odebrecht-Stiftung beliefert wird, schreiben die Schulkonzepte vor, dass alle Schüler essen gehen müssen. So wird an der Martinschule nur frei gestellt, wer seinem Klassenlehrer erklärt, warum er nicht speisen möchte. Die Entscheidung liegt dann letztlich beim Lehrer.

Christopher Gottschalk

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