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Vorpommern Greifswald Greifswald zeichnet Engagement aus
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Claudia Lohse-Jarchow wurde im Bürgerschaftssaal des Rathauses für ihr Engagement geehrt. Quelle: Christopher Gottschalk
Greifswald

 Claudia Lohse-Jarchow sitzt im Elektrorollstuhl. Ihren Körper kann sie kaum bewegen. Der Grund ist eine Erkrankung, die das frühzeitige Absterben bestimmter muskelsteuernder Nerven verursacht. Seit ihrer Geburt ist sie dadurch körperbehindert. Doch das heißt nicht, dass sie leidet. „Mein Leben ist aufregend, schön und lebenswert“, sagt Lohse-Jarchow.

Für ihre lebensbejahende Einstellung und ihr Engagement ehrten die Stadt und die AG Barrierefreie Stadt die 40-Jährige am Tag der Menschen mit Behinderung. Er ist immer am dritten Dezember.

Claudia Lohse-Jarchow fordert ein radikales Umdenken – angefangen bei der Frage, wer behindert ist. Viele Menschen würden Einschränkungen erfahren: Wenn sie sich ein Bein brechen, schwanger werden oder eine Brille brauchen. „Vielleicht sollten wir irgendwann nicht mehr von Menschen mit und ohne Behinderung sprechen, sondern von Menschen mit Bedürfnissen und Fähigkeiten“.

Ihr ist es ein Bedürfnis, tägliche Diskriminierungen zu bekämpfen. Sie werde nie akzeptieren, dass „ich extrem angestarrt und argwöhnisch beglotzt“ werde. Rollstuhlfahrer müssten in Bussen wegen einer EU-Richtlinie rückwärts sitzen. „Verallgemeinernder Irrsinn“, nennt Lohse-Jarchow das. Schließlich würden andere Fahrgäste stehen und sitzen dürfen, wie sie es möchten. Im Theater können Behinderte nur in der ersten Reihe sitzen, die Treppen der Volkshochschule sind eine Barriere, die Rampe für das Technische Rathaus führt über einen Seiteneingang, der Tresen ist für Rollstuhlfahrer zu hoch. Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen müssten gehört und umgesetzt werden. Die gebürtige Greifswalderin, die viele Jahre in Rostock lebte, zog 2001 zu ihrem Mann nach Greifswald. Die beiden arbeiten an Foto-Interview-Projekten.

Behinderte selbst seien auch aufgerufen, nicht nur zu fordern, sondern sich zu zeigen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich als schön wahrzunehmen. „Vielleicht muss bevor und damit die Welt sich ändern kann, sich unser Selbstbild heilen. In uns kristallisiert sich die Verschiedenartigkeit der menschlichen Spezies“.

So nimmt Lohse-Jarchow oft an Diskussionen zum Thema Teilhabe und Teilgabe am öffentlichen Leben teil, engagiert sich in der Wiecker Kirchengemeinde und der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke, ist zu Gast bei der städtischen AG Barrierefreie Stadt (siehe Infokasten).

Lohse-Jarchow beschäftigt ein Team aus über zehn Helfern, manche davon sind Krankenschwestern, die meisten aber Studentinnen, die Lohse-Jarchow einarbeitet. Die Kosten von mehreren tausend Euro im Monat finanziert zum einen Teil das Sozialamt und zum anderen Lohse-Jarchow selbst.

Barrierefreiheit setzen drei Geschäfte seit dem dritten Dezember konkret um: Bei Douglas, Goldschmiede Richter und Martins Stadtladen werden Kofferrampen für gehbehinderte Menschen bereitgestellt. Die AG Barrierefreie Stadt hatte die Idee, die Ortsteilvertretung Innenstadt stellte Geld aus dem Ortsteilbudget bereit. Angebote wie dieses, engagierte Bürger, Beratungsmöglichkeiten, inklusive Schulen oder das barrierefreie Landesmuseum sieht Lohse-Jarchow als Grund zum Feiern, weil gehandelt werde für „die Würde, das Recht und Wohlergehen von Menschen mit Behinderung“.

Die zweite Auszeichnung bekam die Unternehmerin Susan Hohmann. Sie stellt in ihrem Wollgeschäft „Nautistore“ in der Knopfstraße eine mobile Rollstuhlrampe bereit, weil Kunden sich das gewünscht hätten. Monika Kindt, Behindertenbeauftragte der Stadt, Bürgerschaftspräsidentin Birgit Socher und Bürgerschaftsmitglied Mignon Schwenke (beide Die Linke) hielten ebenfalls Reden.

Seltene Muskelerkrankungen

Neuromuskoläre Erkrankungen führen zur Abnahme der Muskelmasse und zu Muskelschwäche in einzelnen Muskeln oder am ganzen Körper. Es gibt zehn Diagnosegruppen. Um Erkrankte und deren Angehörige kümmert sich die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DMG). Heute zählt der 1965 gegründete Verein laut eigenen Angaben bundesweit 8000 Mitglieder. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 82. Er bietet z.B. Beratungen und Vernetzung an. Kontakt unter: helmut.maedel@dgm.org oder telefonisch: 03834 447207

Christopher Gottschalk

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