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Taxis lassen krankes Paar im Stich

Greifswald/Binz Taxis lassen krankes Paar im Stich

Trotz Genehmigung wurden Petra und Norbert Wiegel nicht transportiert

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Gegen Greifswalds Taxiunternehmen erhebt ein Paar aus Binz schwerwiegende Vorwürfe.

Quelle: Foto: Holger Marohn

Greifswald/Binz. Schwerwiegende Vorwürfe gegen Greifswalds Taxiunternehmen. Ein schwerstbehindertes Paar von der Insel Rügen beklagt, von ihnen trotz Transportgenehmigung einer Krankenkasse abgewiesen worden zu sein. In der Folge habe es dreieinhalb Kilometer vom Universitätsklinikum zum Greifswalder Bahnhof zu Fuß bewältigen und zusätzliche Ausgaben bestreiten müssen.

Petra und Norbert Wiegel aus Binz fahren zwei- bis dreimal im Monat mit einem Taxi zum Greifswalder Klinikum. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen und muss sich wegen einer schweren Erkrankung regelmäßig einer Behandlung in der Darm- und Herzchirurgie unterziehen. „Normalerweise ist die Fahrt mit dem Taxi von Rügen hierher und zurück kein Problem“, erzählt Ehemann Norbert (63), wie seine Frau schwerstbehindert. „Bezahlt wird stets mit einem Beförderungsschein unserer Krankenkasse, der AOK. Von der bekommt das Taxiunternehmen dann sein Geld.“

Die eingespielte Praxis – am 20. Oktober bekam sie Risse. Der Fahrer, mit dem das Rügener Paar wie immer nach Greifswald gefahren war, konnte an diesem Tag nicht auf das Ende der Behandlung von Petra Wiegel (58) im Klinikum warten, um beide zurück nach Binz zu bringen. „Die Greifswalder Taxifahrer hingegen wollten uns nur gegen Barzahlung befördern“, schildert Norbert Wiegel. Weil er kein Taxi fand, dessen Chauffeur ihn und seine Frau kostenlos nach Hause bringt, machte er sich schließlich auf den Weg zum Bahnhof, um einen Zug zu nehmen. Dreieinhalb Kilometer habe er seine im Rollstuhl sitzende Frau dabei durch Greifswald geschoben, den langen Weg vom Uniklinikum in der Ferdinand-Sauerbruch-Straße bis zum Bahnhof. Eine echte Tortur sei das gewesen. „Wir waren beide völlig am Ende“, sagt er. „Ich war so geschwächt, dass ich Zuhause gestürzt bin.“

Das Verhalten der Greifswalder Taxifahrer empört Norbert Wiegel immer noch. Er wandte sich deshalb an das Landratsamt, das die Aufsicht über Taxiunternehmen hat. Zudem informierte er seine Krankenkasse. „Wiegels haben eine Dauergenehmigung für die Taxifahrten zur Behandlung von Binz nach Greifswald und zurück. Die ist gerade wieder bis 2019 verlängert worden“, stellt AOK-Sprecher Markus Juhls klar. Nach diesem Vorfall habe die Kasse für das Paar Wiegel eine Liste „mit unseren Vertragspartnern zusammengestellt, die sie anrufen können, wenn der Unternehmer, mit dem sie normalerweise fahren, verhindert ist“. Allein in Greifswald gebe es mehr als 20.

Das Landratsamt hat den Fall inzwischen geprüft. „Eine Mitarbeiterin hat mit allen in Greifswald ansässigen Taxiunternehmen Kontakt aufgenommen“, sagt Sprecher Achim Froitzheim. Nach dieser Recherche hätten sich die Taxifahrer völlig korrekt verhalten. „Das Ehepaar hat nur einen kombinierten Taxischein für die Hin- und Rückfahrt vorweisen können“, so Froitzheim. Auf dieser Grundlage hätten die Taxen die Binzer nur gegen Bargeld befördern können. Denn die AOK hätte dann nicht bezahlt. Froitzheim schiebt den Schwarzen Peter dem Binzer Taxifahrer zu. „Wenn dieser nicht warten konnte, hätte er in einer angemessenen Zeit ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellen müssen.“ Diese Version bestätigt auch Hanse-Taxi. Wenn möglich, würde man jeden transportieren, sofern denn die Bezahlung gesichert sei.

Norbert Wiegel weist die Darstellung der Greifswalder zurück. „Unser Taxifahrer kann nicht drei Stunden auf uns warten, er hat schließlich noch andere Kunden“, führt er aus. Man sei auch schon mit anderen Unternehmern von Greifswald nach Binz zurückgefahren. Der Rüganer vermutet eine Schikane von AOK-Patienten. Er habe sich über die Aussagen der Kreisverwaltung sehr geärgert und darum erst einmal nicht Name und Telefonnummer seines Stammfahrers herausgegeben. OZ erhielt Namen und Telefonnummer des Binzer Taxiunternehmers. „Ich bekomme immer zuerst nur einen Schein für die Hinfahrt“, sagt dieser. Den zweiten für die Rückfahrt erhalte er immer erst, sofern er die Familie zurückfahre.

„Selbst wenn Wiegels nur einen Kombischein vorgelegt hätten, wäre das nur eine Formalie“, sagt AOK-Sprecher Markus Juhls. „Das Greifswalder Taxiunternehmen hätte auf jeden Fall sein Geld bekommen.“

Eckhard Oberdörfer

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