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Greifswald Terrordrama spaltet Publikum
Vorpommern Greifswald Terrordrama spaltet Publikum
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00:00 20.05.2016
Das Drama „Terror“ feiert am Theater Vorpommern morgen die Greifswald-Premiere. Jan Bernhardt (vorn) spielt den Verteidiger, Julius Robin Weigel (re.) den Angeklagten, Richter ist Markus Voigt (li.). Quelle: Mutphoto
Greifswald

Ein Terrorist kapert einen Lufthansa-Airbus mit 164 Passagieren und zwingt die Piloten, Kurs auf ein mit 70000 Zuschauern voll besetztes Fußballstadion zu nehmen. Ein Major der Luftwaffe hat den Befehl, das Flugzeug abzudrängen. Doch er entscheidet sich anders, schießt die Maschine ab und nimmt den Tod der 164 Fluggäste billigend in Kauf.

Ferdinand von Schirachs erstes Bühnenstück erlangt, kaum ist es auf dem Markt, bundesweit Beachtung. In über 30 deutschen Städten widmen sich Theaterregisseure in dieser Spielzeit dem Justizdrama.

André Rößler inszeniert es jetzt am Theater Vorpommern. Ein Schauspiel, das polarisiert wie aktuell kein zweites: Soll der Angeklagte – der Bundeswehrangehörige Lars Koch – schuldig oder freigesprochen werden? Darf man Leben gegen Leben abwägen? Welche Gründe kann es geben, um ein Unheil durch ein anderes, vermeintlich kleineres Unheil abzuwehren?

Das Publikum hat es in der Hand. „Die Zuschauer müssen am Ende entscheiden“, sagt Schauspieler Jan Bernhardt, der den Verteidiger spielt. Für ihn ist es faszinierend, einmal nicht vor einer „imaginären Masse“ zu stehen, sondern quasi mittendrin. Theater als Prozess – im doppelten Wortsinn. „Ein Steg führt in den Saal, die Zuschauer dürfen während der Gerichtsverhandlung Fragen stellen“, verrät er. Und tun es ohne Scheu, wie die ersten beiden Aufführungen in Stralsund belegen. Markus Voigt als Richter entscheidet, welche der Fragen zugelassen werden. „Ein gefährliches Pflaster“, auf das er sich begibt. Denn die Geschichte bewegt. Emotionen kochen hoch. Verständnis prallt auf Unverständnis. Und bei genauem Hinsehen geht es schließlich auch um sehr viel mehr als um die Entscheidung des Kampfpiloten. Es geht um „die Bewahrung der Demokratie, in einer Zeit, in der sie gefährdet ist“, meint Hannes Hametner, Dramaturg am Theater Vorpommern. Der Autor und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach (Jahrgang 1964), dessen Bücher weltweit Bestseller sind, versucht zu sensibilisieren: Was zeichnet einen Rechtsstaat aus? Was geschieht eigentlich in unseren Gerichten? „Und er ist völlig entsetzt darüber, dass 59 Prozent der Zuschauer in Deutschland bislang für einen Freispruch des Piloten plädierten“, berichtet Hametner.

Wäre also ein „Schuldig!“ richtiger? „Es gibt kein richtig oder falsch“, sagt Markus Voigt. Er ist gespannt auf die Greifswalder morgen Abend. Auf ihre Reaktionen und Fragen. Das Thema könnte kaum aktueller sein. Weltweit sorgen Terrorakte für Angst und Schrecken. In vielen Ländern breiten sich rechte Tendenzen aus. „Zugleich haben Menschen immer häufiger das Gefühl, dass andere Menschen über ihre Köpfe hinweg entscheiden“, sagt der Schauspieler und fügt hinzu: „Demokratie ist eben nicht gottgegeben, sondern muss hart erstritten werden.“

Ein weites Feld, über das sich trefflich streiten lässt. Auch in der Pause, wie Jan Bernhardt in Stralsund wiederholt beobachtete. Da gehe es mal nicht wie üblich um Gartentipps oder Kuchenrezepte...

Da werde heftig diskutiert. Und was kann Theater eigentlich Besseres leisten, als einen gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben.

Das Justizdrama

19 Premieren erlebte Ferdinand von Schirachs Schauspiel „Terror“ deutschlandweit seit Herbst 2015, in sechs Theatern läuft es noch. Weitere 16 Bühnen haben es demnächst auf dem Spielplan. Die Uraufführung fand zeitgleich am 3. Oktober im Deutschen Theater Berlin und am Schauspiel Frankfurt statt.

59,3 Prozent der Zuschauer sprachen sich bundesweit bislang für einen Freispruch des Angeklagten aus. Auch die Premierenbesucher in Stralsund waren Ende April mehrheitlich für diesen Ausgang.

„Terror“ kommt auch ins Fernsehen: Am 26. April war der letzte Drehtag für die Verfilmung. Florian David Fitz spielt darin den Angeklagten, Martina Gedek die Staatsanwältin, Burghart Klaußner den Richter. Die ARD zeigt den Film im Herbst 2016, im Anschluss wird Frank Plasberg in einer Sondersendung von „hart aber fair“ mit Gästen darüber diskutieren.

Theaterkarten: ☎ 57 22 224

Petra Hase

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