Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Tiefe Bestürzung nach tödlichem Jagdunfall
Vorpommern Greifswald Tiefe Bestürzung nach tödlichem Jagdunfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 05.12.2017

Der Schock sitzt tief: Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr ist während einer Drückjagd im Schilfgürtel am Kooser See bei Wampen der Jäger Ronald A. von einem Keiler angegriffen und am linken Innenschenkel schwer verletzt worden. Der Jäger stürzte, fiel mit dem Gesicht ins Wasser. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen erlag der 50-Jährige im Uniklinikum seinen Verletzungen.

Wie Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam sagte, haben an der von einem Pächter durchgeführten Drückjagd (umgangssprachlich wird auch oft von Treibjagd gesprochen) neun Jäger und vier Treiber teilgenommen. Ronald A. war an diesem Tag zu Fuß als Treiber mit seinem Hund unterwegs. Dabei wird versucht, mittels lauter Rufe das Schwarzwild aus ihren Verstecken herauszudrücken, damit es für Jäger sichtbar wird.

Der Verunglückte galt als erfahrener Jäger, bildete Jungjäger aus. Bei dem tragischen Jagdunfall soll er nach Zeugenaussagen auf den Keiler zwei Schüsse abgegeben haben. Da er einen Jagdschein besaß, durfte er als Treiber eine Waffe mitführen und bei Gefahr auch schießen. Da das Tier nicht in Sichtweite zusammengebrochen war, begab sich A. in den Schilfgürtel. Dort griff ihn der Keiler unvermittelt an und verletzte ihn mit seinen Waffen, das sind die sichtbaren und messerscharfen Eckzähne, schwer am linken Innenschenkel. Der Kriminaldauerdienst hat ein Todesermittlungsverfahren eröffnet. Der Keiler wurde laut Polizei nicht im Schilf gefunden. Damit ist unbekannt, ob das Tier getroffen wurde.

Ronald A. galt als umsichtiger Jäger. Mit der gleichen Leidenschaft war er Naturschützer: Er wachte über das Naturschutzgebiet Insel Koos, war für die Raubwildbejagung in Brutvogelgebieten zuständig.

Er arbeitete beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) im Bereich Naturschutz. Stalu-Chef Matthias Wolters sagte: „Wir sind alle bestürzt, schockiert und tieftraurig. Kollegen haben geweint, Ronald A. war hoch angesehen.“

Auch beim Landkreis Vorpommern-Greifswald zeigte man sich tief bestürzt. „Wir haben eng zusammengearbeitet. Sein Herz hing auf eine angenehme und verständnisvolle Art am Naturschutz“, so Landkreissprecher Achim Froitzheim. Zugleich bestätigt er, dass es im Landkreis bei Drückjagden schon mehrfach zu Verletzungen bei Jägern, Treibern und Hunden durch angreifendes Schwarzwild gekommen sei, aber nie der Tod eines Jägers oder Treibers zu beklagen war. Das tragische Unglück zeige, dass es sich bei Wildschweinen um sehr wehrhaftes Wild handele. Froitzheim verweist darauf, dass die Untere Jagdbehörde große Anstrengungen unternehme, um den enormen Bestand an Schwarzwild einzudämmen. Bei der Bejagung der Wildschweine gehöre der Landkreis zur vom Landwirtschaftsministerium ernannten Modellregion. Durch achtlos weggeworfene Abfälle oder Fütterung mit Brot hole man immer mehr Tiere an Wohnsiedlungen heran. „Das ist falsch verstandene Tierliebe“, sagte er.

In Greifswald wurden in den vergangenen Monaten Wildschweine in Eldena, Wieck, Ladebow, im Ostseeviertel und im Holzteichquartier, ja sogar auf dem Schulweg gesichtet. Von Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) heißt es: „Wildschweine haben eigentlich im Siedlungsgebiet nichts zu suchen, aber sie sind dorthin vorgedrungen. Wir als Stadt können nur im Rahmen der Zuständigkeiten und finanziellen Möglichkeiten dagegen vorgehen.“ So habe Fassbinder versucht, einen Jäger zu finden, bisher erfolglos. Im Januar soll es eine große Besprechung geben. Der OB habe sich auch mit Rostock in Verbindung gesetzt, wo Wildschweine erfolgreich aus dem Stadtgebiet zurückgedrängt wurden. Die Maßnahme kostete aber viel Geld. Derzeit werde verstärkt am Stadtrand gejagt, heißt es aus dem Rathaus. Die Bevölkerung soll informiert werden, Futterquellen für Wildschweine zu vermeiden. Handzettel dazu wurden noch nicht verteilt.

Cornelia Meerkatz

Mehr zum Thema

Deniz Yücel sitzt seit mehr als neun Monaten ohne Anklage in Untersuchungshaft. Die türkische Regierung hält das für gerechtfertigt und äußert sich erstmals schriftlich zu den Vorwürfen der Terrorpropaganda.

01.12.2017

Ende Dezember wird ein neues Verfahren im Zusammenhang mit der Firmen-Pleite eröffnet

02.12.2017

Die Wasserleiche wurde am Sonntag in der Unterwarnow im Rostocker Ortsteil Langenort entdeckt. Jetzt prüft die Polizei, wie der Mann zu Tode kam.

03.12.2017

Eintracht Zinnowitz verliert beim SV Fichte Greifswald mit 0:10

05.12.2017

Schwergewichtler Dennis Lewandowski schlägt in Hamburg Zoltan Csala

05.12.2017

Im letzten Landesklasse-Heimspiel des Jahres feierte der FSV Blau- Weiß Greifswald auf dem Kunstrasen im Volksstadion einen 5:0-Erfolg gegen den MSV Groß Miltzow.

05.12.2017
Anzeige