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Greifswald Tierparkstörche als Leihmütter
Vorpommern Greifswald Tierparkstörche als Leihmütter
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00:34 05.05.2018
Im Greifswalder Tierpark wurden die vier Eier aus Owstin anderen brütenden Störchen mit Erfolg untergeschoben. FOTOS (3): PETER BINDER

Glück im Unglück: Der Storchennachwuchs ist dank der „Kuckucksei-Methode“ gerettet. Zu verdanken ist das alles Frank Tetzlaff, Cheftierpfleger des Greifswalder Heimattierparkes und Storchenbeauftragter des Landkreises. Nachdem in Owstin eine Störchin auf tragische Weise umgekommen war, sorgte er dafür, dass die befruchteten Eier im Tierpark anderen brütenden Störchen untergeschoben wurden. Nun aber wird alles gut.

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Drama um Adebarnachwuchs von Owstin – Cheftierpfleger des Greifswalder Tierparks half

Weniger Brutpaare

50 Brutpaare gab es noch 1997 im Altkreis Greifswald. Im vorigen Jahr waren es lediglich noch 30. Damit war 2017 noch schlechter als 2016, wo 32 brütende Storchenpaare gezählt wurden. Von den im Landkreis Vorpommern-Greifswald gezählten 152 Brutpaaren hatten lediglich 85 Paare Jungvögel großgezogen.

Das Drama begann in Owstin nahe Gützkow. Auf dem Gelände der dortigen Straußenfarm befindet sich ein Mast mit Storchenhorst. Wie jedes Jahr ließ sich Adebar dort nieder und brütete. Dann der Schock:

Die Störchin geriet in eine nahe Stromleitung, verletzte sich dabei so schwer, dass sie nicht mehr fliegen konnte, zu Boden fiel und verendete. Herr Storch brütete zwar weiter, weil sich beide Elterntiere immer dabei abwechseln, damit der andere Futter suchen kann. Doch nun fehlte die Störchin und für den Nachwuchs von Adebar sah es schlecht aus.

Zum Glück war der Unfall in der Stromleitung vom Chef der Straußenfarm, Jan Büschgens, beobachtet worden. Der ist ein Storchenfan und war in großer Sorge um die Eier im Nest. Also rief er kurzentschlossen Tetzlaff zu Hilfe. Der Storchenbeauftragte überlegte nicht lange und telefonierte mit der Greifswalder Firma Neumann, die Hubbühnen vermieten. Dort war man zur Hilfe ebenfalls sofort bereit. „Ich habe mich über diese unkomplizierte Unterstützung riesig gefreut, denn es war Eile geboten. Wenn das Männchen erst mal von den Eiern aufgestanden ist und auf Futtersuche geht, gerät das Ausbrüten in Verzug“, schildert Tetzlaff.

Der Storchenspezialist holte die vier Eier dann mit Hilfe eines Hubsteigers aus dem Horst und schob sie zwei Storchenpaaren im Tierpark zum Ausbrüten unter. Der Greifswalder Heimattierpark beherbergt seit Jahren zehn invalide Störche, die wegen Verletzungen nicht mehr in den Süden fliegen können und hier überwintern. Zwei Paare brüten regelmäßig gesunde Junge aus. Die zusätzlichen Eier waren für die Tiere sofort okay. „Zum Glück können Störche nicht zählen“, meint Tetzlaff mit einem Augenzwinkern.

Die verunglückte Storchendame hat der Tierpfleger genau untersucht. Einer ihrer Flügel war komplett durchgebrochen. „Sie ist wohl wie ein Stein vom Himmel gefallen und dann an den schweren inneren Verletzungen gestorben“, meint er. Das äußerlich gut erhaltene Tier will er präparieren. „Es ist schon tragisch – da fliegen Weißstörche jedes Jahr riesige Strecken nach Afrika und zurück und überleben dabei größte Anstrengungen und Gefahren. Und dann kommen sie hier, wo wir wirklich um ihr Wohl bemüht sind, in eine Stromleitung“, sagt Tetzlaff.

Weil bereits im vergangenen Jahr in Owstin ein Storch durch die Nähe zur Stromleitung verunglückte, hat Tetzlaff das Gespräch mit dem Stromversorger Edis und der Naturschutzbehörde gesucht. In zwei Wochen will man sich vor Ort treffen, um eine Lösung für den Mast mit dem Storchenhorst zu finden. „Wir werden versuchen, ihn zu versetzen, damit es keinen Storch mehr erwischt und die Paare in Ruhe den Nachwuchs aufziehen können“, erklärt er.

Jetzt ist Frank Tetzlaff erst einmal glücklich, dass der Versuch mit den „Kuckuckseiern“ gelang – in zwei Wochen werden die Jungen schlüpfen. „Die Besucher können so lange das Brüten aus nächster Nähe verfolgen, weil sich die Nester nur etwa einen Meter über dem Erdboden befinden“, lockt er.

Cornelia Meerkatz

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