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Greifswald Tolles Haus hinter unscheinbarer Fassade
Vorpommern Greifswald Tolles Haus hinter unscheinbarer Fassade
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00:00 20.09.2016

Hinter der unscheinbaren Fassade des Gebäudes Nikolaikirchplatz 1 verbarg sich ein altes Haus mit hoch interessanter Ausstattung. Das hat sich bei der Sanierung gezeigt, die der Greifswalder Tobias Nagel als Eigentümer gegenwärtig vornehmen lässt.

„Als wir den Putz aus DDR-Zeiten abnahmen, da waren barocke Strukturen zu sehen“, berichtet Architekt Fred Lesche. „Als das Bad umgebaut wurde, da fiel die Deckenfüllung heraus, und die Bauleute erblickten Malereien.“ Bislang ist das unscheinbar wirkende Haus kein Einzeldenkmal. Das sollte es aber unbedingt werden, schätzt Lesche ein.

Die bauhistorischen Untersuchungen hat der Greifswalder Torsten Rütz durchgeführt. „Die Fassade ist total verwirrend“, sagt er. „Teile stammen aus dem Mittelalter, andere aus dem 16., 17. und 18.

Jahrhundert.“ Dank dendrochronologischer Datierung weiß man jetzt, dass die Bäume fürs Dach 1646 bis 1649 gefällt wurden. Das Holz stammt von der Insel Gotland und wurde über die Ostsee nach Greifswald geflößt. Torsten Rütz hält es für gut möglich, dass die Stämme aus der gleichen Lieferung stammen wie das Holz, das die Schwedenkönigin Christine für den Dom stiftete, nachdem dessen Turm 1650 bei einem schweren Sturm eingestürzt war. Damals dürfte auch das Haus Nikolaikirchplatz 1 beschädigt und dann neu gebaut worden sein.

Dieses sei das Nebengebäude, der beheizbare Kemladen, in dem sich die Wohn- und Schlafräume befanden. Das Haupthaus stand Ecke Langestraße 73, heute ist dort ein Schuhkaufhaus. „Im Obergeschoss des Kemladens haben wir eine der ältesten Lehmwickeldecken Greifswalds gefunden“, berichtet Rütz. „Das deutet auf einen beheizbaren Saal in diesem Bereich hin.“ Die von Fred Lesche erwähnte Malerei wurde an einer Balkendecke entdeckt. „Sie stammt sicher aus dem 18. Jahrhundert“, schätzt der Bauhistoriker ein. Unter anderem seien dort Akanthusblätter und ein Papagei zu sehen.Die Fassade werde sich künftig übrigens am Erscheinungsbild der Zeit um 1800 orientieren.

Dass der Nikolaikirchplatz 1 auch geschichtlich außerordentlich bedeutsam ist, das hat Mario Schmelter bei seinen Recherchen herausgefunden. Seiner Ansicht nach gehört Nikolaikirchplatz 1 zu den wichtigsten Beispielen für die in Greifswald nur noch selten vorhandenen Kemläden. Vorzugsweise wohnten in dem Haus Akademiker.

Im Gebäude starb 1670 David Mevius, der Vertreter der Juristischen Fakultät am Greifswalder Rubenowdenkmal. Dessen Kommentare zum Lübischen Recht waren Bestseller. Von 1653 bis zu seinem Tod war Mevius Vizepräsident des für die schwedischen Besitzungen im Deutschen Reich zuständigen Wismarer Tribunals. Er hielt sich wegen einer Krankheit im Haus auf, das seinem Neffen, dem Professor Friedrich Gerdes, gehörte. Im Krankenzimmer empfing Mevius Freunde, Juristen und Theologen. Am 14. August verschied er.

Wie Mario Schmelter schreibt, wurde das Eckhaus an der Langen Straße 1748 bei einem weiteren Sturm schwer beschädigt und später abgerissen. Ein Neubau folgte 1750. Augustin von Balthasar verkaufte nach dem Abbruch des Hauptgebäudes das Nebengebäude an die Witwe des Medizinprofessors Johann Abraham Meyer. Diese ließ im gleichen Jahr die Fassade zum Nikolaikirchhofdie noch vorhandene Türöffnung schaffen, weil der Kemladen zuvor nur durch das Haupthaus erreichbar war.

Eckhard Oberdörfer

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