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Tradition pur: 230 Quadratmeter Tuch aus der Segelmacherei

Greifswald Tradition pur: 230 Quadratmeter Tuch aus der Segelmacherei

Die Tuchwerkstatt auf dem Gelände der Museumswerft zieht im Mai in ein neues Domizil. Der Bau wird vom Landesförderinstitut unterstützt.

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Segelmacherin Nora Theen und Sebastian Hentschel von der Tuchwerkstatt mit dem 230 Quadratmeter großen Segel für die Poeler Kogge „Wissemara“.

Quelle: Miriam Weber

Greifswald. 230 Quadratmeter Tuch, hunderte Meter Garn, 80 Meter Tauwerk — beeindruckende Zahlen. Noch imposanter ist das Gesamtwerk, das die Mitarbeiter der Segelmacherei Tuchwerkstatt aus diesen „Zutaten“ zaubern: „Wir arbeiten an einem Rahsegel für die Poeler Kogge ‘W issemara‘“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Hentschel. Auch wenn es bereits das dritte Koggensegel ist, an dem das junge Segelmacherteam arbeitet, so ist es doch kein Alltagsjob. Bei diesen Größenordnungen ist in dem traditionellen Handwerk nahezu jeder Schritt etwas Besonderes. Die beiden anderen Segel entstanden für die „Lisa von Lübeck“ und die „Uecker-Randow-Kogge“.

„Vor sechs Wochen haben wir damit begonnen, in einer Turnhalle das Segel aufzureißen“, sagt Sebastian Hentschel. 60 Zentimeter breite Bahnen wurden schließlich aneinander gelegt und partiell geklebt. Es entstanden fünf große Teile, die in der Segelwerkstatt zusammengenäht wurden. Noch nicht genug der Handarbeit, wurden die Taue angeliekt, Schothörner abgenäht und Ringe verbaut.

„Traditioneller geht‘s nicht — vom Tuch bis zur Verarbeitung“, ist sich Hentschel sicher. Und seine Partnerin Nora Theen, die ebenfalls Segelmacherin ist, ergänzt: „Die Arbeit an diesem Segel war einmalig.“ Mit Kapitän Pochert hatten Nora Theen und Sebastian Hentschel einen Auftraggeber, der sich im Vorfeld viele Gedanken machte. „Sämtliche Zeichnungen des Segels hat der Kapitän selbst gemacht. Und genauso detailverliebt wie das ganze Schiff ist, soll auch das Segel sein“, sagt die 25-Jährige. Das geht bereits bei der Wahl des Tuchs los, englisches Clipper Canvas. „Das ist ein sehr spezielles Tuch, ohne Epoxidharz-Beschichtung, das für Gaffel- und Traditionssegel genutzt wird. „Wir sind eine der wenigen Werkstätten in Deutschland, die dieses Material verwenden“, sagt Hentschel.

Gespannt sind die beiden auf den 30. März, denn dann wird aufgeriggt. Das sei schon noch einmal ein kribbeliger Moment, wenn das Segel dann tatsächlich angeschlagen wird. Sicherlich seien Aufträge für Koggen eher nicht so häufig, aber dafür schlage das Herz. „Das ist es, was Spaß macht“, sagt der 35-Jährige. Als Quereinsteiger eröffnete der gebürtige Meißener 2006 seine Werkstatt. Mittlerweile gehören zum Team neben Nora noch die Gesellen Elena Ebel, Derik Thoms, Markus Matz, die Lehrlinge Inga Blümel und Felix Vier und vier Schneiderinnen und Zuschneider. „Wir sind froh, dass wir im Mai unsere neue Werkstatt beziehen können“, sagt Hentschel. In der Salinenstraße 24 befindet sich das neue Haus, dessen Bau durch das Landesförderinstitut unterstützt wurde. „Dort haben wir dann alles unter einem Dach“, freut sich Theen. Die Segelmacherei und die Werkstätten für das Nähen von Persenningen, Verdecken und Polstern.

Die Leidenschaft und den Spaß, den die beiden für ihren Beruf entwickeln, sind deutlich spürbar. Und so fällt es Theen auch nicht schwer, die Vorzüge aufzuzählen: „Wir haben so viele spannende Projekte, lernen die unterschiedlichsten Menschen kennen, der Beruf ist abwechslungsreich und man arbeitet sowohl drinnen als auch draußen“, sagt sie. Für sie sei es schön, handwerklich tätig zu sein und zu wissen, dass alles, was man hergestellt hat, ein Unikat ist. So wie das Segel der „Wissemara“, das die Kogge schmücken wird.

Im Mai können wir in unsere neue Werkstatt ziehen.“Eigentümer Sebastian Hentschel

Miriam Weber

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