Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Traditionsschiffen im Museumshafen droht das Aus
Vorpommern Greifswald Traditionsschiffen im Museumshafen droht das Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 06.03.2013
Vier der 17 Traditionsschiffe im Museumshafen Greifswald stehen auf der „Todesliste“. Fotos (2): Stefan Sauer
Greifswald

Grund sei die zu strenge Auslegung von Zulassungsrichtlinien durch die Seeberufsgenossenschaft, sagte Volker Pesch (46). Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und gleichzeitig auch Chef des Greifswalder Museumshafenvereins. Den Schiffen werde zunehmend die Zulassung als Traditionsschiff mit der Begründung versagt, dass sie nicht mehr dem historischen Originalzustand entsprächen. Stattdessen sollen sie — verbunden mit höheren Anforderungen — als Berufsschiffe geführt werden. „Das kann keiner der Eigner leisten“, sagte Pesch.

Von den zwölf Traditionsschiffen im Museumshafen Greifswald sind vier, darunter der Haikutter „Nordwind“ und der Schoner „Vorpommern“, betroffen.

Von heute an sind im Bundesverkehrsministerium Gespräche geplant, um eine Lösung für das Problem zu finden. „Lenkt die Berufsgenossenschaft nicht ein, dann bedeutet es für viele Schiffe den Tod“, sagte Pesch. Ein über Jahrhunderte die norddeutschen Küsten prägendes Kulturgut würde aus den Häfen verschwinden. Auch der immaterielle Schaden wäre groß, weil traditionelle Segeltechniken und altes Handwerk nicht mehr praktiziert und weitergegeben würden. Soziale Projekte wie die Arbeit mit auffälligen Jugendlichen, die sich auf den Schiffen als Team bewähren müssten, gäbe es dann ebenfalls nicht mehr.

Die alten Ewer, Tjalken, Fischkutter oder Frachtsegler gehören überwiegend Privatleuten oder werden von gemeinnützigen Vereinen betrieben. In jahrelanger Arbeit wurden die Schiffe restauriert und wieder seetüchtig gemacht. Mit einem Schiffssicherheitszeugnis der Seeberufsgenossenschaft dürfen sie Gäste an Bord nehmen und Deckungsbeiträge erheben. Im Unterschied zur Berufsschifffahrt werden diese Einnahmen ausschließlich zum Erhalt der Schiffe verwendet.

Von insgesamt 216 Anträgen auf Erneuerung der Zulassung als Traditionsschiff sind nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft seit dem Jahr 2000 rund 40 von der Seeberufsgenossenschaft abgelehnt worden. 60 Eigner hätten im Zulassungsverfahren aufgegeben, weil ihnen signalisiert worden sei, dass das Verfahren keine Aussicht auf Erfolg habe, sagte Pesch. „Viele der betroffenen Schiffe sind inzwischen verschrottet.“ Weiteren 25 Schiffen drohe aktuell das Aus, weil die Berufsgenossenschaft die Ausstellung eines Zeugnisses verweigere. Damit ist die Flotte der historischen Segler, Kutter und Frachter in den deutschen Museumshäfen mehr als halbiert.

„Wir haben den Eindruck, dass man mit immer neuen bürokratischen Hürden versucht, die Traditionsschiffe abzuschaffen“, beklagte Pesch. Die Einordnung in die Berufsschifffahrt habe zur Folge, dass die Traditionsschiffe von einem Kapitän mit Patent und einer professionellen Crew geführt werden müssten. Damit wären die Eigner finanziell überfordert und müssten aufgeben. „Traditionsschiffe sind immer der Blickfang eines Museumshafens. Was bleibt dann noch, wenn sie weg sind?“, fragt Pesch.

Der Museumshafen
47 Schiffe liegen im Greifswalder Museumshafen, davon sind 12 Traditionsschiffe.

1991 wurde der Museumshafen gegründet, Volker Pesch steht dem Verein seit 2005 vor.

Der Greifswalder Museumshafen ist der deutschlandweit größte seiner Art.

Martina Rathke

Zwei Monate vor Beginn der Urlaubssaison hat die Seebad-Gemeinde Lubmin neue Regelungen für Freiluftveranstaltungen und die Nutzung von Strand und Küstenwald durch Reitsportler beschlossen.

06.03.2013

Der Frühjahrshering ist da. Die Wiecker Fischereigenossenschaft fährt jetzt täglich mit einem Kutter auf den Bodden zum Fischen. Angelandet wird dann bis zu eine Tonne Fisch.

06.03.2013

Die Stadt hält am Bau eines Bio- und Plasmatechnikums fest, sagt Dietger Wille, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Finanzen. 26 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

06.03.2013
Anzeige