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Greifswald Trauer um Hochschullehrer Wolfgang Joecks
Vorpommern Greifswald Trauer um Hochschullehrer Wolfgang Joecks
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00:05 13.08.2016

Der Schock sitzt tief. Der Greifswalder Strafrechtsprofessor Wolfgang Joecks ist am 9. August völlig unerwartet verstorben. An der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, der Joecks seit 1992 angehörte, herrscht seither Bestürzung. Wir können es alle noch nicht glauben, von den Studenten über die Mitarbeiter bis hin zu den Professoren. Wir können nicht glauben, dass Wolfgang Joecks, wie man sagt, so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Joecks wurde nur 63 Jahre alt.

Professor Wolfgang Joecks starb am 9. August.

Joecks war – und das ist mir wichtig – neben den vielen Ämtern, die er an der Universität und in der Politik bekleidete, vor allem ein herausragender Wissenschaftler. Wobei Rechtswissenschaft ja eine sehr vielschichtige Angelegenheit ist. Sie hat einerseits immer einen ganz handfesten Praxisbezug – denken Sie nur an Joecks‘ Spezialthema, das Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Rechtswissenschaft muss andererseits aber auch streng „theoretisch“ im Sinn von systematisch sein: Es darf nicht das eine Gesetz etwas verbieten, was das andere erlaubt. Und nicht der eine Richter das Gesetz anders auslegen als der andere. Deshalb braucht man eben Rechtswissenschaftler, die den großen Überblick haben. Und den hatte Joecks ohne Frage.

Und er hat diesen Überblick auch den Studenten vermittelt. „Anfangs“, sagt Xenia Valero-Schönhöft, Vorsitzende des Fachschaftsrats Jura, „war man schon ein bisschen eingeschüchtert von seinem enormen Wissen und seinem festen Auftreten. Aber dann kam sehr schnell heraus, wie sehr es ihm am Herzen lag, dieses Wissen zu vermitteln und uns Studenten zu ermutigen, mit ebensoviel Selbstbewusstsein, wie er selbst es hatte, nicht alles zu schlucken, sondern kritisch an das Recht heranzugehen.“

Das ist eigentlich genau das, was man unter der Einheit von Forschung und Lehre im Sinn von Artikel fünf Absatz drei Grundgesetz versteht.

Wolfgang Joecks war, was die Forschung angeht, zudem ein überaus produktiver wissenschaftlicher Schriftsteller. Er war Mitautor und Herausgeber des führenden Kommentars zum Steuerstrafrecht, außerdem zweier sehr erfolgreicher Kommentare zum „allgemeinen“ Strafrecht (dem Strafgesetzbuch) und zum Verfahren vor den Strafgerichten (Strafprozessordnung). Darüber hinaus hat er eine Vielzahl an Aufsätzen und weiteren Büchern verfasst und war Chefredakteur der Zeitschrift für Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Dass er nebenbei auch noch erfolgreich als Strafverteidiger in großen Prozessen auftrat, zeigt, wie wenig „abgehoben“ er trotzdem blieb.

Alles, was er tat, hat Wolfgang Joecks mit Herzblut getan. Herzlichkeit und Autorität bei großer Offenheit für die Menschen sind denn auch das, was seine Mitarbeiter und seine Kollegen an ihm hervorheben. Im Kreis der Professorinnen und Professoren war Joecks, wenn es Auseinandersetzungen gab, freilich auch immer ein ernstzunehmender Gegner. Wenn ein Vergleich mit dem Fußball erlaubt ist, würde ich ihn einen Mittelstürmer nennen, eine ‚echte Neun‘. Aber ich habe gern gegen ihn gespielt: Er war robust, aber fair. Und vielleicht ist genau dies der Charakter, den Rechtswissenschaftler und Rechtswissenschaftlerinnen haben sollten.

Ab sofort liegt im Universitätshauptgebäude ein Kondolenzbuch aus.

OZ

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