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Greifswald Trauer um Sibirien-Überlebenden
Vorpommern Greifswald Trauer um Sibirien-Überlebenden
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00:00 12.02.2018
Die Reproduktion dieses Fotos unbekannten Datums zeigt das Internierungslager Fünfeichen. Quelle: Foto: Dpa

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Fünfeichen trauert um einen ihrer wichtigsten Zeitzeugen: Der aus Löcknitz (Kreis Vorpommern-Greifswald) stammende Arnold Delander ist bereits am 1. Februar im Alter von 91 Jahren gestorben, sagte die AG-Leiterin Rita Lüdtke am Mittwoch in Neubrandenburg. „Er war eines unserer aktivsten Mitglieder, hat sein Schicksal in Sibirien in einem Buch und mehreren Filmen beschrieben und wollte auch am 5. Mai kommen, wenn wir an die Schließung des stalinistischen Zwangslagers vor 70 Jahren erinnern.“

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Löcknitzer Zeitzeuge starb im Alter von 91 Jahren / Er war früher im stalinistischen Lager Fünfeichen

Delander war 1945 als junger Mann, wie Tausende Frauen und Männer, im „Sonderlager Nr. 9“ des Sowjet-Geheimdienstes NKWD in Fünfeichen bei Neubrandenburg eingesperrt worden. Der NKWD hatte ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager dafür übernommen. Delander war unschuldig, wie sich später erwies. Er überlebte Hunger, Krankheit und selbst die fünfjährige Deportation in Stalins Zwangslager nach Sibirien bis 1950. „Das Schlimmste danach war, dass wir gar nicht darüber reden durften“, hatte der Löcknitzer zu Lebzeiten mit Blick auf die DDR-Zeit immer wieder betont.

Fünfeichen war von 1939 bis 1945 Kriegsgefangenenlager für 120 000 Soldaten aus elf Nationen. Dabei kamen rund 5600 Gefangene ums Leben, darunter rund 5200 Rotarmisten, an die ein Gräberfeld erinnert. Von 1945 bis 1948 war Fünfeichen eines der größten NKWD-Lager in Ostdeutschland. Etwa 15 000 Menschen wurden eingesperrt. Von ihnen starben etwa 4900 Häftlinge in Fünfeichen, Hunderte wurden deportiert. Solche Lager gab es auch in Sachsenhausen und Buchenwald. Die Stadt Neubrandenburg und die AG errichteten nach 1990 eine gemeinsame Mahn- und Gedenkstätte in Fünfeichen.

„Als das Lager im April 1948 geschlossen wurde, kamen rund 5000 Häftlinge frei“, sagte Lüdtke. Das sei eine große Erleichterung für viele Familien gewesen, die jahrelang in Ungewissheit gelebt hatten. „Es wird aber inzwischen für uns immer schwieriger, noch Zeitzeugen zu finden, die über ihre Erlebnisse sprechen“, bedauerte die AG-Leiterin. Anfangs gab es mehr als 200 Überlebende, die bei der Gründung 1991 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren. Jetzt habe die auch politisch anerkannte Interessenvertretung rund 700 Mitglieder, aber es gebe nur noch etwa 80 bekannte Überlebende.

„Der Jüngste ist 86 Jahre alt, der Älteste 99 Jahre.“ Mit Hans-Richard Auer aus Laage (Landkreis Rostock) sei ein weiterer aktiver Überlebender von damals Ende 2017 gestorben. Deshalb hoffe die AG auf besonders rege Teilnahme bei der Gedenkveranstaltung am 5. Mai. „Wir treffen uns an der Hochschule Neubrandenburg, um das Jahr auszuwerten und unsere Planungen zu besprechen“, erläuterte Lüdtke.

Dann sei ein Gedenken in Fünfeichen und ein Benefizkonzert mit dem Heeresmusikkorps in der Konzertkirche geplant. Auch das Land unterstützt die Vereinigung der Überlebenden des stalinistischen Zwangslagers und ihrer Angehörigen.

Das Buch von Delander heißt „Verlorene Jahre 1945-1950“ und ist vergriffen. Darin beschrieb der gelernte Kaufmann seinen 1945 begonnenen Irrweg durch Internierungslager bis zur Deportation nach Sibirien. Nach fünfjähriger Haft in mehreren Arbeitslagern wurde er nach Hause entlassen. Für das Buch hatte er rund ein Jahr lang täglich Erlebnisse aus der Erinnerung aufgeschrieben.

Winfried Wagner

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