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Greifswald Trendsport Bouldern erobert Vorpommern
Vorpommern Greifswald Trendsport Bouldern erobert Vorpommern
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10:00 28.11.2018
Abhängen in vier Metern Höhe: Hannes Harm (33) ist einer der Mitbegründer der Boulderbude in Stralsund. Zehn Jahre lang klettert er schon. Quelle: Pauline Rabe
Stralsund/Greifswald

Nervös blickt Tom Lüskow die vier Meter hohe Boulderwand hoch. Noch nie war er klettern. Und jetzt soll er das ohne Seil und Klettergurt tun? Während Lüskow noch zögert, hält Hannes Harm nach anderen Anfängern in der Boulderbude Stralsund Ausschau. Gibt es Schwierigkeiten, ist er sofort zur Stelle. „Setz den Fuß am besten dorthin und greif dann nach oben“, erklärt der 33-Jährige und hängt sich dabei selbst an die Wand. Ungefähr drei Jahre ist es her, seit er mit weiteren Kletterern der Landeskirchlichen Gemeinschaft den Trendsport Bouldern nach Stralsund geholt hat. Nur der Verein „Greifsbloc“ in Greifswald war noch schneller, er war der erste in Vorpommern.

„Mir gefällt an dem Sport, dass sowohl Körper als auch Geist gefordert werden“, sagt Harm. Mit dem Klettern habe er bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen – erst an Wänden, heute am liebsten am Felsen. Doch, um diese sicher erklimmen zu können, fehlte ihm und einigen anderen Stralsundern lange der passende Übungsort. Dann entdeckte er den Dachboden des Gemeinschaftshauses am Katharinenberg 32. Wegen einer fehlenden Isolierung stand er seit Jahren leer und eignete sich nach seinem Dafürhalten perfekt für den Ausbau. Um den Raum mit Grobspanplatten auszustatten, investierten die Kletterer selbst und sammelten Spenden. Nach und nach kauften sie die bunten Griffe und bildeten mit ihnen mehrere Routen Wie anspruchsvoll eine ist, zeigen kleine Zettel.

Zusammenhalt in der Szene

„Wir schrauben etwa einmal im Jahr an den Routen herum“, erklärt Harm. Das bringe dann ein wenig Abwechslung für die regelmäßig kommenden Boulderer. Beim letzten Routenwechsel habe es Hilfe aus Greifswald gegeben. „Die Szene ist klein“, sagt Harm. „Man unterstützt sich, wo man kann.“

Die Boulderer in Greifswald verfügen derzeit über eine 180 Quadratmeter große Wand. „Unser Verein entstand eigentlich aus der Not heraus, da ein Trainingsbereich zum Klettern fehlte“, sagt Luise-Henriette Stegen, die seit einem Jahr zum Vorstand von „Greifsbloc“ gehört. Gerade, als sie dazu stoß, wurde die Halle in der Grimmer Straße 11 umgebaut – hauptsächlich, um den stetig steigenden Besucherzahlen gerecht zu werden. Im April dieses Jahres gehörten 65 Mitglieder zu dem Boulderverein, inzwischen sind es immerhin 80.

Auf dem Weg nach oben: In der „Greifsbloc“-Halle in Greifswald stehen den Kletterern seit vergangenem Jahr 180 Quadratmeter Wandfläche zur Verfügung. Quelle: Peter Binder

Auch in Stralsund ist die wachsende Beliebtheit des Sports zu spüren. Immer donnerstags und dienstags wird der Boulderraum ab 20 Uhr geöffnet. An manchen Abenden kommen mittlerweile bis zu 30 Kletterer. „Für Neulinge gibt es immer zuerst eine Belehrung“, sagt Christoph Maiwald, der durch Hannes Harm seine Leidenschaft für das Bouldern entdeckte. Beim Klettern selbst gäbe es häufig Ratschläge von anderen Sportlern. „Ob man die möchte, oder nicht“, ergänzt Harm lachend.

Bouldern mit Kindern

Am letzten Sonntag im Monat ist nachmittags Kinderklettern in der Stralsunder Boulderbude angesagt. Es gibt einen extra Termin, da es sonst zu voll werden würde mit den Eltern zusammen. In Greifswald klettert der Nachwuchs immer dienstags von 17 Uhr an. Im Gegensatz zum Stralsunder Raum ist die „Greifsbloc“-Halle täglich geöffnet. Beide aber haben keinen richtigen Eintrittspreis: In Stralsund wird umsonst oder gegen eine Spende geklettert. In Greifswald tritt man dem Verein bei. Das gehe entweder einen, sechs oder zwölf Monate und koste bis zu 17 Euro monatlich. „Das ist moderat im Gegensatz zu Hallen, die bis zu zehn Euro pro Eintritt nehmen“, sagt Stegen.

Doch wo wäre überhaupt die nächste Bouldermöglichkeit? In Rostock haben im vergangenen Jahr gleich zwei kommerziell betriebene Hallen eröffnet: die „Felshelden“ in Warnemünde und „45Grad“ im Herzen der Hansestadt. „Um neue Routen zu entdecken, fahren wir gerne gemeinsam dorthin“, erzählt die Greifswalderin. Natürlich sei das aber immer mit Aufwand verbunden. Noch mehr Angebote in Vorpommern wären daher wünschenswert.

„Das Tolle am Bouldern ist aber, dass man dafür nur wenig braucht“, erklärt Stegen weiter. Daher verlagern die Greifswalder ihr Training auch gerne mal unter dem Motto „Stadtbouldern“ nach draußen. Wer also Menschen über den Ryck am Greifswalder Hafen herumklettern sieht, sollte sich nicht wundern. „Das machen wir regelmäßig“, sagt die 28-Jährige. Generell sei beim Bouldern der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Das macht den Sport für mich so reizvoll.“ Stegen klettere zwar erst seit knapp einem Jahr, sei aber schon jetzt voll überzeugt. Innerhalb kürzester Zeit würden nicht nur Kraft, sondern auch Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit trainiert werden. Hinzu komme, dass Bouldern ein sehr kommunikativer Sport ist.

Sport und Glaube

Davon ist auch Hannes Harm in Stralsund überzeugt. „Für uns ist es natürlich auch eine Möglichkeit, jungen Menschen die Kirche näher zu bringen“, erklärt der 33-Jährige. Schließlich sei die Boulderbude als Projekt der Landeskirchlichen Gemeinschaft entstanden. Während des Kletterns merkt man das erst auf den zweiten Blick. Neben einem Trainingsboard steht eher zurückhaltend in leicht geschwungenen Buchstaben: „Alles kann ich durch Christus, der mit Kraft und Stärke gibt.“ Dabei handelt es sich um einen Vers aus den Philipperbriefen. Harm glaubt daran, dass Gott ihm beim Klettern Kraft gibt – beim Überwinden der Höhenangst und beim sicheren Fall auf die Matte.

Ohne Seil und Klettergurt

Beim Bouldern wird nur so hoch geklettert, wie problemlos abgesprungen werden kann. Im Gegensatz zum klassischen Klettern werden dadurch zwar keine großen Höhen überwunden, dafür sind die technischen Herausforderungen umso größer.

Boulderwände sind meist nur wenige Meter hoch. Um eventuelle Stürze aufzufangen, sind die Hallen aber mit dicken Matten ausgelegt. Ungefährlich ist der Sport dadurch nicht. Bevor es in die Höhe geht, sollten richtige Absprungtechniken trainiert werden.

Pauline Rabe

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