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Greifswald Frühzeitige Vorsorge sichert Alterspflege im eigenen Zuhause
Vorpommern Greifswald Frühzeitige Vorsorge sichert Alterspflege im eigenen Zuhause
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16:16 13.04.2018
Lisbeth und Fred Bröderdorf (86 und 88) mit Betreuerin Doreen Ruffau Quelle: Christian Rödel
Loitz

Ein kurzer Druck auf der weißen Fernbedienung genügt. Der kleine Sessellift gleitet lautlos auf einer seitlich angebrachten Schiene nach oben. Nach neun steilen Stufen ist der Treppenabsatz erreicht. Fred Bröderdorf stützt sich auf einer der Armlehnen ab und verlässt den kleinen Sitz. Dann steigt er auf den zweiten Mini-Lift um, der nach weiteren acht Stufen direkt vor seiner Wohnungstür hält.

„Ohne die Lifte wären wir im Winter gar nicht über die Runden gekommen“, erklärt der 87-Jährige. Er und seine Frau Lisbeth (86), der das Gehen ebenfalls große Mühe bereitet, nutzen den Mini-Aufzug mehrmals am Tag. „Seit 61 Jahren sind wir verheiratet und wohnen hier in der Glashütte in Loitz“, erklärt der Senior. Dabei blickt er zufrieden aus einem der Fenster seiner guten Stube auf die nur wenige Meter entfernt fließende Peene.

Dass sie mit ihrem Mann in der vertrauten Umgebung trotz der spürbar nachlassenden körperlichen Kräfte bleiben kann, empfindet Lisbeth Bröderdorf als „großes Glück“. Lächelnd schaut sie auf Pflegeberaterin Doreen Rauffus (48). Diese ist gerade aus dem etwa 23 Kilometer entfernten Greifswald zu einem Beratungsgespräch bei den freundlichen Bröderdorfs eingetroffen. „Wenn es unsere Klienten wünschen, unternehmen wir natürlich auch Hausbesuche“, betont die Pflegefachfrau.

„Die Mitarbeiter des Greifswalder Pflegestützpunktes sind für uns eine große Hilfe. Frau Rauffus kann man immer anrufen. Auf sie ist wirklich Verlass“, schwärmt die Hausherrin. So habe sie das Ehepaar nicht nur beim Einbau des Treppenliftes, für den die Bröderdorfs eine monatliche Miete in Höhe von rund 200 Euro zahlen, tatkräftig unterstützt. „Auch bei der Beantragung der Pflegegrade hat sie uns ausführlich beraten. Anfänglich haben wir uns bei den Pflegegraden innerlich etwas gesträubt. So gebrechlich kamen wir uns noch nicht vor“, sagt Lisbeth Bröderdorf. Und erzählt stolz, dass sie gegenwärtig noch nicht auf eine ständige Pflegekraft angewiesen sind.

„Demnächst erfolgt die Absenkung der Türschwellen. Und ein Umbau der Dusche, sie soll ebenerdig gestaltet werden, ist geplant. Auch dafür können wir den Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Höhe von bis zu 4000 Euro nutzen“, so Doreen Rauffus.

Die jeweils 125 Euro monatlich für sogenannte Entlastungsleistungen, die beiden Pflegebedürftigen zustehen, werden unter anderem für Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen verwendet. Zudem kann damit die regelmäßige Hilfe bei der Flurreinigung bezahlt werden.

Die Finanzierung der seit sieben Jahren existierenden Pflegestützpunkte in Mecklenburg-Vorpommern erfolgt durch die Kommunen und Krankenkassen. Und der Beratungsbedarf bei den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen wächst ständig. Allein die drei Mitarbeiterinnen in Greifswald – zwei Pflege- und eine Sozialberaterin – betreuen jeden Monat mehr als 150 Menschen.

„90 Prozent der Pflegebedürftigen haben den dringenden Wunsch, in der eigenen Häuslichkeit bleiben zu dürfen. Und gerade im ländlichen Bereich herrscht Aufklärungs- und Unterstützungsbedarf“, verdeutlicht Doreen Rauffus.

Trends, die Markus Juhls, Pressesprecher der AOK Nordost, bestätigt. „70 Prozent der Pflegebedürftigen im Nordosten werden zu Hause versorgt“, sagt der 52-Jährige. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sind bereits mehr als 80000 Menschen auf Pflege angewiesen. Die AOK Nordost betreut davon rund 50000 Frauen und Männer.

„Deshalb braucht es eine Menge an qualifizierter Unterstützung. Wir haben seit 2017 intensiv Kunden- zu Pflegeberaterinnen ausgebildet. Bis Ende diesen Jahres werden wir im Bereich Nordost 400 Fachkräfte zur Verfügung haben“, erklärt Juhls.

Gleichzeitig böten die 15 Pflegestützpunkte in MV umfangreiche Beratung aus einer Hand. „Hier finden Betroffene und Angehörige gleichermaßen Hilfe“, betont der AOK-Sprecher.

Die Greifswalder Pflegeberaterin Doreen Rauffus empfiehlt, sich über das Thema Pflege im Kreise der Familie frühzeitig auszutauschen. Vor allem das Ausfüllen einer Vorsorgevollmacht erweise sich als nötig. Betroffene regeln darin jenen Fall, in dem sie selber nicht mehr in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Dies kann infolge von Alter, Gebrechlichkeit und plötzlichen Notsituationen eintreten. „Wir haben das schon erledigt. Die Vollmacht hat uns gerade bei einem Krankenhausaufenthalt meines Mannes gute Dienste geleistet“, sagt Lisbeth Bröderdorf.

Drei OZ-Leserforen „Achtung, vorsorgen!“
Wenn Sie noch mehr wissen möchten zu den Themen Testament, gesetzliche Erbfolge, Erbvertrag, Erbausschlagung, Erbschein, Pflichtteil, Not-Testament, Pflegegrade, Verhinderungspflege sowie Leistungen der Pflege- und Krankenkassen – dann sind Sie bei den Leserforen richtig.
Die Veranstaltungen werden gestaltet von der OSTSEE-ZEITUNG, der Notarkammer MV, der Verbraucherzentrale des Landes und den Pflegestützpunkten des Landes – vornehmlich der AOK Nordost.
Der Eintritt ist stets kostenfrei!
In Rostock, Grevesmühlen und Greifswald werden Notare,
Patientenberater und Pflege-Experten Vorträge zu den genannten Schwerpunkten halten. Dazwischen und danach gibt es die Möglichkeit, die Fachleute persönlich zu befragen. Hier die drei Orte der großen OZ-Leser-Foren:
Montag, 23. April, Rostock:
Großer Saal der OSTSEE-ZEITUNG, Richard-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock
Beginn: 18.00 Uhr
Mittwoch, 25. April, Grevesmühlen:
Börzower Weg 3, Kreistagssaal der Malzfabrik, 23936 Grevesmühlen
Beginn: 18.00 Uhr
Donnerstag, 26. April, Greifswald:
Universität Greifswald, Ernst-Lohmeyer-Platz 6, Hörsaal 2, 17489 Greifswald
Beginn: 18.00 Uhr
Interessenten können sich mit folgendem Formular bis einschließlich 19. April für eine Veranstaltung anmelden. Ihre Eintrittskarte erhalten Sie per Post.

 Volker Penne