Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Trotz höherer Kosten keine höhere Miete

Bürgerschaft hält am Projekt Hansehof fest: WVG baut 96 Wohnungen am Hansering Trotz höherer Kosten keine höhere Miete

10 Euro kalt je Quadratmeter bleiben / WVG muss Finanzloch aus Gewinnen anderer Wohnprojekte stopfen

Greifswald. Die Wohnungbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) wird das Wohnprojekt am Hansering zwischen Brüggstraße und Kuhstraße nun doch umsetzen. Das hat die Bürgerschaft während ihrer Sitzung am Donnerstagabend beschlossen.

 

OZ-Bild

Auf 7260 Quadratmetern entsteht Wohnfläche. 12 Euro je Quadratmeter müsste die WVG verlangen, damit das Projekt wirtschaftlich ist. Stattdessen plant sie mit 10 Euro. Jährlich fehlen damit 174000 Euro. Diese Summe muss die WVG aus ihren Gewinnen ausgleichen.

Quelle: Walter Graupner

Zuvor hatte es massive Kritik und die Forderung nach einem Baustopp für den Hansehof gegeben, weil die Kosten deutlich gestiegen sind (die OZ berichtete). Auf immerhin 3,7 Millionen Euro beziffert WVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit die Mehrausgaben. 25,2 Millionen Euro soll der Bau nun kosten. Folge: Die WVG müsste beim Erstbezug eine Kaltmiete von zwölf Euro pro Quadratmeter erheben und diese innerhalb von 20 Jahren auf 17,48 Euro steigen lassen, damit das Projekt kostendeckend finanziert ist. Weil dieser Mietpreis in Greifswald nach übereinstimmender Einschätzung von Stadtverwaltung und WVG-Geschäftsführer nicht erzielt werden könnte, hat die Mehrheit der Bürgerschaft außerdem dem Vorhaben zugestimmt, die Wohnungen trotz Kostenexplosion für zehn Euro je Quadratmeter zu vermieten. Heißt: Die WVG will die Wohnungen am Hansering mit je zwei Euro pro Quadratmeter subventionieren. Jeder Euro, der hier verwendet wird, um die Mieten zu drücken, schmälert die Einnahmen der WVG und damit die Gewinnausschüttung an die Stadt.

Erstaunlich: Für diesen Weg warb ausgerechnet die Linksfraktion der Bürgerschaft. „Die Probleme bei der Finanzierung waren nicht vorhersehbar“, sagte Marion Heinrich (Linke). Es wäre zwar eine Option gewesen, den Bau zu stoppen und das Grundstück zu verkaufen. Heinrich zweifelt jedoch, dass das gelungen wäre: „Wenn wir keinen Käufer finden zu einem akzeptablen Preis, bleiben die baulichen Missstände noch jahrelang.“ Im schlimmsten Fall wäre das bereits investierte Geld verloren. Ähnlich sah es Jörn Kasbohm, Chef der Linksfraktion: „20 Jahre lang hat sich kein Investor für das Grundstück gefunden. Mehrere Interessenten sind abgesprungen.“ Er befürwortete die Fortsetzung des Baus, obwohl sich das Risiko für Stadt und WVG nicht restlos abschätzen lasse.

Skandalös findet diese Entscheidung hingegen Erik von Malottki. „Damit subventionieren wir die höchsten Mieten in Greifswald, statt bezahlbaren Wohnraum für jene zu schaffen, die nicht so viel Geld haben“, sagte der SPD-Politiker. Das Geld werde an anderer Stelle dringend gebraucht, beispielsweise um günstige Wohnungen im neuen Wohngebiet an der Hafenstraße zu schaffen. Neben der SPD-Fraktion sprach sich auch die Fraktion der Grünen gegen den Weiterbau aus. „Die Bürgerschaft muss die Reißleine ziehen, wenn etwas nicht läuft wie avisiert“, sagte Fraktionschef Alexander Krüger (Grüne). Und weiter: „Wir wollen nicht, dass die Mieter aus Schönwalde die Mieten am Hansehof mitfinanzieren.“ Für den Weiterbau stimmten neben der Linksfraktion auch CDU, Bürgerliste und AfD.

Finanzhilfe für Besserverdiener

Wir sind uns wohl einig, dass jemand zu den Besserverdienenden zählt, der sich eine Kaltmiete von zehn Euro je Quadratmeter leisten kann. Für Ärzte ist das kein Problem, auch nicht für Professoren, Richter oder Gymnasiallehrer. Doch warum gerade dieses Klientel vom städtischen Unternehmen WVG einen Mietzuschuss in Höhe von zwei Euro je Quadratmeter bekommen soll, ist unbegreiflich. Viele Greifswalder sind auf der Suche nach einer günstigen Wohnung. Immer wieder werden die hohen Mieten und der geringe Leerstand in der Hansestadt kritisiert. Trotzdem gibt es nur wenige Wohnungen, die von der städtischen WVG querfinanziert werden. Gemacht wird das beispielsweise in der Lomonossowallee 20 und 30. Dort investiert die WVG einen Teil ihrer Gewinne, um die Mieten niedrig zu halten. Das gleiche Prinzip soll nun erstmals bei hochpreisigen Wohnungen angewandt werden. Ein Hohn für all jene, die nicht das dicke Geld verdienen.

Jahrzehntelanger Wunsch nach Bebauung

Das Areal am Hansering zwischen Roßmühlenstraße und Kuhstraße (A-Quartier) war zu DDR-Zeiten bebaut. Die Häuser wurden in den 1980er Jahren abgerissen. Anschließend wurde die Fläche als Parkplatz genutzt. Die Stadtplanung sieht seit den 1990er Jahren eine Neubebauung vor.

Die hohen erwarteten Kosten für die Gründung und archäologischen Untersuchungen, wenn Keller oder Tiefbaugaragen entstehen sollen, erschwerten die Planungen. Schon 2004 meinte der frühere Stadtplanungsamtsleiter Volker Bouche, dass es wegen verschlechterter Abschreibungsbedingungen sehr schwer sei, Investoren für Geschossbauten zu finden.

2006 gab es einen Wettbewerb für eine Bebauung. Im Gespräch waren ein Hotel, zudem altersgerechte Wohnungen und Handel. Die TLG Mecklenburg-Vorpommern interessierte sich für das Areal.

2009-2011: Das Stuttgarter Unternehmen Success-Hotels wollte ein Best-Western-Hotel mit 112 Betten bauen. Geplant war ein Gebäudekomplex mit betreutem Wohnen oder Pflegeheim. Die 18-Millionen-Euro-Investition scheiterte, weil die Stadt den Wunsch des Unternehmers ablehnte, dort auch Wohnungen zu bauen. Parallel spielte das Petruswerk mit dem Gedanken, dort einen Frischemarkt zu bauen.

2013: Die WVG kauft das Areal.

Wohnungen mit Garten

Der Bau der zehn Häuser des Projekts Hansehof soll im Frühjahr 2017 beginnen. Die ersten Mieter sollen in der zweiten Jahreshälfte 2019 einziehen können.

Geplant sind 96 Wohnungen mit zwei, drei, vier und fünf Zimmern. Die Größe liegt zwischen 30 und 100 Quadratmetern, teils Maisonettewohnungen. Die Apartments im Erdgeschoss sind mit Gärten versehen.

Die durchschnittliche Nettokaltmiete soll bei zehn Euro je Quadratmeter liegen. Die 105 Stellplätze in der Tiefgarage werden für 60 Euro im Monat vermietet. Die WVG plant keinen Verkauf, sondern reine Vermietung.

Katharina Degrassi

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ohne Kleckse und Streifen
Man kann den gewünschten Farbton für die Wand auch selbst anmischen. Es wird aber später schwierig, den gleichen Farbton wieder zu treffen.

Fast jeder muss mal eine Wand streichen - und man denkt, das Pinselschwingen ist so einfach. Aber ohne das passende Werkzeug und den richtigen Umgang mit der Farbe gibt es kein gutes Ergebnis. Ein Überblick, wie der Anstrich von Wand und Decke gut gelingt.

mehr
Mehr aus Greifswald
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
E-Mail: lokalredaktion.greifswald@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.