Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Turbo-Internet kommt nur schleppend

Greifswald/Gützkow/Heringsdorf Turbo-Internet kommt nur schleppend

Frühestens im Juli nächsten Jahres beginnt in Teilen Vorpommern-Greifswalds der Ausbau des Glasfasernetzes, zum Beispiel in den Ämtern Lubmin und Züssow. Im Kreis Vorpommern-Rügen geht es schneller. Dort werden die ersten Breitbandleitungen auf der Insel Rügen schon seit Monaten ausgebaut.

Voriger Artikel
Nord Stream 2 glaubt weiter an pünktlichen Pipeline-Bau
Nächster Artikel
Aus Klassenzimmern wurden Wohnungen

Vorbereitung für das schnelle Netz der Zukunft: Ein Leerrohr für Glasfaserkabel.

Quelle: Susanne Peyronnet

Greifswald/Gützkow/Heringsdorf. Schnelles Internet mit Downloadgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde? Davon kann Ronny Zitzow im Gützkower Ortsteil Fritzow bisher nur träumen. „In den kleineren Ortsteilen rund um Gützkow ist die Verbindung eine Katastrophe“, sagt der Gemeindevertreter. „Wir haben nicht mal fünf Megabit, manch einer kann nur mit viel Geduld überhaupt eine E-Mail empfangen. Das ist Mittelalter. Die Leute auf den Dörfern fragen sich, wann es endlich vorangeht!“

OZ-Bild

Frühestens im Juli nächsten Jahres beginnt in Teilen Vorpommern-Greifswalds der Ausbau des Glasfasernetzes, zum Beispiel in den Ämtern Lubmin und Züssow. Im Kreis Vorpommern-Rügen geht es schneller. Dort werden die ersten Breitbandleitungen auf der Insel Rügen schon seit Monaten ausgebaut.

Zur Bildergalerie

2015 hatte der Landkreis Vorpommern-Greifswald jubelnd verkündet: Mit Millionen Euro Fördermitteln des Bundes würden Glasfaserkabel verlegt, bekämen endlich auch die abgehängten ländlichen Regionen Geschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde oder sogar Gigabit (die OZ berichtete) – Übertragungsleistungen, wie man sie braucht, um größere Datenmengen herunterzuladen oder online zu speichern.

Ohne Fördermittel ist es für Telekommunikationsfirmen wenig attraktiv, in dünn besiedelten Gebieten zu baggern und die neuen Glasfaserkabel unter der Erde bis ans Haus zu legen.

Dank der Fördermittel sollte das Netz dieses Jahr gelegt sein, „alle haben sich gefreut“, erinnert sich Zitzow. Doch nun habe der Bau noch nicht mal begonnen. „Und am Ende fallen kleine Ortsteile vielleicht wieder hinten runter“, befürchtet er. Was weitere Unternehmen davon abhalten werde, sich auf dem Land anzusiedeln.

Kreis: Auch der letzte Förster soll schnelles Netz bekommen

Der Landkreis beteuert: „Es ist unser Ziel, dass auch der letzte Förster angebunden wird.“ Die Förderung des Bundes sei für jedes Haus gedacht, das unter 30 Megabit pro Sekunde habe, erklärt Dieter Reichstein, beim Kreis zuständig für die Breitband-Planung: Rund 48800 von insgesamt 97900 Haushalten sind das im Kreis.

Leider sei die Umsetzung des Breitbandausbaus aber viel komplizierter als gehofft, sagt Reichstein. Der Bund und das Land stellen allein im Kreis 191 Millionen Euro bereit.

Telekommunikationsunternehmen können sich bewerben und mit diesem Geld die Breitbandleitungen ausbauen. Problem: „Wir als Kreis mussten 25,4 Millionen Euro Eigenmittel aufbringen“, sagt Reichstein.

Als eher finanzschwache Region habe man dafür länger gebraucht als andere. Und: „Die Bedingungen, unter denen wir die Steuergelder vergeben dürfen, sind extrem kompliziert.“ Darum verlaufe alles so schleppend. „Wären wir in der Privatwirtschaft, wären wir längst am Bauen...“

In Vorpommern-Rügen geht es schneller

Stattdessen verhandelt der Kreis noch für die ersten drei von 15 Projektgebieten mit Telekommunikationsunternehmen. Mehrere Gemeinden im Amt Lubmin, das Amt Peenestrom, Teile der Ämter Züssow und Anklam Land sollen als erste ausgebaut werden (siehe Karte). Also jene Gebiete, die bisher die langsamsten Verbindungen hatten. Im besten Fall könnten die Bauarbeiten dort im Juli beginnen.

Auf der Insel Rügen allerdings werden die ersten Breitbandleitungen schon seit Monaten ausgebaut, etwa in Altefähr, auf Ummanz und Jasmund. Dort hat der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (Zwar) die Aufgabe übernommen, die Region mit schnellen Internetleitungen zu versorgen, 34 Millionen Euro Fördermittel fließen dafür, die Telekommunikationsfirmen sollen das Netz nachher betreiben.

Warum war man auf der Insel schneller? „Das ist nicht vergleichbar“, sagt Achim Froitzheim, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald auf Nachfrage. „Der Zwar hatte schon vor dem Förderprogramm mit der Errichtung der Infrastruktur begonnen.“ Im restlichen Landkreis Vorpommern-Rügen sei der Ausbau auch nicht so weit: „Da beginnt er frühestens nächstes Jahr im März.“ Die Zeit drängt für Vorpommern-Greifswald. Bis Ende 2019 muss der Ausbau deutschlandweit abgeschlossen sein, müssen hier alle 15 Projektgebiete versorgt sein. „Das ist schon sportlich“, gibt Reichstein zu. Schließlich müssten die Telekommunikationsunternehmen auch noch Tiefbaufirmen finden, die ihre Aufträge annehmen. „Weil derzeit bundesweit das Breitbandnetz ausgebaut wird, könnte das eng werden.“

SPD fordert mehr Informationen vom Kreis

Die SPD-Fraktion im Kreistag fürchtet schon, der Landkreis solle mit veralteter Kupferkabel-Technik abgespeist werden – und fordert die Landrätin auf, in der Parlamentssitzung am 4. Dezember über den Stand der Dinge zu berichten. „Das Beste ist für Vorpommern-Greifswald gerade gut genug“, sagt Günther Jikeli, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. „Wenn erforderlich, ist ein Machtwort des Kreistages fällig.“

Glaubt man Dieter Reichstein, wird das allerdings nicht nötig sein: Der Kreis strebt an, dass überall Glasfaserkabel verlegt werden, „direkt bis zu den Häusern“, betont Reichstein. Entsprechend habe man die Ausschreibungen formuliert. Private Kunden sollen das Internet dann mit 50 Megabit pro Sekunde oder mehr nutzen können, Unternehmen mit 100 Megabit oder mehr. „Und es muss möglich sein, jederzeit auf eine Gigabit-Verbindung umzusteigen, auch das steht in unserer Ausschreibung“, betont Reichsteins Kollegin Petra Niederberger. Damit wolle man den Kreis zukunftsfähig machen. Vor allem für Unternehmen sei das überfällig, meint Reichstein. „Architekturbüros zum Beispiel können mit Kupferkabel gar nicht arbeiten.“

Ein Problem sehen die Experten darin, dass manche Kommunen in den vergangenen Jahren schon auf eigene Faust nachgebessert haben: „Da ist die Telekom in die Dörfer gegangen und hat gesagt: Wir bauen Euch auf den Kupferkabeln basierend das Netz aus.“ Eine leichte Beschleunigung habe das gebracht. „Aber wenn sie damit auch nur wenig mehr als 30 Megabit pro Sekunde haben, dürfen wir sie nicht ins Bundesförderprogramm aufnehmen.“ Bedeutet: In diesen Orten wird die Geschwindigkeit auf dem jetzigen Stand bleiben.

Das nächste Föderprogramm des Bundes ist laut Petra Niederberger aber schon in Arbeit. Die Regierung habe das Ziel, bis 2025 ganz Deutschland ins Gigabit-Zeitalter zu überführen. Dahin, wo viele andere Länder Europas längst sind.

Breitband beim Kreistag

Auf Forderung der SPD-Kreistagsfraktion soll Landrätin Barbara Syrbe (Linke) während der Kreistagssitzung am Montag in Pasewalk über den Stand der Vorbereitungen für die Breitbandinvestitionen im Landkreis sprechen.

Weitere Tagesordnungspunkte sind unter anderen die Festlegung des Termins für die Landratswahl im kommenden Jahr, die Neustrukturierung der Beratungslandschaft im Kreis und ein Programm zum Alleenschutz. Wichtigstes Thema wird der Doppelhaushalt 2018 und 2019.

Die Sitzung im Kreistagssaal (An der Kürassierkaserne 9, Haus 3) beginnt um 16 Uhr.

Wo wird ausgebaut?

Beginnen will der Kreis hier: Bandelin, Gribow, Groß Polzin, Gützkow, Krien, Krusenfelde, Medow, Neetzow-Liepen, Stolpe an der Peene, Ziethen, Brünzow, Katzow, Kröslin, Lubmin, Rubenow, Wusterhusen, Buggenhagen, Karlsburg, Klein Bünzow, Lassan, Neu Boltenhagen, Rubkow, Schmatzin, Wrangelsburg, Züssow Weil in Greifswald , Wolgast, Anklam, Heringsdorf schon über 85 Prozent der Nutzer 30 Megabit oder mehr haben, wird dort nicht ausgebaut.

Wer wissen möchte , was für den eigenen Haushalt gilt:

dieter.reichstein@kreis-vg.de

KOMMENTAR

Es muss endlich losgehen

Mit der Technologie von gestern, die Zukunft von morgen gestalten – ein bisschen so wirkt der aktuelle Versuch, den Landkreis beim Hochleistungsinternet voranzubringen. Denn man muss wissen, dass andere Länder bereits mit Gigabit-Leitungen surfen, während uns die Bundesregierung ihr 50-Megabit-Programm als großen Fortschritt verkauft. Da können auch jene Greifswalder, die längst 100 Megabit haben, nur müde lächeln.

Seit etlichen Jahren weisen Unternehmen aus der Region darauf hin, dass schnelles Internet essentiell für die Ansiedlung von Firmen in der Region ist. Überlebenswichtig ist das nicht nur für Betriebe, sondern auch für Privatpersonen, die im Homeoffice arbeiten wollen. Wissenschaftler preisen Heimarbeit als große Chance für den ländlichen Raum. Doch die Realität sagt, dass auf vielen Dörfern nicht mal eine Email problemlos verschickt werden kann. Es muss also endlich losgehen.

Sybille Marx

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.