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U-Boot-Abwehrschiff nachgebaut: Vier Jahre Bastelei

Papendorf/Peenemünde U-Boot-Abwehrschiff nachgebaut: Vier Jahre Bastelei

Ende September läuft das Modell in Peenemünde vom Stapel, maßstabsgerecht

Papendorf/Peenemünde. Am 30. September um 20 Uhr schlägt für Olaf-Günter Seehawer die große Stunde: Dann nämlich soll beim Bordtreffen der ehemaligen Besatzungsmitglieder der U-Jagdkorvette „Parchim“ in der Peenemünder „Zwiebel“ der von ihm angefertigte Nachbau des U-Boot-Abwehrschiffs nach vier Jahren Bauzeit endlich vom Stapel laufen. Ungezählte Stunden hat der 54-jährige Bastler für diesen Moment investiert. Allein die Endausrüstung seines 2,28 Meter langen und gut 50 Kilogramm schweren Modells, das im Maßstab 1:33 entstand, nahm zwei Jahre in Anspruch.

Die Leidenschaft für das ungewöhnliche Bauprojekt schöpft Seehawer, der seit 1985 in Papendorf bei Lassan wohnt, aus seiner Zeit bei der DDR-Volksmarine. Bis 1985 diente der gebürtige Hallenser im Dienstgrad eines Obermaats in der 1. Flottille Markgrafenheide in Warnemünde und war als Besatzungsmitglied der „Parchim“ für die Bedienung der reaktiven Wasserbombenwerfer zuständig. „Die Armeezeit habe ich in guter Erinnerung“, sagt der gelernte Baufacharbeiter und berichtet vom Bordleben und einem guten Zusammenhalt der Mannschaft. 2011, während des ersten Wiedersehens der einstigen Crew – in Parchim, wurde die Idee für einen Nachbau des U-Jagdschiffes, Projekt 133.1 (Siehe: Kasten), geboren.

Zunächst entstand aus Holz ein Standmodell; 2012 begann Seehawer dann mit der Arbeit an seiner schwimmfähigen Kopie. „Fast jedes Wochenende und meistens auch nach Feierabend habe ich in der Werkstatt zugebracht“, berichtet der Handwerker, dem der Wolgaster Modellbauer Klaus-Dieter Rex Original-Bauzeichnungen des Projektes 133.1 besorgt hatte. Aus glasfaserverstärktem Kunststoff formte er den Schiffsrumpf, um sich dann an die Aufbauten zu machen. Als Baumaterial dienten ihm Holz, Kunststoff, Messing, Aluminium und Angelsehne.

Kreativität und Geschicklichkeit waren gefragt: Kabelschuhe mutierten zu winzigen Lampen, Teile von Steckdosen und Schlüsselanhängern dienten als Basis für die Wasserbombenwerfer, und Fliesenkreuze fanden in den Torpedorohren Verwendung. Das doppelläufige Schiffsgeschütz AK-725 feilte Seehawer, getreu dem Original aus sowjetischer Produktion, aus einem Stück – freilich aus Holz. Auch die Mastaufbauten mit Windmessern, Radar, Ukw-Funkantennen sowie Anlagen zur technischen Seeraumbeobachtung und Freund- Feind-Erkennung bildete Seehawer maßstabsgetreu nach.

„Die größte Herausforderung war die Elektrik“, sagt er. Zwei Propeller der Drei-Wellen-Anlage werden von Motoren angetrieben. Aus den Abgasrohren treten Schwaden erhitzten Rauchöls, Wasser strömt aus den sechs Kühlwasseraustritten, Radaranlagen rotieren und Arbeitslicht, Blaulicht sowie die Positionslampen funktionieren – sogar das Nebelhorn lässt von sich hören. In einem Bassin probte Seehawer erfolgreich die „Seetauglichkeit“ seiner „Parchim“ die nun komplett ist. „Auch meine Frau ist froh, dass ich jetzt endlich fertig bin“, sagt er lächelnd. Der „Stapellauf“ in Peenemünde, wo sich zwei Kommandanten, Offiziere, Maate und Obermaate versammeln werden, soll mit einem Feuerwerk einhergehen – mit Tischknallern, also ebenfalls im Miniaturformat.

Tom Schröter

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