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Greifswald Über 50 Jahre Ratsherr am Sund
Vorpommern Greifswald Über 50 Jahre Ratsherr am Sund
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00:00 23.10.2017
Stralsund

Heute schafft das wohl kein Bürgermeister mehr, über fünfzig Jahre in Amt und Würden zu sein. Früher war eine sehr lange Amtszeit durchaus möglich, denn alle Stralsunder Bürgermeister und Ratsherren wurden bis sage und schreibe 1924 auf Lebenszeit gewählt. Dann begrenzte man die Amtszeit auf zwölf Jahre.

Bildnis Carl Georg Schwings. REPRO: STADTARCHIV STRALSUND

Dr. Carl Georg Schwing wirkte fast 53 Jahre lang im Rat. Kein Bürgermeister der Hansestadt Stralsund hat sein Amt länger ausgeübt.

Am 7. Oktober 1778 kam Carl Georg Schwing in Berglase auf Rügen als Sohn des dortigen Gutsbesitzers Georg Daniel Schwing und seiner Ehefrau Anna Viktoria geb. Hooge auf die Welt. Seine schulische Bildung erhielt er zunächst im Privatunterricht bei dem Pastor Ehle zu Landow. 1792 wurde er Schüler des Gymnasiums in Stralsund. Diese „höhere Bildungseinrichtung“ der Stadt besuchte er bis 1796.

Danach studierte Carl Georg Schwing mit Erfolg Jura an den Universitäten Jena und Greifswald.

Im Jahre 1802 kehrte er auf die Insel Rügen zurück und erhielt eine Anstellung als Sekretär und Rechtskonsulent des Königlichen Landdrosteigerichts in Bergen.

Drei Jahre später bewarb sich der junge Schwing um das Amt eines Ratsherrn der Hansestadt Stralsund. Am 25. Oktober 1805 nahm er die Stelle ein und war neben- und nacheinander für die Quartierkammer, das Kammergericht und die Polizei verantwortlich.

Zum 144. Bürgermeister von Stralsund ernannten ihn Rat und Bürgerschaft fünfzehn Jahre später. Von Anfang an vertrat er die Stadt Stralsund an der Universität Greifswald. Die wissenschaftliche Einrichtung verlieh ihm für seine Leistungen die Doktorwürde.

Für sein erfolgreiches Wirken erhielt Carl Georg Schwing vom früheren schwedischen Landesherrn den Wasa-Orden. Der preußische König Friedrich Wilhelm III., seit 1815 neuer Landesherr, verlieh ihm den Roten Adlerorden und sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV., den Titel eines Geheimen Regierungsrats.

Zu seinem fünfzigjährigen Amtsjubiläum organisierte der Rat der Stadt eine große „Jubelfeier“. Am Vorabend des 25. Oktober 1855 fand ein Fackelzug statt, der alle Beteiligten vor das Wohnhaus des verehrten Bürgermeisters, die Mönchstraße 10, führte. Am nächsten Tag machten ab 5 Uhr morgens unzählige Deputationen ihre Aufwartungen und übergaben Dr. Carl Georg Schwing Geschenke. Ein neues Schiff der Firma Friedrich August Spalding & Sohn, das an diesem Tag vom Stapel lief, erhielt den Namen „Bürgermeister Schwing“.

Am Nachmittag fand ein großes Festessen im Saal der Kaufmanns-Ressource statt, an dem 150 Personen teilnahmen. Aus Anlass der Feier ordnete der Rat die Bewirtung sämtlicher Armen der Stadt an.

Wieder wurden Bürgermeister Carl Georg Schwing hohe Ehrungen zuteil. Der preußische König dekorierte ihn mit dem Roten Adlerorden zweiter Klasse, der schwedische König mit dem Kommandeurkreuz des Wasa-Ordens. Der Rat hatte die Anfertigung einer Gedenkmedaille beim Berliner Medailleur Carl Pfeuffer in Auftrag gegeben. Dem Jubilar wurden eine goldene und zwanzig silberne Medaillen überreicht.

Weiterhin erschien zum fünfzigjährigen Amtsjubiläum eine Festschrift.

Ferdinand Struck, Herausgeber der „Stralsundischen Zeitung“, schrieb in seinem Nachruf, dass Bürgermeister Schwing in den beiden letzten Jahren seines Lebens „nach einer anhaltenden, wenngleich nicht schweren Krankheit, wiederkehrende Schwäche“ bei ihm zurückblieb. Carl Georg Schwing verstarb am 8. Mai 1858 und wurde unter großer Anteilnahme der Bürger der Stadt auf dem St.-Jürgen-Friedhof beigesetzt.

Seit dem 26. Oktober 1811 war er mit Charlotte Maria Juliana Helwig, Tochter eines Stralsunder Apothekers, verheiratet. Sieben Kinder kamen zur Welt, wobei eins aber schon nach drei Tagen verstarb.

Der Sohn Carl Theodor Schwing wurde in Stralsund ein bekannter Rechtsanwalt.

Andreas Neumerkel

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