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Greifswald Über 500 Gläser bei 500-Jahr-Feier entwendet
Vorpommern Greifswald Über 500 Gläser bei 500-Jahr-Feier entwendet
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00:00 09.10.2017
Preetzen

/Greifswald. Die 500-Jahr-Feier der Universität Greifswald 1956 war auch eine feucht-fröhliche Angelegenheit.

Dieter Bennewitz als ABF-Student – hier in der Pappelallee. Quelle: Foto: Privat

In der Nacht vom 17. zum 18. Oktober zogen die Studenten durch die Straßen und sangen „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben“, „Alle Deutschen unter einen Tisch“, „Gaudeamus igitur“, „Es saßen die alte Germanen“ und andere Lieder.

Darüber berichtet Dieter Bennewitz in seinem 340 Seiten starken Buch „Von Stettin nach Stendal. Vom Maurer zum Tierarzt“, das er jetzt im Selbstverlag herausgebracht hat. Bennewitz versuchte damals vergeblich, nach 22 Uhr Bier in der Gaststätte „Sportlerheim“ an der Wolgaster Straße zu bekommen. Kostenlosen Gerstensaft gab es noch genug am Tresen, aber keine Trinkgefäße, berichtet er. „Die Studenten hatten die vollen Biergläser mit in den Biergarten der Gaststätte genommen, dort ausgetrunken und dann an die Hauswand oder an die Bäume geworfen. Manche nahmen die Gläser auch einfach mit, so dass nach kurzer Zeit keine mehr vorhanden waren. Am nächsten Tag war in der Zeitung zu lesen, dass der Gaststätte über 500 Gläser fehlten.“

Die launige Erinnerung von Dieter Bennewitz ist ein Beleg dafür, dass das große Jubelfest der Hochschule so etwas wie eine Oase alter Studentenherrlichkeit in den 1950er-Jahren war. Der damalige Student der Greifswalder Arbeiter-und-Bauern-Fakultät nahm übrigens auch als schwedischer Fußsoldat an dem großen Festzug durch die Stadt teil. Seine Erinnerungen an die Studentenzeit sind nicht die einzigen, die sich Vorpommern widmen.

Bennewitz stammt aus Stettin. Sein Onkel Heinz – der Vater kehrte nicht aus dem Krieg zurück – erhielt eine Neubauernstelle von acht Hektar Größe in Preetzen. Gutsherr Dudy war durch die Bodenreform enteignet worden. Bennewitz beschreibt den schwierigen Neuanfang der Neubauern in einer Zeit, in der es an allem fehlte, detailliert. Er erinnert sich auch gut an eine heute weitgehend verdrängte Spezialität, den Tollatsch, der hauptsächlich aus Blut und Mehl gefertigt wird. In Scheiben geschnitten und in der Pfanne gebraten, habe der Tollatsch am besten geschmeckt.

Die Grundschule besuchte Bennewitz im 2,5 Kilometer entfernten Liepen. Heizmaterial sollten die Kinder damals mitbringen.Info: Dieter Bennewitz: Von Stettin nach Stendal – Vom Maurer zum Tierarzt. Selbstverlag, 16 Euro plus Porto, Bestellung über dieter.bennewitz@gmx.de.

eob

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