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Greifswald Übung: Wenn die Katastrophe nach Pommern kommt
Vorpommern Greifswald Übung: Wenn die Katastrophe nach Pommern kommt
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16:28 28.09.2018
Mitglieder des Krisenstabes bei der Arbeit: Dr. Timm Laslo (Leiter Rettungsdienst des Landkreises), Dirk Scheer, Sozialdezernent des Landkreises, Marko Stange (Kreiswehrführer), Achim Froitzheim (Sprecher des Landkreises) und Werner Hackbarth vom Ordnungsamt. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald/Usedom

Im Konferenzraum des landkreiseigenen Rettungdienstes brennt die Luft. Telefone klingeln, aktuelle Lageberichte werden verteilt. Trotz der Anspannung wirken die rund 15 Personen am Tisch hoch konzentriert. „Sind die zwei Betreuungszüge zu den Sammelstellen unterwegs?“, fragt der Sozialdezernent des Landkreises, Dirk Scheer, in die Runde. „Ja, bis 11 Uhr sind alle vor Ort“, kommt sofort die Antwort. „Jetzt müssen wir sehen, wer von den Evakuierten wieder zurück kann.“ Die Szenerie in der Rettungsstelle ist die Probe für den Katastrophenfall einer verheerenden Sturmflut im norddeutschen Raum.

Szenario: Eine Million Menschen auf der Flucht - Vorpommern hilft

Bei der an mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern stattfindenden zweitägigen Übung wird von rund eine Million Menschen ausgegangen, die vor den Wassermassen flüchten. Die Menschen werden in andere Bundesländer evakuiert, 5000 Flüchtlinge sollen dabei im Kreis Vorpommern-Greifswald Zuflucht finden. „Wir spielen das ganze bis ins Detail theoretisch durch. Wie kommen die Menschen zu uns? Wo werden sie untergebracht? Was gibt es für mögliche Probleme? “ , erklärt Scheer. „Dabei arbeitet hier ein ganzes Team von rund zwanzig Mitarbeitern zusammen, koordiniert wird die Übung vom Innenministerium in Schwerin.“ Mit am Greifswalder Tisch sitzt ein sogenannter Verwaltungsstab, hier sind Mitglieder des Landkreises für ihren jeweiligen Themenbereich zuständig, etwa Werner Hackbarth vom Ordnungsamt oder Karin Wutzke von der Gesundheitsaufsicht. Dazu kommt auch ein auch „Blaulichtstab“ genannter Führungsstab. „Dazu gehören die operativen Kräfte. Also zum Beispiel das THW, die Polizei, aber auch die Feuerwehr des Landkreises mit dem Kreiswehrführer Marko Stange“, zählt Kreissprecher Achim Froitzheim auf. „Außerdem steht uns noch die Bundeswehr mit dem KVK, dem Kreisverbindungskommando, zur Seite.“

Flüchtlinge in Notünterkünften aber auch Pensionen und Hotels untergebracht

Mit ihrer Arbeit können die Mitarbeiter im Krisenstab zufrieden sein. Unterbringung, Betreuung und Transport der Evakuierten konnten organisiert werden. „Der Katastrophenschutzplan des Landkreises weist Unterbringungskapazitäten für 2700 Leute auf“, so Scheer. „Für den Rest haben wir auf Hotels, Pensionen und Notunterkünfte im ganzen Kreis zurückgreifen können, dazu kam die Unterbringung von Pflegebedürftigen und Patienten in Heimen bzw. den Kliniken Pasewalk und Greifswald.“ Doch kein Hotel oder Krankenhaus musste mit realen Telefonanrufen behelligt werden. Die Anrufe und mails in diesem Übungsfall gingen an eine eingerichtete Stelle im Innenministerium. „Es ging darum, dass wir unsere Lösungswege darstellen und ein Team von Experten diese beurteilt und uns neue Aufgaben stellt“, sagt Scheer. „Im Falle eines ganz realen Durchspielens aller Telefonanrufe wäre das Risiko doch sehr groß gewesen, dass irgendjemand die Übung für bare Münze nimmt und einen Alarm auslöst.“

Lob für den Krisenstab des Landkreises

Ganz genau verfolgte Jürgen Leimanzik vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Übung des Landkreises. „Ich bin hier um zu sehen, wie es läuft und auch einige Tipps zu geben, wie man es vielleicht besser machen kann“, sagt er. „Aber im allgemeinen kann man sagen, dass das Team des Landkreises gute Arbeit gemacht hat. Verbesserungspotential gibt es immer.“ Die Räumlichkeiten des Rettungsdienstes des Landkreises in der Greifswalder Pappelallee wären zum Beispiel nur bedingt geeignet. „Das Konferenzzimmer ist schön groß und gut ausgestattet, aber die umliegenden Räume einfach zu klein für mehrere Menschen die dort arbeiten sollen“, stellt Scheer fest. „Ich hoffe mit der Fertigstellung des Verwaltungsgebäudes in der Feldstraße haben wir künftig noch bessere Möglichkeiten.“

Auch Zootiere leiden unter Hochwasser

Bei dem Rettungsszenario ging es übrigens nicht nur um die Evakuierung von Menschen. „Ursprünglich war zum Beispiel auch die Aufnahme von evakuierten Zootieren im Gespräch, so Scheer. „Wir haben mit Ueckermünde, Greifswald und Wolgast ja durchaus Standorte. Aber für die Unterbringung von Löwen oder Tigern eignen sich diese Standorte kaum. Letztendlich wurden die Tiere dann nicht bei uns untergebracht.“

Anne Friederike Ziebarth

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