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Greifswald Ungleiche Brüder am Kap
Vorpommern Greifswald Ungleiche Brüder am Kap
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00:00 20.10.2018
Die Leuchttürme am Kap Arkona, der kleinere erlosch im Jahre 1905. Seitdem sendet der große Lichtblitze aufs Meer. FOTOS (4): FLEMMING GOLDBECHER
Putgarten

Tagelang sieht der Seemann nichts als Wind, Meer und Wellen. Dann erscheint am Horizont ein kaum wahrnehmbares Licht, das immer heller wird und das von der baldigen Ankunft in der Heimat kündet...

So nah beieinander und doch so verschieden sind die beiden Leuchttürme von Arkona. Was sie verbindet, ist ihre über 100 Jahre währende Geschichte und die Bewunderung der Menschen des ganzen Landes.

Rund um die Uhr musste der Leuchtturmwärter früher dafür sorgen, das Feuer im Turm am Leben zu erhalten. Andernfalls hätten die Schiffe vor der Küste auf Grund laufen oder gar an Felsen zerschellen können. Er wusste um seine Verantwortung – und die Schiffskapitäne waren auf ihn angewiesen.

Die romantisch verklärte Vorstellung von der Seefahrt und der Arbeit des Leuchtturmwärters ist mittlerweile nicht mehr als eine Erinnerung. Heute werden die Leuchtfeuer ferngesteuert und die Schiffe per GPS navigiert. Das Kap Arkona bildet da keine Ausnahme. Dennoch stehen dort drei Türme am Rande der deutschen Ostseeküste und zeugen von den Traditionen vergangener Tage.

Der kleinste von ihnen ist zugleich der zweitälteste der Ostseeküste nach dem Travemünder Leuchtturm. Der sogenannte Schinkel-Turm, erbaut im Jahr 1826/27, entstammt vermutlich den Plänen des Baumeisters und Malers Karl Friedrich Schinkel. Acht Seemeilen weit war sein Leuchtfeuer sichtbar. Trotzdem wirkt er mit 22,45 Metern nur wie der kleine Bruder des neuen Turms, der direkt neben ihm auf einem Granitsockel steht. Mit seinen 35 Metern überragt er den Schinkel-Turm bei weitem. In den Jahren 1901 und 1902 erbaut und 1905 in Betrieb genommen, weist sein elektrisches Leuchtfeuer bis heute den Schiffen auf der Ostsee den Weg.

Dass die modernen GPS-Satelliten einen reibungslosen Schiffsverkehr ermöglichen, macht das Leuchtfeuer noch lange nicht überflüssig. Das weiß auch Timo Viecens, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Kap Arkona in Putgarten. „Wozu ein Leuchtturm, der nicht leuchtet? Außerdem kann auch die Satelliten-Technik immer versagen“, so der 34-Jährige.

Alle 17,1 Sekunden sendet der neue Turm drei Blitze bis zu 24 Seemeilen weit aufs Meer hinaus. Überwindet man die 175 Stufen bis zur Aussichtsplattform, bekommt man einen Eindruck von der Reichweite des Signals. Von dort oben kann man in einiger Entfernung auch den dritten Turm des Kaps erspähen. Als hätte er sich mit den beiden anderen zerstritten, steht der Peilturm einige hundert Meter ostwärts. Er sandte kein Licht, sondern Funkwellen als Navigationshilfe für die Schiffe aus.

Das Interesse der Touristen gilt aber eher den beiden ungleichen Brüdern. Jährlich kommen etwa 800000 Menschen, um die Leuchttürme am äußersten Nordzipfel Rügens zu bestaunen. Hinzu kommen 300 bis 400 Ehepaare im Jahr, die sich im Schinkel-Turm das Ja-Wort geben. Ehen, die hier geschlossen werden, so heißt es, halten ein Leben lang. Für 95 Euro kann man den Bund fürs Leben sogar mit einer Gravur auf einer Steinplatte vor dem Schinkel-Turm verewigen lassen. Solche romantischen Liebesbekenntnisse kennt auch der neue Turm. Hin und wieder bitten nervöse Männer auf seiner Aussichtsplattform um die Hand ihrer Angebeteten.

Doch auch Tragödien haben beide Leuchttürme schon erlebt. „Vor einigen Jahren gab es eine Selbstmordankündigung“, erzählt die Bürgermeisterin von Putgarten, Iris Möbius (parteilos). „Ein Mann wollte sich vom neuen Turm stürzen. Zum Glück hat uns die Familie informiert, sodass der Turm gesperrt wurde.“ Und natürlich ist das tragische Schicksal der zehnjährigen Katharina nicht vergessen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2011 bei einem Steilküstenabbruch am Kap Arkona verschüttet wurde.

Weit über 100 Jahre kennen sich die zwei Leuchttürme mittlerweile. Und sie können mit Stolz behaupten, dass sie mehr sind als bedeutungslose Backsteinbauten an der deutschen Ostseeküste. „Es ist das Gesamtpaket, das den Standort hier am Kap so attraktiv macht. Dieser Ort verbindet Kultur, Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise“, bringt es Tourismuschef Viecens auf den Punkt.

Als die Marine das Haus des Leuchtturmwärters putzte

Es ist Nacht am Kap Arkona ganz im Norden der Insel Rügen. Der neue Turm sendet still seine Lichtsignale auf die Weiten der Ostsee hinaus. Nur leise ist das Rauschen der Wellen zu hören. Im Haus des Leuchtturmwärters liegt das Ehepaar Böse seelenruhig im Bett.

Plötzlich reißt ein lauter Knall, die beiden aus dem Schlaf. Eine Handgranate ist durch den Schornstein in den Kamin geflogen. Alles ist voller Ruß. Das Haus aber steht noch. Dabei hätte hier alles in Schutt und Asche liegen müssen.

Das Ehepaar Böse kommt mit dem Schrecken davon, denn bei der Granate handelte es sich nur um ein Übungsexemplar, das bei bei der 7. Flotille der Volksmarine verwendet wurde. Eine Einheit des Verbandes war zu DDR-Zeiten am Kap Arkona in der Kaserne stationiert. Die Bürgermeisterin von Putgarten, Iris Möbius, kennt die Geschichte aus Erzählungen, das Ehepaar Böse sogar noch persönlich.

„Die Soldaten haben hier eine Übung abgehalten. Es wurde ein feindlicher Angriff simuliert“, erzählt die 48-Jährige. „Bei diesem Angriff soll ein Soldat der Verteidigungstruppe einen Angreifer erspäht haben, der über die Kasernenmauer kletterte. Fest entschlossen, den Eindringling zurückzuschlagen, warf er eine Granate nach ihm. Seine Präzision war leider nicht so gut, wie sein Wille stark. Die Granate landete direkt im Schornstein des Leuchtturmwärters. Nach der Explosion waren die Zimmer schwarz vom Ruß. Der Hund bellte und Frau Böse war außer sich“, berichtet Bürgermeisterin Möbius mit einem Schmunzeln. „Ausgerechnet einen Tag vorher hatte sie das ganze Haus geputzt.“ Leuchtfeuerwärter Böse, übrigens der letzte am Kap Arkona, habe das Ganze gelassen hingenommen, nicht ohne jedoch die Flotille zum Putzen zu verdonnern.

Heute ist das Haus an den Leuchttürmen, in dem einst die Böses lebten, blitzblank. Einen Leuchtturmwärter gibt es nicht mehr. Die Technik hat den Beruf überflüssig gemacht. In dem Gebäude, in dem damals die Granate einschlug, können Touristen nun handgefertigte Erinnerungsstücke von ihrem Besuch am Kap Arkona kaufen.

Zwei Leuchttürme mit unterschiedlichen Eigenschaften

Der Schinkelturm wurde im Jahr 1862/27 erbaut und hat eine Größe von 22,45 Metern. Der Entwurf für den Turm wird dem Maler und Architekten Karl-Friedrich Schinkel zugeschrieben. Am 10.

Dezember 1827 wurde das Leuchtfeuer gezündet. Es befindet sich auf einer Höhe von 66 Metern über dem Meer. Über 66 Stufen gelangt man zur Aussichtsplattform. Die Räume des Turms nutzte man als Dienst- und Lagerräume. 1905 erlosch das Feuer endgültig.

Der Neue Turm wurde direkt neben dem Schinkelturm erbaut und am 1. April 1905 in Betrieb genommen. Bei einer Höhe von 35 Metern liegt sein Feuer immerhin 75 Meter über dem Meeresspiegel.

Sein Licht wird per Fernsteuerung und elektrisch betrieben und hat eine Reichweite von 24 Seemeilen.

Fgo Flemming Goldbecher

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