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Greifswald Greifswalder Lehramtsstudenten kritisieren Studium
Vorpommern Greifswald Greifswalder Lehramtsstudenten kritisieren Studium
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10:44 24.08.2018
Ein leeres Klassenzimmer: Lehrermangel führt dazu, dass Unterricht ausfallen muss. Quelle: Zb Stefan Sauer
Greifswald

In Mecklenburg-Vorpommern fehlen Lehrer. Logisch, dass bei der Ausbildung neuer Pädagogen auf die Tube gedrückt werden müsste. Aber daran hapert es. Viele studieren länger als die vorgesehenen zehn Semester, weil Lehrkräfte fehlen. 

„Im Sommersemester 2018 sind 326 Studierende für das Lehramt Gymnasium Geschichte eingeschrieben“, erläutert Henning Haasler, stellvertretender Vorsitzender des Fachschaftsrates Geschichte. „Nur 184 befinden sich in der Regelstudienzeit von zehn Semestern.“ Eine Ursache sei fehlendes Personal in der Didaktik. In der Geschichte gibt es dafür einen fest angestellten Kollegen. Zwei weitere bezahlt der Bund über den 2020 auslaufenden Hochschulpakt zur Verbesserung der Lehre. 

In der Anglistik und anderen Instituten der Philosophischen Fakultät sei die Situation nicht besser, so Haasler. Weil die drei Lehrkräfte an der Geschichte nicht reichten um alle vorgesehenen Kurse für Fachdidaktik abzuhalten, können einige Studierende ihr Studium nicht wie vorgesehen fortsetzen. „In diesem Semester betrifft das 50 Studenten.“ Der Lehrkräftebedarf wird nur über die Studierenden in der Regelstudienzeit, ermittelt Haasler. Die genannten 50 Nachzügler fallen raus. 

Für den Fachschaftsratsvorsitzenden Malte Weiland eine unhaltbare Situation. „Die Ansprüche an den modernen Lehrer sind gestiegen“, argumentiert er. Darum müsse mehr Wert auf das eigentliche Handwerkzeug der Lehrer gelegt werden. Es muss mehr Fachdidaktik und Pädagogik Teil des Studiums werden. Mecklenburg-Vorpommern habe laut einer Studie der Kultusministerkonferenz gerade hier Nachholbedarf. „Wer gute und auch mehr Lehrer will , muss genug Personal für die Ausbildung haben“, fordert Weiland. 

Außerdem hätten die Dozenten anders als jetzt Zeit für Forschung zur Verbesserung der Qualität der Lehre. „Wir haben den Eindruck, dass uns auf höchster akademischer Ebene der Rückhalt fehlt“, sagt Weiland. In Rostock gebe es die gleichen Probleme. Um Lösungen zu finden, müsste eine Arbeitsgruppe unter einer Einbeziehung der Lehrerbildner in Greifswald und Rostock gegründet werden, fordert Weiland. 

Da rennen die Studierenden offene Türen ein. Im November 2018 treffen sich die Verantwortlichen für Lehrerausbildung des Landes zu einer Zukunftswerkstatt, um die Weichen für eine Verbesserung der Lehrerausbildung zu stellen. „Grundsätzlich sollte es mehr Planstellen in der Fachdidaktik geben“, pflichtet die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Prof. Monika Unzeitig Haasler und Weiland bei, bei. Aber die Fakultät habe keine freie Stellen. Durch die Landespersonalkonzept genannte Kürzungsrunde Mitte der 2000er Jahre verlor die Philosophische Fakultät etwa 30 Prozent ihrer Stellen. 

Um überhaupt die Lehrerbildung abzusichern, opferte die Fakultät sogar die letzte Stelle an der Ur- und Frühgeschichte. Den tatsächlichen Bedarf an Didaktikstunden zu bestimmen, sei wegen auslaufender alter Lehramtsstudiengänge nicht möglich, schränkt Unzeitig ein. Sie geht davon aus, dass es auch nach 2020 Hochschulpaktmittel gibt. 

Ein sicher schwieriger Vergleich: In der DDR gab es einen Professor für Geschichtsmethodik und vier fest angestellte Mitarbeiter. Professuren für Methodik waren eine Normalität. Heute gibt es in Greifswald nur zwei Didaktikprofessuren, wobei die in Deutsch nicht besetzt ist. Ein Unding, so Weiland. 

Auch das Rektorat sei dafür, dass die Lehrerausbildung in MV grundsätzlich neu diskutiert wird. „Entsprechende Signale für eine Neuplanung der Lehrerbildung haben wir aus dem Bildungsministerium erhalten“, sagt Sprecher Jan Meßerschmidt. Auch er verweist auf sehr knappe Ressourcen. An der Uni und im landesweiten Zentrum für Lehrerbildung werde intensiv über die Situation beraten. Studierende seien dazu eingeladen. Meßerschmidt findet es ebenfalls sehr problematisch, dass es in zentralen Fächern wie Geschichte keinen Fachdidaktiklehrstuhl gibt. Die sehr engagierten Dozenten würden trotzdem für eine gute Lehre sorgen, schätzt er ein. Stellen hat auch das Rektorat nicht. „Wir sind in den hochschulpolitischen Rahmenbedingungen gefangen“, so Meßerschmidt. Das heißt übersetzt, wir brauchen Geld vom Land. 

Henning Lipski, der Sprecher von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD), verweist in Sachen des speziellen Problems Fachdidaktik Geschichte auf die Uni. Wegen der Freiheit von Forschung und Lehre könne man dort nicht eingreifen. Aber das Ministerium wolle mit allen Beteiligten über Verbesserungen diskutieren, kündigt er an. Entscheidungen würden „gemeinsam mit den Hochschulen fallen“, sagt Lipski. Die Personalnot hat Geschichte Das Landespersonalkonzept von 2004 verordnete den Hochschulen des Landes massive Stellenstreichungen. Greifswald stellte das Lehramtsstudium für Mathe, Physik, Chemie und Biologie ein. Von den naturwissenschaftlichen Fächern blieb nur Geographie. Die Philosophische Fakultät opferte die Studienrichtungen Romanistik, Sport- und Altertumswissenschaften samt zugehöriger Schulfächer. An der Theologie können sich Interessenten unverändert zum Religionslehrer ausbilden lassen. Zum großen Lehrerausbildungszentrum wurde infolge der Greifswalder Streichungen Rostock. Um die vom Land geforderte Sonderpädagogikausbildung zu ermöglichen, wurde die letzte Stelle in der Ur- und Frühgeschichte geopfert.

Das Landespersonalkonzept

Das Landespersonalkonzept von 2004 verordnete den Hochschulen des Landes massive Stellenstreichungen. Greifswald stellte das Lehramtsstudium für Mathematik, Physik, Chemie und Biologie ein. Von den naturwissenschaftlichen Fächern blieb nur Geographie. Die Philosophische Fakultät opferte die Studienrichtungen Romanistik, Sport- und Altertumswissenschaften samt zugehöriger Schulfächer. An der Theologie können sich Interessenten unverändert zum Religionslehrer ausbilden lassen. Zum großen Lehrerausbildungszentrum wurde infolge der Greifswalder Streichungen Rostock. Um die vom Land geforderte Sonderpädagogikausbildung zu ermöglichen, wurde die letzte Greifswalder Stelle in der Ur- und Frühgeschichte geopfert.

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