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Greifswald Uni trennt sich von Arndt - wer will, darf Namen weiter nutzen
Vorpommern Greifswald Uni trennt sich von Arndt - wer will, darf Namen weiter nutzen
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14:38 18.01.2018
Am Mittwoch hat der Senat der Universität Greifswald über den Antrag auf Namensablegung abgestimmt. Quelle: Stefan Sauer
Greifswald

Die Universität Greifswald trennt sich von ihrem Namenspatron Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Das hat der Senat am Mittwoch mit Zweidrittelmehrheit beschlossen. 27 der 35 anwesenden Senatoren stimmten für die Kompromissvariante eins. Sie sieht vor, dass jeder, der möchte, den Namen Arndt weiter verwenden kann. Offizieller Namer der Hochschule wird Universität Greifswald sein.

Der Senat der Universität Greifswald hat am Mittwoch entschieden, den Namen Ernst Moritz Arndt abzulegen. Jeder der möchte, darf den Namenszusatz jedoch weiter verwenden. Ist der Arndt-Streit mit dem Senatsvotum zu Ende?

„Ich bin froh, dass der Senat sich zu einem Kompromiss entschieden hat. Es wurde ein Jahr sehr lang diskutiert. Es ist eine Stärke Greifswalds, dass ein Kompromiss dasteht. Ich habe die Hoffnung, dass mit dem Kompromiss viele Menschen sehr gut leben können“, sagt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne).

„Ich bin sehr enttäuscht von dem merkwürdigen Demokratieverständnis der Mitglieder des akademischen Senats“, sagt der Greifswalder Landtagsabgeordnete Egbert Liskow (CDU), der für den Erhalt des Namens gekämpft hat. „Die Meinungsumfrage hatte deutlich gezeigt, dass die Mehrheit der Universitätsangehörigen hinter dem Namenspatron steht. Nach monatelangen Streitigkeiten hatte der Senat der Universität alle Angehörigen der Hochschule online befragt.

Knapp 49 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Professoren stimmten für Arndt. Rund 34 Prozent votierten für die Namensstreichung. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. An der Umfrage, die nicht rechtsverbindlich ist, nahm rund ein Drittel der etwa 15 100 Universitätsmitglieder teil.

“So kurz nach der Umfrage  mit merkwürdigen Wahlgängen den Namen abzulegen, zeugt von einen gestörten Verhältnis zur Demokratie sowie zur Basisdemokratie innerhalb des Gremiums. Mit dieser Art der Abstimmung erzwingt man eine erneute Überprüfung des Wahlergebnis durch die Rechtsaufsicht des Landes“, so Egbert Liskow weiter.

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„Ich vermute, dass der Unmut sehr laut werden könnte.“ Der CDU-Kreisvorsitzende Franz-Robert Liskow sagt: „Die Entscheidung des Senats ist zu akzeptieren, sie hat den Schaden für die Ernst-Moritz-Arndt-Universität aber noch einmal vergrößert.“

Enttäuschung auch bei Fabian René Fischer (CDU), der die studentische Urabstimmung zu Arndt initiiert hatte: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Meinung der Bürger und Hochschulöffentlichekti mehr Berücksichtigung gefunden hätte.“ Er bezeichnet es als keinen Trost, dass jeder der möchte den Zusatz weiter nutzen kann.

Peter Gomoll von der Bürgerinitiative „Ernst Moritz Arndt bleibt“ kündigte an, dass die Initiative keine Veranlassung sehe, die Aktivitäten zu verringern. „Wir werden weiter protestieren gegen den Beschluss“, so Gomoll.

„Ich gebe den Kampf für die Erhaltung des Namens nicht auf“, sagt auch das Bürgerschaftsmitglied Peter Multhauf (Linke). „Zunächst ist die Rechtsaufsicht des Landes aufgefordert, die Rechtmäßigkeit dieser ,Säuberung' zu prüfen. Darüber hinaus wird es aber auch weitere Initiativen geben“, so Multhauf weiter.

Der in Pommern geborene Arndt, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Der Name war der Universität 1933 zuerkannt worden.

Bei der ersten Abstimmung wurde die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Komplettablegung des Namens Arndts ganz knapp verfehlt. Hätte die erste Kompromissvariante keine Mehrheit gefunden, hätte der Senat darüber abgestimmt, dass der Name Ernst-Moritz-Arndt-Universität bleibt, aber nicht verwendet werden muss.

Die von einem Teil der Senatoren angestrebte Ablegung des Namens hatte in den vergangenen Monaten in der Universität und in der Stadt zu kontroversen Debatten geführt. Der Name passe nicht zu einer weltoffenen und auf Internationalisierung setztende Universität, so die Antragsteller. Arndt-Befürworter sahen sich eines Teils der pommerschen Identität beraubt.

Der Senat der Uni hatte bereits im Januar vergangenen Jahres die Ablegung des Namens mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an. Daraufhin beseitigte die Universität die Rechtsmängel und führte im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden durch.

An einer späteren studentischen Urabstimmung stimmte eine knappe Mehrheit für die Ablegung des Namens. Allerdings nahmen an der Umfrage nur 15 Prozent der Studierenden teil. Am vergangenen Samstag demonstrierten rund 600 Greifswalder dafür, dass die Universität an ihrem Namenspatron festhält.

Katharina Degrassi

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