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Unimedizin: Defizit trotz vieler Patienten

Greifswald Unimedizin: Defizit trotz vieler Patienten

Im Klinikum werden immer mehr Ältere mit schweren Erkrankungen behandelt. Doch die Leistungen werden nicht ausreichend vergütet.

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Der angehende jemenitische Arzt Faisal Farhan führte bei Flüchtlingen in Neubrandenburg die medizinische Untersuchung durch. Für das Vertrauen, dass die Unimedizin dabei in sein Können setzte, dankte er auf dem gestrigen Empfang mit bewegenden Worten.

Greifswald. Die Universitätsmedizin Greifswald mit ihren 21 Fachkliniken hat im vergangenen Jahr 178000 Patienten behandelt — so viele wie noch nie bisher. Dr.

Thorsten Wygold, Ärztlicher Vorstand, sieht eine der Hauptursachen dafür im demografischen Wandel: „Die Menschen werden älter, sind häufiger krank. Oft kommen bei Patienten mehrere Erkrankungen zusammen, die zu behandelnden Fälle werden schwerer“, sagte er. Zudem gebe es in der Region weniger niedergelassene Ärzte.

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Der angehende jemenitische Arzt Faisal Farhan führte bei Flüchtlingen in Neubrandenburg die medizinische Untersuchung durch. Für das Vertrauen, dass die Unimedizin dabei in sein Können setzte, dankte er auf dem gestrigen Empfang mit bewegenden Worten.

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Doch trotz gestiegener Patientenzahlen rechnet das Klinikum auch für 2015 mit einem Millionen-Defizit. Es falle nach Aussage des kaufmännischen Vorstandes Marie le Claire geringer aus als 2014, genaue Zahlen könnten jedoch erst nach der Betriebsprüfung im 2. Quartal bekannt gemacht werden. 2014 betrug das Minus der Greifswalder Universitätsmedizin 13,5 Millionen Euro. Wygold kritisierte in diesem Zusammenhang, dass Unikliniken in der Kalkulation der Erlöse nicht angemessen berücksichtigt würden. Rückendeckung bekam er bei dieser Aussage von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der gestern Abend Gast des Neujahrsempfangs der Unimedizin war. Auch er sagte, dass die Unikliniken für ihre erbrachten Leistungen in der Spezialmedizin unbedingt mehr Geld erhalten müssten und sicherte Unterstützung zu.

Das Ziel des Vorstandes der Unimedizin ist ein ausgeglichenes Ergebnis bis 2018. Die Konsolidierung sei dazu auf den Weg gebracht. Betriebsbedingte Kündigungen spielten keine Rolle, versicherte Marie le Claire. Und: Die Optimierung der Betriebsabläufe solle nicht zu Lasten der Patientenversorgung, Forschung und Lehre gehen.

Umstrukturierung in Wolgast unumgänglich

An der Konsolidierung des Kreiskrankenhauses Wolgast als Tochter der Universitätsmedizin werde ebenfalls gearbeitet. Wygold und le Claire betonten erneut, dass die Aufgabe des Standortes Wolgast niemals zur Debatte gestanden habe. „Aber damit Wolgast auch in fünf Jahren an der Akutversorgung beteiligt ist, war eine Umstruktierung unumgänglich“, erklärte der Ärztliche Vorstand. Zwar seien die Gynäkologie/Geburtsthilfe und die Pädiatrie geschlossen worden, dafür erhalte das Krankenhaus neben einer geriatrischen Station auch eine neue Notaufnahme, mit deren Bau noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Vorgesehen sei zudem im kommenden Jahr die Schaffung einer Station für Akutfälle, „wo Patienten behandelt werden, die kränker als andere sind, aber die noch nicht auf die Intensivstation gehören“, so Wygold.

Die Probleme mit der geschlossenen Kinderstation nehme die Unimedizin auch angesichts der vielen Urlauber im Sommer sehr ernst: Damit Eltern aus Wolgast oder von der Insel Usedom nicht unnötig weite Strecken fahren müssen, würden derzeit mit dem Kreis, der kassenärztlichen Vereinigung und niedergelassenen Ärzten Lösungen beraten. Laut Wygold seien abends und nachts telefonische Beratungen über eine zentrale Nummer, Diagnosen mit Hilfe der Telemedizin oder spezielle Bereitschaftsdienste von Kinderärzten denkbar. „Fakt ist, dass es bis zum Sommer dazu eine Lösung gibt“, versicherte er.

Spitzenpositionen in Forschung und Lehre

4900 Mitarbeiter sind in der Unimedizin tätig in Forschung, Lehre und Krankenversorgung.

2306 Bewerber für ein Medizinstudium kommen in Greifswald auf 132 Studienplätze. Die Hansestadt zählt zu den beliebtesten Studienorten für Humanmedizin in Deutschland. In der Zahnmedizin ist Greifswald sogar Spitzenreiter bei den Bewerberzahlen.

18,3 Millionen Euro warb das Klinikum für Forschungsvorhaben an Drittmitteln ein. Forschungsschwerpunkte sind die Community Medicine (Bevölkerungsmedizin), die mit der molekularen Medizin individualisierte medizinische Behandlungs- und Präventionskonzepte erarbeitet. Die Erforschung des Jodmangels in 27 Ländern wird von Greifswalder Wissenschaftlern geleitet.

8039 Patienten wurden im Kreiskrankenhaus Wolgast (375 Mitarbeiter und 180 Betten) im vergangenen Jahr stationär und 12542 Menschen ambulant behandelt.



Cornelia Meerkatz

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