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Greifswald Unimedizin Greifswald reduziert Sterblichkeit bei Sepsis
Vorpommern Greifswald Unimedizin Greifswald reduziert Sterblichkeit bei Sepsis
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14:51 26.10.2018
Blutkulturen werden auf mögliche Erreger für Sepsis untersucht. Quelle: Manueal Janke/UMG
Greifswald

Jährlich melden die Krankenhäuser in Deutschland bis zu 300 000 Sepsis-Fälle. Rund 80 000 Patienten überleben die Erkrankung, die umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet wird, nicht. Weltweit gehen Experten von fünf Millionen Toten pro Jahr aus. Die Zahlen sind Dr. Matthias Gründling von der Unimedizin Greifswald nichts Neues. Der Anästhesiologe ist Spezialist auf dem Gebiet der Sepsis und sagt: „Blutvergiftung ist einer der am häufigsten auftretenden Notfälle und endet so oft tödlich, weil die Symptome oft anderen Krankheiten zugerechnet werden.“

Vorbeugen kann jeder

Gründling hat deshalb ein Team um sich versammelt und arbeitet seit über zehn Jahren an einem großen Projekt zur Früherkennung und Behandlung der Blutvergiftung. Das Projekt nennt sich „Sepsisdialog“, Matthias Gründling ist der Leiter. Das ist ein Qualitätsmanagementansatz, mit dem durch schnelle Diagnostik, die Erfassung einfacher Qualitätsparameter und Schulung der Mitarbeiter die Behandlungsqualität bei Sepsis deutlich verbessert und zahlreiche Menschenleben gerettet worden sind. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme im Krankenhaus ist gründliche Händedesinfektion.

Vorbeugen kann jeder für sich, indem sich über 60-Jährige gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen, um die häufigste Sepsisursache, Lungenentzündung, zu verhindern.

Messbarer Erfolg

Dank der Hartnäckigkeit des Teams vom Sepsisdialog konnte erreicht werden, dass Greifswald mit die geringste Sterblichkeit in Deutschland hat. „Dafür haben wir im vergangenen Herbst den World Sepsis Award gewonnen. Der steht nun im Eingangsbereich des Klinikums. Zusammen mit Postern weist er auf die Bedeutung des Notfalls Sepsis hin“, berichtet der Intensivmediziner. Doch was machen die Greifswalder anders, sodass die Sterblichkeit durch Sepsis hier viel niedriger ist als anderswo? „Aktuell verbessern wir die Blutkulturdiagnostik“, sagt der erfahrene Mediziner. Das sei notwendig, um das richtige Antibiotikum zu geben. In Greifswald wurde der Untersuchungsschrank für die Blutkulturen aus dem Labor auf die Intensivstation geholt. Wenn etwas Auffälliges bemerkt wird, piept der Schrank. „So können wir die Diagnostik jeden Tag rund um die Uhr garantieren“, betont Gründling. Das sei oft lebensrettend.

Seit Beginn des Projekts vor elf Jahren konnte die Sterblichkeit bei Blutvergiftung in Greifswald um 20 Prozent reduziert werden und liegt jetzt bei um die 40 Prozent“, sagt Matthias Gründling. Im Sepsis-Netzwerk arbeiten Pflegekräfte, Ärzte, Hygieniker und Mikrobiologen eng zusammen.

Agressive Infektion

Für den langjährigen Greifswalder Notfallmediziner ist der Zeitgewinn besonders wertvoll, weil bei Blutvergiftung jede Stunde zähle.

Sepsis - aggressivste Form einer Infektion Eine Sepsis kann durch nahezu jede Infektionserkrankung ausgelöst werden und entwickelt sich oftmals als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder Operation. Die Sepsis ist die aggressivste Form einer Infektion, hervorgerufen durch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen durch außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen Störungen auf und drohen zu versagen. Der Tod kommt quasi im Zeitraffer daher.

Frühe und oft im Krankenhausalltag verkannte Symptome einer Sepsis, gerade bei älteren Patienten, sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, schnellerer Herzschlag, niedriger Blutdruck und nachlassende Urinausscheidung sowie sehr häufig auch Verwirrtheit.

Sepsis – aggressivste Form einer Infektion

Eine Sepsis kann durch nahezu jede Infektionserkrankung ausgelöst werden und entwickelt sich oftmals als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder Operation. Die Sepsis ist die aggressivste Form einer Infektion, hervorgerufen durch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen durch außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen Störungen auf und drohen zu versagen. Der Tod kommt quasi im Zeitraffer daher. Frühe und oft im Krankenhausalltag verkannte Symptome einer Sepsis, gerade bei älteren Patienten, sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, schnellerer Herzschlag, niedriger Blutdruck und nachlassende Urinausscheidung sowie sehr häufig auch Verwirrtheit.

Modellprojekt „Sepsisdialog“

Mit seinen Ideen und der Arbeitsweise hat das Greifswalder Sepsis-Netzwerk nicht nur den World Sepsis Award gewonnen, sondern im September auch den Gesundheitspreis des forschenden Pharmaunternehmens MSD. Aus 64 Bewerbungen hat eine Jury sieben Projekte ausgewählt und mit einem Preisgeld von 20000 Euro geehrt. Einer der drei Hauptpreise ging an die Klinik für Anästhesiologie der Unimedizin Greifwald für den Sepsisdialog. Zugleich konnten die Greifswalder auch den erstmals vergebenen Publikumspreis (5000 Euro) gewinnen. „Wir sind sehr stolz auf unser Sepsis-Team, das im Kampf gegen die Blutvergiftung schon international Maßstäbe gesetzt hat“, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Prof. Klaus Hahnenkamp. Er freue sich, dass dieses unermüdliche Engagement so viel Anerkennung erfahre. Der MSD-Gesundheitspreis zeichnet Projekte aus, die als Modell für weitere Vorhaben dienen können.

Das Projekt „Sepsisdialog“ ist so ein Modell. Neben Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen zur Prävention, Diagnose und Therapie setzt das Netzwerk auf eine Optimierung der mikrobiologischen Diagnostik und des Sepsis-Notfallmanagements. Dank der zur Verfügung stehenden Schnelldiagnostik habe man jetzt innerhalb von ein bis sechs Stunden Ergebnisse statt wie früher erst nach zwei Tagen.

Nun hoffen die Greifswalder, dass andere Kliniken das nachmachen, was in der Hansestadt so gut funktioniert. Gründling meint, man brauche nur ein paar „Verrückte“, die für die Sache brennen und etwas Geld.

Cornelia Meerkatz

Die Zeit um 1600 gilt als die goldene Zeit Pommerns. Aus dieser Zeit stammt das Reisetagebuch des späteren Herzogs Philipp Julius. Die prachtvolle Handschrift wurde lange in Stolp verwahrt.

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