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Greifswald Sozialtourismus in der DDR auf Usedom
Vorpommern Greifswald Sozialtourismus in der DDR auf Usedom
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19:06 27.10.2018
Das legendäre „Café am See“ in Loddin. Die Pächterfamilie Breitsprecher war zu DDR-Zeiten eine Legende. Quelle: privat
Heringsdorf

Der Begriff Kaiserbäder ist ein Etikettenschwindel, ein Versuch politisch unappetitliche Zeiten durch Symbolisches zu verdrängen. Die „kaiserlichen Drei“ für Basin, Heringsdorf und Ahlbeck gehe auf eine Werbeagentur aus München zurück. Das schreibt Susanne Mansee in ihrer Dissertation „Seebadsaison. Die Kaiserbäder auf Usedom“. Der 1888 bis 1918 regierende Kaiser Wilhelm II. habe nicht in Heringsdorf Urlaub gemacht, sondern nur die Konsulin Staudt zum Tee besucht, begründet sie.

Mansee schreibt eine Gesamtgeschichte der „Kaiserbäder“ , interessiert sich aber besonders für den „jüngsten Abschnitt ihrer verdrängten zwischenliegenden Wirklichkeit“. Den nennt Mansee „Geschlossene Gesellschaft II. Die Kaiserbäder der DDR“. Kaiserbäder ist durchaus positiv gemeint. Mansee wendet sich gegen den „kolonialisierenden Blick bundesdeutscher Kulturgeschichtsschreibung“, die die eigene Werte zum Maßstab erhebt.

16 Millionen Tagesbesucher an der Ostseeküste

In der DDR prägten nicht mehr wie zu Kaisers Zeiten Bürgertum und Adel die Küstenorte. Sie waren Ziele eines großteils organisierten Massentourismus. In den 1980er Jahren machten an der DDR-Ostseeküste etwa dreieinhalb Millionen Menschen Urlaub, dazu kamen etwa 16 Millionen Tagesbesucher. Im Juli und August erhöhte sich die Einwohnerzahl des Bezirkes Rostock um 58 Prozent. Bruno Benthien, seit 1962 Geographieprofessor in Greifswald, hat nach der Wende insbesondere eingeschränkte Möglichkeiten im Ausland Urlaub zu machen, für die extreme Beliebtheit der Ostsee verantwortlich gemacht.

Mansee reicht das nicht aus. Benthiens Sicht, die westdeutsche Deutungsmuster aufgreift, genüge nicht, um die sehr positiven Erinnerung der Urlauber zu erklären. Sie erzählten mit leuchtenden Geschichten von der Erfüllung ihres Traums vom Ostseeurlaub. Die Küste, der „sandige Lebenstraum“, das „Erlebnis Meer“, der „gesundheitsbewusste Umgang mit dem eigenen Körper“ seien wichtige Faktoren, meint Mansee. Die Einstufung des Strandes als Grenzgebiet, der nach 22 Uhr nicht mehr betreten werden durfte, und die Reglementierung der Nutzung von Wasserfahrzeugen spielt in der kollektiven Erinnerung offenbar eine geringere Rolle.

Allerdings gab es einige Probleme, das Paradies Ostsee überhaupt zu erreichen. Es fehlten Autobahnen, auch die Eisenbahnanbindung war mangelhaft. Nach Usedom existierte kein durchgehender Schienenstrang, die Entfernung zwischen den Bahnhöfen Wolgast Hafen und Wolgast Fähre betrug etwa einen Kilometer.

Entlastung durch Campingtourismus

„Die überkommene, für eine privilegierte Schicht der Kaiserzeit errichteten Sommerdomizile an der Küste konnten die Zahl der Erholungssuchenden nicht beherbergen“, schreibt Mansee weiter. „In den 1960er Jahren entwickelte sich als entlastender Faktor der Campingtourismus.“ 1984 gab es im Bezirk Rostock 54 Plätze, der Zeltplatz zwischen Ueckeritz und Bansin war mit acht Kilometern Länge einer der größten Mitteleuropas. Ein Drittel aller DDR-Campingtouristen zog es in den Bezirk Rostock.

Dass der Bedarf an Plätzen für Urlauber nicht annähernd befriedigt werden konnte lag auch daran, dass in viele Pensionen und Hotel in der DDR Bürger auf Dauer eingezogen waren. Nach der „Aktion Rose“ im Jahre 1953 besaßen private Erholungsbetriebe lediglich eine geringe Bedeutung. Ferner wurden nur in begrenztem Umfang Neubauten realisiert. Auf der anderen Seite führte das zum weitgehenden Erhalt des Erscheinungsbildes der Orte. Es wurde aber zu wenig in den Unterhalt. Prägende Bauen wie der „Kaiserhof Atlantik“ in Heringsdorf wurden abgerissen. Statt des für viele „schönsten Gebäude der Ostseeküste“ wurden Bettentürme errichtet.

Laut Mansee haben die Urlauber des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) nur 40 Prozent der Kosten eines Ferienplatzes bezahlt. Die Subventionen waren beachtlich. Mitreisende Kinder von zwei bis 16 Jahren bezahlten für 13-tägige Reisen maximal 30 Mark und Bahnfahrkarten wurden um ein Drittel ermäßigt. Mansee spricht von „Sozialtourismus“. Der blieb auch erhalten, als zunehmend die staatlichen Betriebe selbst den Ferienbetrieb organisierten. Kinderreiche, Rentner, Geringverdiener konnten daher in den Urlaub fahren, anders als viele Vertreter dieser Gruppen in der BRD, und Arbeitslose gab es ja im Arbeiter- und Bauernstaat. Auch das Faktoren, die die positive Erinnerung an den Ostseeurlaub zu DDR-Zeiten stärken.

Susanne Mansee: Seebadsaison. Die Kaiserbäder auf Usedom. ISBN 978-3-96069-048-1, 28 Euro

Eckhard Oberdörfer

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