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Greifswald Usedomer SPD erleichtert: Fahne von 1928 noch da
Vorpommern Greifswald Usedomer SPD erleichtert: Fahne von 1928 noch da
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00:05 24.02.2017
Freude über den unverhofften Fund der Fahne der SPD-Ortsgruppe Usedom (v.l.): Museumsleiterin Barbara Roggow und die Vorstandsmitglieder des SPD-Ortsvereins Insel Usedom Paul Pazdzior, Marcus Stock, Cesar Ramirez, Falko Beitz, Vicco von Voss und Günther Jikeli. Quelle: Fotos: Tom Schröter

Wolgast/Usedom Für die Usedomer SPD war es ein Glücksfall: Gut drei Wochen vor der Eröffnung des Wolgaster Heimatmuseums am 6. Juli 1955 gelangten, einem Aufruf in der OSTSEE-ZEITUNG folgend, etliche historisch wertvolle Exponate nach Wolgast. Hierzu gehörte damals auch die Traditionsfahne der Sozialdemokratischen Partei Usedom von 1928. Der Besitz solcher und ähnlicher Ehrenbanner war in der noch jungen DDR nicht unproblematisch. „Ein Angehöriger der Familie Winterfeldt erzählte uns jetzt, dass der Usedomer Franz Dröse die Fahne damals ins Museum gebracht hat“, berichtet Falko Beitz (SPD), Vizebürgermeister der Gemeinde Stolpe.

Bei der Nachricht spitzten die Genossen natürlich die Ohren. Denn: Dass das längst verloren geglaubte Wahrzeichen der Usedomer Ur-Genossen bis heute existiert, mochten sie kaum glauben. Ein kurzer Anruf brachte jedoch Gewissheit. Museumsleiterin Dr. Barbara Roggow konnte den Parteimitgliedern nach einem Blick ins Museumsinventar versichern, dass die Fahne bis heute unversehrt im Fundus der „Kaffeemühle“ lagert.

Am Mittwoch nun, gut 60 Jahre nach der Übergabe des Ehrenzeichens, hielten die Usedomer Genossen die grün-rote repräsentative Flagge wieder in ihren Händen. In feiner Stickerei gefertigt, ist auf der einen Seite „1928 Sozialdemokratische Partei Usedom“ und auf der anderen Seite „Proletarier aller Länder – vereinigt Euch!“ zu lesen. „Meistens haben seinerzeit die angehörigen Frauen die Fahnen bestickt. Mit etwas Geschick kann man heute eine Nachbildung herstellen“, so Roggow. Das Usedomer SPD-Urgestein Dr. Günther Jikeli freut sich über den unverhofften Fund. „Über die Anfangsjahre der Usedomer SPD ist nur sehr wenig bekannt; wir wissen noch nicht einmal das Gründungsjahr“, erklärt er. Als sicher gelte, dass die Usedomer Ortsgruppe zwölf Mitglieder zählte, zu denen in den 1920-er Jahren Erich Keller, Albert Winterfeldt, Franz Schmiedeberg und Franz Dröse gehörten. „Auch während der Nazi- Zeit“, so berichtet Jikeli, „versammelten sich die Mitglieder trotz des geltenden Verbots, und zwar im Hinterzimmer eines Hauses hinter der alten Feuerwehr in der Priesterstraße.“

Das Wiederauffinden der Traditionsfahne wollen die SPD-ler zum Anlass nehmen, um die Nachfahren der frühen Genossen in genau diesem Haus zu einem Erinnerungstreffen einzuladen. Sicher machen dann noch vorhandene Dokumente, wie etwa einige Personalbögen sowie die Mitgliedskarte Erich Kellers nach der Wiedergründung der Usedomer SPD-Ortsgruppe im Oktober 1945, die Runde. Wo und wie die Usedomer Ehrenfahne das Dritte Reich und die DDR-Gründung überdauert hat, wird wohl nicht mehr geklärt werden können. Zeitzeugen gibt es nicht mehr.

Indes schlummern im Magazin der „Kaffeemühle“ viele weitere alte Fahnen, die Vereins- und Verbandsmitglieder aller Couleur einst stolz vor sich her trugen. Sie erinnern an die Wolgaster Liedertafel, den Wolgaster Radfahrverein „Solidarität“ 1910, den Deutschen Holzarbeiterverband, die Freie Turnerschaft 1907 in Wolgast, den Fischereiverein Wolgast und Umgebung und andere. Eine Extra-Ausstellung würde sich lohnen.

Der Aufruf aus dem Jahr 1955

„Die OSTSEE-ZEITUNG kann am 25. März 1955 die breitere Öffentlichkeit von der bevorstehenden Eröffnung der Heimatstuben in Kenntnis setzen. Wolgaster Bürger werden gleichzeitig zur Mitarbeit aufgerufen und vor allem auch um Überlassung von historisch wertvollen Dokumenten und Gegenständen gebeten. Der Aufruf löste ein vielseitiges Echo aus. Wolgaster stifteten museumswürdige Stücke, überließen wertvolle Zeugnisse heimatlicher Kultur, von denen man sich ungern trennte, aber im Hinblick auf die gute Sache doch der Allgemeinheit willig zur Verfügung stellte.“

(Aus Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadt Wolgast, 1957)

Tom Schröter

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