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Greifswald Usedomer kehrt Usedom den Rücken
Vorpommern Greifswald Usedomer kehrt Usedom den Rücken
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00:00 27.04.2017

Das Leben von Gerd Rauschenbach ist in Umzugskartons verpackt. Hunderte Bücher, Hocker, Matratzen und Schränke – in seiner Garage stapeln sich die Einrichtungsgegenstände bis unter die Decke. Der 66-Jährige zieht weg. Weg aus Zinnowitz, weg von der Insel Usedom. Nach 32 Jahren will er nicht mehr dort wohnen, wo andere hinziehen, um ihren Lebensabend zu verbringen. Die Beweggründe für den Wegzug hat er sich reiflich überlegt. „Diese Insel ist nur noch für den Massentourismus geeignet. An vielen Orten entstehen neue Hotels, viele Stellen werden zubetoniert. Das hat nichts mehr mit sanftem Tourismus zu tun. Es ist ein verlorenes Paradies geworden. Schade eigentlich“, sagt er.

Rauschenbach kam 1985 nach Zinnowitz, um die Sanierung der 1981 fertiggestellten Schwimmhalle, die schwere bauliche Mängel aufwies, als Oberbauleiter zu führen. Danach sollte das Kulturhaus saniert werden. Doch kurz vor der Wende stoppten die Arbeiten am Haus. „Das Gebäude wurde ausgeschlachtet wie eine Weihnachtsgans und sich selbst überlassen. Da waren so viele Vandalen drin und zerstörten alles“, sagt er. Dass aus dem einstigen Vorzeigeobjekt wieder ein ansehnliches Schmuckstück im Ostseebad wird, bezweifelt Rauschenbach.

Gerd Rauschenbach gehört zu den Menschen, die oft sprichwörtlich gegen den Strom schwimmen und bei Missständen den Mund aufmachen. Ob Krankenhausproblematik in Wolgast, Bürgerinitiativen auf der Insel oder Kommunalpolitik – Rauschenbach stieß mit seinen Äußerungen oft auf Widerstand. Er ist kein Freund von Bürgerinitiativen, von denen es auf Usedom und in der Region verschiedene gibt. Ein Grund, warum er Usedom den Rücken kehrt, ist die „provinzielle Enge“. „Ich habe 15 Jahre lang auf Montage gearbeitet, war weltweit unterwegs. Das weitet den Blick. Auf Usedom habe ich das Gefühl, dass viele diesen Weitblick nicht haben.“ Durch den immer weiteren Bau von Ferienwohnungen und Hotels sinke die Lebensqualität. Viele Menschen hätten im Winter gar keine Nachbarn, weil dort nur leerstehende Ferienwohnungen stünden.

Rauschenbachs neues Domizil wird nun die Feldberger Seenlandschaft. „Dort gibt es noch sanften Tourismus und keine vollgestopften Straßen“, sagt er. Seine Eigentumswohnung verkaufte er an einen jungen Geldanleger. „Wir ziehen in eine Gegend, in der sich schon die Schriftsteller Hans Fallada und Fritz Reuter wohl fühlten. Deswegen mühe ich mich gerade mit Reuters ’Dörchläuchting’“, sagt er und lacht.

Hannes Ewert

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