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Verbände boykottieren Erörterung für Gaskraftwerk

Lubmin Verbände boykottieren Erörterung für Gaskraftwerk

Kommenden Montag beginnt die Eröterung für die Anlage, die in Lubmin errichtet werden soll. 570 Einwendungen hat es gegen das Projekt gegeben.

Lubmin. Die Umweltverbände NABU und BUND sowie die Bürgerinitiative gegen den Bau eines Gaskraftwerkes in Lubmin gehen auf Konfrontationskurs: Sie wollen an der am 27. Mai beginnenden Erörterung des Projektes nicht teilnehmen und planen eine Klage gegen das Vorhaben. Der Aufwand für die kurzfristig angesetzte zweiwöchige Erörterung sei zu hoch, teilten die Verbände mit. Zudem lägen der zuständigen Behörde die Gegenargumente bereits vor. Bürgerinitiative und Umweltverbände würden sich stattdessen auf eine mögliche Klage gegen die zu erwartende Genehmigung vorbereiten.

Die Erörterungen für das Gaskraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1800 Megawatt sollen zwischen dem 27. Mai und 6. Juni in Stralsund stattfinden. Ursprünglich sollten sie schon Mitte April beginnen. Die Umweltverbände halten das Kraftwerk für überflüssig, außerdem seien die Pläne veraltet und verstießen gegen Vorschriften mehrerer Naturschutzgebiete. Insgesamt gingen rund 570

Einwendungen gegen das Projekt ein.

„Bürgerinitiative und Verbände sehen sich nicht in der Lage und sind auch nicht gewillt, die Kosten für eine durchgängige Teilnahme am Erörterungstermin für Gutachter und Anwälte aufzubringen“, sagte die Sprecherin der Bürgerinitiative, Christa Labouvie. Auch sei das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StaLU) in Stralsund auf frühzeitige Bitten um Änderung der Tagesordnung nicht eingegangen, ebenso seien Beschwerden über den Tagungsort ignoriert worden. Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) als Antragsteller für das Gaskraftwerk wollten sich zur Absage der Verbände nicht äußern. Die Rechtsnachfolger des ehemaligen DDR-Atomkraftwerks und Betreiber des atomaren Zwischenlagers Nord hatten 2010 nach dem Rückzug des Kohlekraftwerksinvestors Dong Energy dessen Rumpfplanungen übernommen. Die EWN wollen nach einer möglichen Genehmigung die Planungen verkaufen und damit einen Großinvestor auf das Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks im strukturschwachen Vorpommern locken.

Der Energiekonzern Eon hatte seine Planungen für ein Gaskraftwerk bereits vor Jahren auf Eis gelegt. Der Konzern EnBW hat sich ein Grundstück in Lubmin gesichert, bislang aber noch keine Investitionsentscheidung getroffen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) wirbt inzwischen beim russischen Energieriesen Gazprom für ein Engagement am Greifswalder Bodden. Gazprom ist Mehrheitseigner der Ostsee-Erdgaspipeline, die in Lubmin anlandet.

Für die Umweltverbände ist der Standort Lubmin der „für die geplante Nutzung am schlechtesten geeignete in Mecklenburg-Vorpommern und in Deutschland“, heißt es in ihrem Positionspapier. Ungelöst sei vor allem das grundsätzliche Problem einer fehlenden Kraft-Wärme-Kopplung.

Einen konkreten Interessenten für das Projekt mit einer Gesamtfeuerungswärmeleistung von 3450 Megawatt gibt es bislang nicht. Wegen des rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien scheuen die Betreiber von Gaskraftwerken derzeit Investitionen in den Bau neuer Kraftwerke für fossile Brennstoffe.

 

 

Martina Rathke

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