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Verkauf geplatzt – Schandfleck bleibt

Greifswald Verkauf geplatzt – Schandfleck bleibt

Das Gebäude in der Schützenstraße bleibt Eigentum von Torsten Abs / Zukunft des Hauses unklar

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Die Brandruine Schützenstraße 5 bleibt im Besitz des früheren Greifswalder Immobilienunternehmers.

Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswald. Der frühere Greifswalder Immobilienunternehmer Torsten Abs hat es geschafft. Die stark mit Krediten belasteten Grundstücke in der Schützenstraße 5 bleiben Eigentum des Mittfünfzigers. Hier steht die Ruine einer Villa. Die drei Greifswalder, die vor einer Woche immerhin 725000 Euro für die 3600 Quadratmeter geboten hatten, haben das Nachsehen.

Gestern Morgen kurz nach 9 Uhr verkündete die Rechtspflegerin die Einstellung des laufenden Zwangsversteigerungsverfahrens auf Wunsch des betreibenden Gläubigers. Das ist die Duisburger Hoist GmbH, nach eigenen Angabne „Spezialist für die Bearbeitung leistungsgestörter, immobilienbesicherter Kredite in Deutschland“.

Einen Tag zuvor hatte der Gläubiger seinen Wunsch per Fax mitgeteilt, hieß es im Gericht. Torsten Abs war selbst anwesend und kommentierte in Richtung OZ: „Da hast Du wieder was zu schreiben.“

Mit der geplatzten Zwangsversteigerung ist die Zukunft dieses Greifswalder Schandflecks wieder völlig offen. Es könnte nun ein anderer Gläubiger ein neues Zwangsversteigerungsverfahren beantragen.

Schon 2008 und 2011 waren Zwangsversteigerungen der Schützenstraße gescheitert. Torsten Abs versteht es, das Recht so zu nutzen, dass er Eigentümer bleibt.

Der Fall Schützenstraße 2017 hat etwas von „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Vor einer Woche kam es im Versteigerungssaal zu einer regelrechten Bieterschlacht. Mit dabei ein Herr M., der per Mobiltelefon Kontakt nach draußen hielt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er mit Abs korrespondierte. Herr M. überbot ungerührt jedes Gebot, obwohl er nicht die erforderliche Sicherheitsleistung von 27500 Euro auf den Tisch legen konnte. Ihm fehlten 2000 Euro. Seine Gebote waren demnach nicht rechtskräftig. Herr M. legte Widerspruch ein, und am Ende hatte er mit 730000 Euro 5000 Euro mehr als alle anderen geboten. Hätte die Rechtspflegerin den Zuschlag wegen des nicht gültigen Gebots an die drei Greifswalder erteilt, wäre die Chance zur Einstellung durch die Hoist GmbH dahin gewesen. Eine Klage gegen die Entscheidung des Amtsgerichts beim Landgericht wäre natürlich möglich geblieben.

So war der Zuschlag noch nicht erteilt, die Einstellung des Verfahrens blieb möglich. Herr M., der nun „seine“ 25500 Euro zurückbekommt, war gestern ebenfalls im Saal. Nach OZ-Informationen soll M. auch bei der illegalen Baumfällaktion in Eldena am Bodden (Hoher Graben) auf den dortigen Abs-Grundstücken beteiligt gewesen sein. Der mutmaßliche Einsatz eines Strohmanns ist nicht neu. Abs ließ

beispielsweise 2008 bei der ersten Zwangsversteigerung der Schützenstraße 5 eine GmbH das meiste bieten. Sie bezahlte nach der Zuschlagserteilung nicht. In diesem Fall war die Sicherheitsleistung allerdings futsch. 2011 befand das Amtsgericht Abs wegen Betrugs und versuchten Betrugs im Zusammenhang mit Zwangsversteigerungen der Greifswalder Grundstücke Am Mühlentor 2 und Schützenstraße 5 sowie des Wohnblocks in der Guester Straße in Diedrichshagen ab 2007 für schuldig. Zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 150000 Euro Sicherheitsleistungen in den Sand gesetzt.

Was den als hochintelligent und sehr beredsam geltenden Torsten Abs antreibt, das ist unklar. Er soll in Berlin leben.

Bisher hat Abs nicht eine einzige Immobilie, die er in Greifswald nach der Wende erwarb, saniert oder ein Grundstück neu bebaut. Lediglich am Gebäude Am Mühlentor 2 startete er Sanierungsarbeiten mit einer eigenen Firma, die aber in Insolvenz ging. Dieses Haus wurde letzten Endes erfolgreich zwangsversteigert und durch zwei Greifswalder saniert. Das klappte auch bei anderen Abs-Immobilien wie beispielsweise am Fischmarkt. Die Schützenstraße 5 hat er übrigens geerbt.

Villa Schützenstraße brannte 2014 ab

Das bereits leerstehende Haus brannte in der Nacht zum 10. August 2014 aus. Es stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit langem leer. Der Schaden wurde auf 10000 Euro geschätzt. Die Villa, ein Zweifamilienhaus mit 342 Quadratmetern Grundfläche, wurde 1904 errichtet. Ab 1940 bis Mitte der 1990er Jahre befanden sich auf dem Gelände ein Holz- und Kohlehandel sowie ein Maschinenreparaturbetrieb. Auch eine Lackiererei soll vorhanden gewesen sein. Eine Sanierung des Gebäudes gilt als unwirtschaftlich. Eine schon erteilte Abrissgenehmigung ist inzwischen nicht mehr gültig.

Eckhard Oberdörfer

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