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Greifswald Verkehrsbetrieb und Eltern für kostenfreie Busfahrten
Vorpommern Greifswald Verkehrsbetrieb und Eltern für kostenfreie Busfahrten
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00:00 21.10.2017
Greifswald

Bis zur sechsten Klasse bekommen Kinder im Landkreis Vorpommern-Greifswald ein kostenloses Schülerticket, wenn sie weiter als zwei Kilometer entfernt von der Schule wohnen. Ab der siebten Klasse gilt eine Vier-Kilometer-Grenze. Allerdings sind diese Fahrkarten nur bis 18 Uhr und nicht am Wochenende gültig. Wer also beispielsweise die Musikschule oder das Training bei einem Sportverein besucht, muss sich nach bisheriger Regelung einen Fahrschein kaufen.

Wir wollen, dass alle Kinder 24 Stunden an 365 Tagen kostenlos Bus fahren können. Claudia Metz, Stadtelternrat

Der Greifswalder Stadtelternrat will das ändern, und zwar gleich in großem Stil. „Wir wollen, dass alle Kinder in Mecklenburg-Vorpommern 24 Stunden an 365 Tagen kostenlos Bus fahren können“, sagt die Vorsitzende Claudia Metz. Dafür läuft gegenwärtig eine Volksinitiative. 15000 Unterschriften sind notwendig, damit sich das Landesparlament mit der Schülerbeförderung auseinandersetzt. Claudia Metz kennt Fälle, in den Kinder nach 18 Uhr an der Haltestelle stehen blieben, weil sie kein Geld dabei hatten.

„Meine Söhne waren beim Sport und hatten vergessen, Geld mitzunehmen", schildert der Eldenaer Ibrahim Al Najjar einen aktuellen Fall. Etwa um 20.40 Uhr standen sie an der Bushaltestelle Ärztehaus/Ernst-Thälmann-Ring, erzählt er. Der Busfahrer hätte die Kinder wegen der fehlenden Bustickets nicht mitgekommen, berichtete der Greifswalder. Der älteste, 16 Jahre alt, habe vergeblich darum gebeten, dass seine acht- und zehnjährigen Brüder mitfahren könnten. Die Kinder seien dann zu Fuß gegangen. „Mein großer Sohn hatte mich wegen der Sache angerufen“, erzählt Al Najjar. „Aber ich war unterwegs. Die Jungen hatten die Hälfte der Strecke zu Fuß zurückgelegt, ehe ich sie aufsammeln konnte.“ Wer eine Schülerfahrkarte hat, soll auch nach 18 Uhr mit dem Bus in Greifswald fahren können, fordert auch Al Najjar, der für die SPD in der Bürgerschaft sitzt.

In Greifswald ist die Verkehrsbetrieb Greifswald GmbH für den Busverkehr und damit auch die Schülerbeförderung zuständig. Die zeitliche Beschränkung der Gültigkeit der Schülertickets auf die Zeit von 5.30 bis 18 Uhr ergebe sich aus dem Landesschulgesetz, erläutert Sprecherin Steffi Borkmann. „Wir würden die Einführung eines kostenlosen 365-Tage-Tickets für Schüler begrüßen“, sagt Henrik Umnus, Geschäftsführer der Verkehrsbetrieb Greifswald GmbH. „Das würde mehr Gerechtigkeit durch Gleichbehandlung aller Schüler bei Beförderungsleistungen und mehr Sicherheit vor Schulen bringen, weil es weniger ,Elterntaxis’ geben würde“, unterstützt Umnus den Kreiselternrat. „Mehr Fahrgäste und eine Stärkung des ÖPNV sind eine Grundvoraussetzung zur Erreichung der Klimaschutzziele nicht nur in Greifswald.“ Die Kosten für ein 365-Tage-Ticket für alle Schüler könnte das städtische Unternehmen aber nicht übernehmen. Das sei schon Sache des Landes.

Kreis und Stadt arbeiten indes schon an einer Lösung, die das Problem zumindest entschärfen könnte. „Am 9. Oktober wurde der Nahverkehrsplan 2017 bis 2027 für Vorpommern-Greifswald und Greifswald beschlossen“, sagt Landkreissprecher Achim Froitzheim. „Dort ist die Prüfung der Einführung eines Schülerfreizeittickets vorgesehen.“ Das Ziel sei eine Lösung, die die Nutzung aller Verkehrsmittel im ganzen Landkreis ermöglicht. Wie das genau aussehen wird, könne man jetzt noch nicht sagen.

Verglichen mit dem flachen Land sei Greifswald in MV aktuell noch eine regelrechte Wohlfühlzone, ergänzt Metz. Denn in der Stadt gebe es einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr. Wer auf dem Dorf wohnt, sei in Mecklenburg-Vorpommern nach dem Sport oder dem Besuch einer Arbeitsgemeinschaft in anderen Orten in der Regel aufs Elterntaxi angewiesen.

Eckhard Oberdörfer

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