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Greifswald Verletzliche Gesichter
Vorpommern Greifswald Verletzliche Gesichter
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00:00 17.11.2016
Fotografin Manuela Koska, Rabbi William Wolff (mitte) und Prof. Roland Rosenstock bei der Ausstellungseröffnung. FOTO: ANNEMARIE BIERSTEDT

Zwei Männer im weißen Hemd, einen schwarzen Hut auf dem Kopf; der eine alt und gebückt, der andere jung und aufrecht. Beide spazieren über eine Wiese;

Schönwetterwolken zeugen von einem sonnigen Tag. Das Foto zeigt den 89-jährigen Rabbiner William Wolf neben einem Mann aus der jüdischen Gemeinde Schwerin. Beide gehen durch das KZ Auschwitz.

„Abraham war Optimist“ heißt die Ausstellung von dieser und anderen Aufnahmen jüdischen Lebens. Seit Dienstagabend ist sie im Alfried-Krupp-Kolleg am Dom zu sehen. „Wir brauchen eine starke jüdische Gemeinde für mehr Vielfalt in MV. Die Ausstellung kann ein Türöffner für den Blick auf ihr Leben und ihre Identität sein“, bemerkt Christian Suhm von der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Die Fotos zeigen jüdisches Leben bei uns, doch sie sind uns fremd“, gibt Roland Rosenstock, Professor für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Religions- und Medienpädagogik in Greifswald, zu bedenken. „In unseren Köpfen“, erklärt er, „haben sich stereotype Bilder des Antisemitismus eingebrannt.“ Rosenstock appelliert, diese vorurteilsbehafteten Bilder zu vergessen und sich in mehr Menschlichkeit zu üben. „Es geht um Fragen der jüdischen, aber auch unserer eigenen Identität.“

Über ein Jahr lang begleitete die Fotografin Manuela Koska aus Pinnow bei Schwerin den ehemaligen Landesrabbiner von MV, Wolff. „Auslöser dieses Projekts war sein Lächeln“, verrät sie. Entstanden sind so 36 Tafeln, eine einfühlsame Bildreportage über jüdisches Leben heute, ergänzt durch Briefe eines weltoffenen Rabbiners und Texte eines jungen Juden. Ein Teil davon ist nun in Greifswald zu sehen. Auf den Momentaufnahmen erkennt der Betrachter Wolff auf alltäglichen Spaziergängen oder in seinem Amt. Mit am eindrucksvollsten ist wohl die Verletzlichkeit in den Gesichtern anderer Gemeindemitglieder, von der Tränen und geschlossene Augen künden. „Ich wollte die Wirklichkeit aufnehmen, nicht manipulieren“, erklärt die Fotografin.

Wolff wurde 1927 in Berlin geboren. 1939 emigrierte er nach London und arbeitete dort über 25 Jahre als Journalist. Nach 68 Jahren kehrte er als Rabbiner nach Deutschland zurück. „Durch die Arbeit mit ihm habe ich zu mehr Gelassenheit, Menschlichkeit und mehr Lächeln gefunden“, berichtet Koska. „Jeder hat ein Herz und muss es nur nutzen“, sagt William Wolff.

Annemarie Bierstedt

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