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Verlierer und Gewinner teilen sich Usedomer Ostseeküste

Insel Usedom Verlierer und Gewinner teilen sich Usedomer Ostseeküste

Entlang der Ferieninsel büßen Gemeinden Strand ein, andere erhalten Zuwachs

Insel Usedom. Einheimische kennen das Phänomen: Wenn die Ostsee nach Stürmen wieder Land zurückgibt, geht die Inselmitte zwischen Zempin, Koserow und Ückeritz oft leer aus.

Hier wird nur abgetragen und die Strandverluste sind hoch. Das letzte Sturmhochwasser „Axel“ zeigte dies eindrucksvoll. „Das Geschehen entspricht der normalen Sedimentdynamik der Insel Usedom“, sagt dazu Dr. Walter Schumacher vom geografischen Institut der Greifswalder Uni.

Aber es gibt auch Strandgewinner. So bezeichnet Schumacher die polnische Inselstadt Swinemünde als „Sedimentfalle“. Durch die zentrale Lage der Küstenstadt in der Pommerschen Bucht fängt sich hier der anderenorts abgetragene Sand. Insbesondere die von Westen als Hauptrichtung wehenden Winde und Strömungen bringen Swinemünde Landzuwachs. Demzufolge wird der Strand in Swinemünde immer breiter.

Alte Matrikelkarten belegten eindrucksvoll, „wie die Stadt in den vergangenen 300 Jahren ins Meer gewachsen ist“, so der Geologe.

Als im Dezember 2013 der Orkan „Xaver“ von Westen her über Usedom hinwegzog, meldeten polnische Behörden drei Monate später einen Strandzuwachs von 30 Metern. „So einen Zuwachs gab es seit Jahren nicht mehr“, hieß es. Normalerweise seien es rund 40 Zentimeter pro Jahr. Der Leiter der Marinestation der Fakultät für Geowissenschaften an der Uni Stettin, Dr. Tomasz Olechwir, versicherte seinerzeit ebenfalls, dass der Landzuwachs logisch und mit Meeresströmungen, die in der Region dominierten, zu erklären sei. Olechwir warnte jedoch vor übermäßigem Optimismus und der Idee, Erholungseinrichtungen am Strand zu bauen. „Derzeit entsteht mehr Land, aber das muss nicht immer so sein. Es reicht, dass sich die Meeresströmungen oder der Ostseewasserstand ändern – und ganz schnell kann der Strand wieder schmaler werden“, erklärte er. Die Polen zeigen sich davon jedoch unbeeindruckt: Das jüngste Vier-Sterne- Hotel Swinemündes wird direkt in die Düne gebaut.

Der Swinemünder Strand gilt heute als einer der schönsten und breitesten im Nachbarland. An einigen Stellen soll er eine Breite von bis zu 160 Metern erreichen. Die Bewohner scherzen schon, dass die sich an den Dünen erholenden Urlauber wohl bald zum Wasser mit dem Fahrrad fahren müssten.

Wenn wir heute wissen, dass der Sand, der Swinemünde wachsen lässt, von den Usedomer Stränden kommt, muss darauf hingewiesen werden, dass ein Teil des Malheurs menschengemacht ist. In verschiedenen Quellen ist zu lesen, dass vor dem Streckelsberg einst ein natürlicher Wellenbrecher, das „Vinetariff“, lag. Die großen Steine des Riffs wurden ab 1818 nach und nach mit flachgehenden Fischerbooten und Steinzangen gehoben und zum Molenbau nach Swinemünde gebracht.“ Damit war ein natürlicher Wellenbrecher vor dem Streckelsberg verschwunden. Der damaligen Regierung war der Molenbau mit den dazu benötigten Steinen wichtiger. Vor Swinemünde entstanden die 1020 Meter lange Westmole, von der nur noch etwa 200 Meter mit Mühlenbake sichtbar sind, und die 1372 Meter lange Ostmole. 1829 wurden sie fertiggestellt.

Der Vollständigkeit halber muss hinzugefügt werden, dass insbesondere gegen den starken Küstenrückgang und zum Schutz des Streckelsberges an dessen Fuß Ende des 19. Jahrhunderts eine mehrere 100 Meter lange Uferschutzmauer errichtet wurde. Dies führte jedoch an den angrenzenden Küstenabschnitten zu verstärkter Erosion. Das Bauwerk hatte etwa ein Jahrhundert lang Bestand. Erst in den 1990er Jahren wurde die inzwischen stark beschädigte Mauer entfernt. Als alternative Lösung, die die Dynamik des gesamten Küstenbereichs stärker berücksichtigen sollte, wurden in einer Entfernung von 200 Metern von der Küste drei jeweils 200 Meter lange Wellenbrecher aufgeschüttet. Unterhalb des Streckelsberges wurde Sand aufgespült und eine 615 Meter lange, flache Schwergewichtsmauer errichtet.

Damit konnte – zumindest hier – der Küstenrückgang aufgehalten werden.

Stefan Brümmer

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