Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Verpflegung für eine ganze deutsche Armee
Vorpommern Greifswald Verpflegung für eine ganze deutsche Armee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 18.04.2016
Der heute von den Paintballspielern genutzte Bunker war Teil des Heeresversorgungsamtes. Quelle: Eckhard Oberdörfer

Wo heute mit Farbkugeln geschossen wird, wurden bis 1945 Konserven verwahrt.

Denn der Bunker der Paintballspieler gehörte zum Greifswalder Heeresverpflegungsamt, erinnert sich Gerd Lorenz. Er war zum Kriegsende fünf Jahre alt. Seine Mutter erzählte viel über diese Zeit, berichtet der Pathologieprofessor.

Der Rest eines einst größeren Gebäudes am Weg von der Eisenbahnunterführung Am Grünland zum Gorzberg ist heute Paintballbunker. Nach 1945 nutzte das Autobahnbaukombinat ein zugehöriges und erhalten gebliebenes Gelände. Direkt an der Eisenbahnstrecke blieb im Bereich der Unterführung die zugehörige Verladerampe des Heeresversorgungsamtes erhalten. Die Strecke Stralsund-Berlin war bis Kriegsende zweigleisig. Ein Schienenstrang wurde als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert, aber in der DDR-Zeit wiederaufgebaut.

„Vor dem Einmarsch der Roten Armee haben die Einwohner das Heeresversorgungsamt geplündert“, erzählt Gerd Lorenz. Mit Handwagen, sogar Pferdewagen, wurden Lebensmittel abgefahren. Vor allem Frauen bedienten sich hier. Die Männer waren ja noch im Krieg oder in Gefangenschaft.

Die Lager waren gut gefüllt mit Büchsen voller Gemüse, Fleisch, Schmalzfleisch, Fertiggerichten, Marmelade und so weiter. Kaffee und Zucker in Säcken waren auch beliebt. „Man hätte eine ganze Armee mit den Beständen versorgen können.“ Kistenweise Konserven wurden anschließend in den Greifswalder Gärten vergraben. Und zwar so, dass sie die sowjetischen Soldaten nicht fanden, wenn sie mit ihren Säbeln auf der Suche danach im Boden stocherten.

„Im April 1945 verteidigte der Volkssturm das Heeresversorgungsamt noch“, erzählt Gerd Lorenz. „Meine Mutter hat ihnen gesagt, dass sie weggehen sollen.“ Am 30. April erfolgte dann die kampflose Übergabe Greifswalds.

Begehrt gewesen sei auch das oberirdisch reichlich vorhandene Holz. Möglicherweise waren die Gebäude nur Baracken. Die Bunker, Keller, wie die Greifswalder sagten, blieben erhalten. Die Kinder der Stadtrand- und der Obstbausiedlung spielten auf diesem Gelände Krieg. Gerd Lorenz war natürlich dabei. In den Gruben mit den Bunkern stand Wasser — ideal fürs winterliche Schlittschuhlaufen.

eob

OZ

SPD veranstaltete Frühjahrsputz rund um den Spielplatz Pappelallee / Elf volle Müllsäcke in drei Stunden

18.04.2016

Die Dänen zählten 1717 im Nordischen Krieg ihre Untertanen ganz exakt

18.04.2016

Hunderte Gäste bei großem Pierfest im Stadthafen / Greifswalds OB ebenfalls an der Warnow dabei

18.04.2016
Anzeige